Urlaub für einen Tag

Wo Friedrich Wilhelm I. regieren übte

Von Königs-Wusterhausen aus wurde 1922 die erste Radio-Live-Übertragung ausgestrahlt. Auf dem Funkerberg kann man in die Radiogeschichte eintauchen - oder in der Stadt und ringsherum in einen der 70 Seen springen. Familien mit Kindern sollten zudem den Wasserspielplatz nicht verpassen.

Wasser auf Spielplätzen? Das kennt man hier und da – meist aber nur auf kleinem Raum. In Königs Wusterhausen kann man indes aus dem Vollen schöpfen: Dort gibt es einen richtigen Wasserspielplatz, mit in den Boden eingelassene Rinnen, Staustufen und kleinen Schleusen, die Kinder – auch aus Berlin – magisch anziehen.

Natürlich ist die Aufregung groß, wenn das Wasser erfolgreich gestoppt werden kann. Die Eltern werden dabei kaum beachtet und sehen von der Liegewiese aus zu. „Meine Kinder wollen auf keinen anderen Spielplatz mehr“, sagt Sabine Müller aus Königs Wusterhausen. Ihre Tochter Marie baue fast ununterbrochen Staudämme. Auch die kleine Angelique ist fasziniert. „Ich bin hier fast jeden Tag.“ Die Siebenjährige strahlt. „Am liebsten mag ich, wenn das Wasser so schön plätschert.“

Um die Anlage auf der Mühleninsel neben dem Schlosspark fließt der Notte-Kanal, der Königs Wusterhausen durchquert. Große alte Bäume spenden Schatten an heißen Tagen. Am anderen Flussufer sitzt man im Biergarten des Restaurants „Jagdschloss 1896“ direkt über dem Wasser und unter hohen Linden, Geranientöpfe hängen am Geländer. Friedrich Wilhelm I. soll dort Anfang des 18. Jahrhunderts Stammgast gewesen sein. Vielleicht aß er damals schon Gänseleber mit gebratenem Apfel und Calvados. Zu Fuß kommt man ein paar Häuser weiter an der „Kanalwurst“ vorbei. So nennen die Einheimischen die Currywurst von Jacqueline Karwinkels Imbiss – eine Institution.

Am 5. September ist Schlossfest

Königs Wusterhausen wirkt geradezu herausgeputzt. Das kleine Schloss strahlt vor dem Hintergrund des Parks, eingerahmt von zwei Kavalierhäusern. In einem ist das Schlossrestaurant untergebracht. Heute gibt es Walnusstagliatelle mit Pfifferlingen. Neben der Terrasse liegt die Schlossbäckerei. Ein Puppenhaus mit Schlossatmosphäre: kleine Tischchen mit cremefarbenen Stühlen unter Gewölbedecke und Kronleuchtern.

„KW“, wie die Bewohner ihren Stadtnamen abkürzen, hat sich touristisch gut entwickelt. „Wir haben mittlerweile drei Museen, tolle Biergärten, und der Schlosspark ist wunderschön. Fast alles ist zu Fuß gut erreichbar. Wir verstehen uns als familienfreundliche Stadt“, sagt Sprecherin Ursula Schlecht. „Besonders die Mühleninsel mit ihrem halb verwilderten Garten und den Picknickplätzen ist ein schöner Ort für Familien.“ Beim Schlossfest am 5. September gibt es dort ein extra Kinderprogramm, bei dem auch historische Spiele veranstaltet werden. Sie waren modern, als der „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. ein kleiner Junge war. Als Zehnjähriger bekam er das Jagdschloss und sämtliche Wusterhausener Güter von seinem Vater Friedrich I. – zum „Regierenüben“.

Beim Bootsverleih „Königsboot“ neben dem Wasserspielplatz gibt es Miet-Kajaks in jeder Größe für Ausflüge ins Dahme-Seengebiet. Es hat 70 große und kleine Seen mit unzähligen Naturbadestellen und ist berühmt für seine herrliche Landschaft. Auch Kinder können mitfahren, die kleinste Weste ist für 10 bis 15 Kilo geeignet. Der Vorteil: Nach kurzer Einweisung kann man als absoluter Kajak-Anfänger losfahren. Viele Besucher nehmen das Fahrrad. Die kürzeste Runde auf dem Dahme-Radweg ist 25, die längste 130 Kilometer lang. Einen Fahrradverleih gibt es gleich in der Nähe vom Bahnhof Königs Wusterhausen. Viele versorgen sich im Tourismus-Büro am Bahnhof noch mit Kartenmaterial.

Strandbad mit 50-Meter-Rutsche

Doch man muss Königs Wusterhausen nicht verlassen, um in schönen Seen zu baden. Sieben familienfreundliche Badestellen mit Spielplätzen gibt es im Stadtgebiet. Die einzige, in der man Eintritt bezahlen muss, ist zugleich eine der attraktivsten. Unter Eichen und Erlen gibt es seit 1933 das Strandbad Neue Mühle mit 50-Meter-Rutsche, Ruderbooten und sehr gepflegter Liegewiese mit Spielplatz. Ein Kiosk bietet kleine Gerichte an.

Die berühmteste Sehenswürdigkeit in Königs Wusterhausen ist aber das Sender- und Funktechnikmuseum. Bergauf über holpriges Kopfsteinpflaster gelangt man zu dem Ort, an dem deutsche Radiogeschichte geschrieben wurde. Hier wurde im Dezember 1922 die erste Live-Sendung im Radio übertragen – ein Weihnachtskonzert. Heute sieht man noch die gigantischen Original-Sendeanlagen: Ein Sender ist so groß wie fünf Garagen. „Das Museum ist erfolgreich. Wir hatten letztes Jahr rund 10.000 Besucher“, sagt Geschäftsführer Colin de Lage. Das ist viel, denn das Museum öffnet nur viermal pro Woche. Ein Highlight ist der 1000-PS-Schiffsdieselmotor, der jeden letzten Sonntag im Monat angeworfen wird. Er lieferte früher den Strom, denn der Sender verbrauchte so viel Energie, dass ohne ihn die Versorgung unten im Ort zusammengebrochen wäre.

Wer 110 Stufen nicht scheut, kann auf den alten Wasserturm vor dem Funkerberg-Gelände steigen. Von dort hat man einen schönen Blick über die Landschaft des Dahme-Seengebiets. Das Kulturcafé „Der Turm“ ist im Untergeschoss und bietet auf schöner Terrasse kleine, günstige Gerichte.