Brandenburgs Barockwunder

Kloster Neuzelle strahlt in neuem Glanz

Die barocke Klosteranlage Neuzelle ist nicht nur für Brandenburg einzigartig. Unbeschadet erhielt sich die Zisterzienser-Anlage über die Jahrhunderte. Doch der Zahn der Zeit nagte an den Gebäuden. Jetzt werden der Kreuzgang und das Klostermuseum nach zehn Jahren Sanierung wieder eröffnet.

Zehn Jahre Restaurierung haben endlich ihren Abschluss gefunden. "Es war ein Kraftakt mit unzähligen Abstimmungsrunden und Problemen. Da brauchten wir einen langen Atem", sagt Ederer. Am Freitag werden der sanierte Kreuzgang sowie das neu gestaltete Klostermuseum bei einem Festakt mit Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) offiziell eröffnet.

Nicht zuletzt überraschende archäologische Funde brachten Zeitplan und Konzeption für die Sanierung des Kreuzgangs immer wieder durcheinander. Allein 23 Farbschichten haben Restauratoren gefunden. "Barockwunder Brandenburgs" nennt man die frühere Zisterzienserklosteranlage inzwischen. Doch wer den Kreuzgang betritt, den überraschen auch gotische Architekturelemente: Repräsentative Kreuzrippenanlagen, farblich hervorgehobener, reliefartiger Konsolenschmuck sowie erst kürzlich freigelegte spätmittelalterliche Wandmalereien.

"Das Kloster ist zunächst im Stil der Gotik erbaut und erneuert worden, bevor 1650 der barocke Umbau erfolgte", beschreibt Ederer die Geschichte. Der Besucher taucht automatisch ein in die Baugeschichte des 1268 begründeten Klosters. In den Wänden sind immer wieder Türen und Fenster zu entdecken, die bei den Restaurierungsarbeiten freigelegt wurden. Dazu zählt das um 1380 entstandene Mönchsportal, das einst in die benachbarte Kreuzkirche führte. Auf einer schmalen Treppe geht es hinab in einen mit Feldsteinen ausgelegten Keller, in dem noch eine der Gründungsmauern des Klosters aus dem frühen 14. Jahrhundert zu sehen ist. "Wir öffnen symbolisch Fenster in andere Bauzeiten", sagt der Kulturmanager. Insofern ist der Kreuzgang seinen Angaben nach das größte Ausstellungsstück des neuen Klostermuseums.

Unter dem Motto "Auf Leben und Tod" werden im Museum sowohl das Leben der Zisterzienser und die Geschichte des Klosters, als auch die spannungsreichen Wechselbeziehungen zwischen Klostergeschichte und religiösem wie politischem Zeitgeschehen dargestellt. Insgesamt 3,34 Millionen Euro flossen in die denkmalgerechte Sanierung des Kreuzganges. Weitere 175 000 Euro kostete die Restaurierung von Ausstellungsobjekten aus dem Klosterschatz. Dazu zählen mehr als 250 liturgische Schaugeräte, kostbare Silberkelche, kirchliche Kleidungsstücke, Gemälde und Dokumente. Wertvollstes Exponat ist das Weihe-Ornat des Abtes Martinus Graff - eine kostbare Amtstracht sächsisch-böhmischer Seidenstickerei.

Sektkorken knallen lassen will Ederer jetzt persönlich nicht. Er ist gedanklich bereits bei den nächsten Projekten. Denn die Wiederherstellung der barocken Klosteranlage ist noch längst nicht abgeschlossen. Das weiß keiner besser als Ederer selbst, der seit 1997 die Sanierung der historischen Gebäude sowie des Klostergartens koordiniert - zunächst als Geschäftsführer der Stiftung, seit vier Jahren als Kulturmanager. Weitere Baumaßnahmen in einem Investitionsumfang von 19 Millionen Euro sind laut Ederer schon in Vorbereitung. Noch in diesem Jahr beginnen Sanierungsarbeiten am Stiftsplatz und weiteren Außenanlagen sowie der letzte Bauabschnitt im Klostergarten. Noch in diesem Jahr solle zudem die Finanzierung der Sanierung des ehemaligen Kutschstalls sowie des Klausur- und des Kanzleigebäudes geklärt werden. Der größte Klosterschatz von Neuzelle, die großformatigen Passionsdarstellungen vom "Heiligen Grab", bekommt bis 2012 für rund fünf Millionen Euro ein eigenes, unterirdisches Museum im benachbarten Scheibenberg.

Der Kreuzgang und das neu gestaltete Klostermuseum sind täglich von 10-17 Uhr geöffnet