KaDeWe-Überfall

Festnahme und Suche nach Täter mit abgekauten Fingernägeln

Die Polizei hat einen zweiten Verdächtigen festgenommen, der am Raubüberfall auf das Luxus-Kaufhaus KaDeWe beteiligt gewesen sein soll. Zugleich veröffentlichte die Polizei ein weiteres Fahndungsfoto.

Foto: Polizei

Die Berliner Polizei und die Staatsanwaltschaft sind bei der Aufklärung des spektakulären Raubüberfalls auf das Luxuskaufhaus KaDeWe kurz vor Weihnachten vergangenen Jahres wieder einen Schritt weitergekommen. Rund drei Monate nach der Tat verhaftete die Polizei am Montagmorgen einen zweiten Verdächtigen. Der unter dem dringenden Tatverdacht stehende 26-Jährige konnte in Aalen in Baden-Württemberg gefasst werden, wie die Polizei mitteilte.

Der Mann, der einem polizeibekannten Familienclan angehört, war dort bei Verwandten untergetaucht.

Fotofahndung nach Komplizen

Die Polizei hatte auf Beschluss der Staatsanwaltschaft Montag um 7 Uhr die Wohnung in Aalen sowie die Berliner Wohnung des 26-Jährigen an der Lietzenburger Straße in Wilmersdorf und eine Wohnung weitere in Neukölln durchsucht. Dort ist der 29 Jahre alte Jehad A.-Zein polizeilich gemeldet. Dieser soll demselben Familienclan angehören wie der am Montag verhaftete 26-Jährige. Er soll ebenfalls an dem Raubüberfall beteiligt gewesen sein. Die Polizei fahndet weiter nach ihm.

Das Foto des Verdächtigen ist unten zu sehen.

Der Gesuchte wird von der Polizei folgendermaßen beschrieben:

- 1,73 Meter groß

- Kräftige Statur

- Zusammengewachsene buschige Augenbrauen

- Starke Körperbehaarung

- Stark abgekaute Fingernägel

Die Kriminalpolizei fragt: Wer kennt den Gesuchten oder kann Angaben zu seinem Aufenthaltsort machen? Hinweise nimmt das Landeskriminalamt unter der Telefonnummer 4664-944113 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Polizei nahm vor zwei Wochen 25-Jährigen fest

Der erste bedeutsame Erfolg im Zuge der Fahndung war der Polizei vor knapp zwei Wochen gelungen. Wie berichtet, hatten die Ermittler am 18. März einen per Haftbefehl gesuchten 25-Jährigen verhaftet, der den fünf maskierten Räubern geholfen haben soll. Der 25-Jährige – der nach Informationen dieser Zeitung einer kurdisch-libanesischen Großfamilie angehört, die vor allem in der Hansestadt Bremen in zahlreiche kriminelle Machenschaften verstrickt ist und Kontakte zu Rockergruppen unterhält – war in seiner Wohnung in der Schönwalder Straße in Gesundbrunnen verhaftet worden. Gleichzeitig war im Zuge der Verhaftung auch die Entdeckung des bis dahin verschwundenen Fluchtwagens vom Typ Audi A4 Avant gelungen.

Der Haftbefehl gegen diesen 25-jährigen ist erst Ende vergangener Woche außer Vollzug gesetzt worden. Er gelte aber weiter als Tatverdächtiger, gegen den ermittelt wird, bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Montag. Dem in Aalen verhafteten 26-Jährige sollte am Montag der Haftbefehl verkündet werden. Der Mann ist vorläufig in einer Untersuchungshaftsanstalt in Baden-Württemberg untergebracht. Bis zur seiner Überstellung in die Bundeshauptstadt dürften noch einige Tage vergehen, hieß es seitens der Berliner Staatsanwaltschaft weiter.

Raub mit Reizgas und Hämmern

Am Vormittag des letzten Sonnabends vor Weihnachten 2014, dem 20. Dezember, war gegen 10.20 Uhr ein dunkler Audi mit hohem Tempo in der Ansbacher Straße in Schöneberg auf den Bürgersteig gefahren und hatte direkt vor dem dortigen Seiteneingang des KaDeWe. Fünf Maskierte waren aus dem Wagen gesprungen und direkt zu den Juwelier-Shops von Chopard und Rolex gestürmt. Dort riefen die Vermummten laut „Überfall, Überfall“ und versprühten Reizgas. Die Kunden und die dort anwesenden Angestellten flüchteten, nicht zuletzt weil einer der Täter drohend eine Machete schwang.

Die Räuber schlugen dann abwechselnd mit brachialer Gewalt mit Hämmern auf die mit Sicherheitsglas bestückten Vitrinen ein und stopften eilig Luxusuhren und hochwertige Schmuckstücke in mitgebrachte Taschen. Nach wenigen Minuten war der wie ein Spuk anmutende Coup vorbei. Mit der Beute rannten die Schmuckräuber zu dem Audi zurück und fuhren quer über den belebten Wittenbergplatz davon. Eine sofort eingeleitete Fahndung nach Tätern und Fahrzeug blieb ergebnislos.

Das Nobelkaufhaus wurde nach dem Überfall evakuiert und erst nach Stunden wieder geöffnet. Insgesamt 15 Menschen mussten wegen des Einsatzes des Reizgases durch die Täter wegen erlittener Augenreizungen medizinisch versorgt werden. Ein Sicherheitsmitarbeiter, der direkt besprüht wurde, kam in ein Krankenhaus.

Die Fahndungsvideos bei YouTube

Foto: Polizei Berlin