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Markus Maria Profitlich schämt sich, Deutscher zu sein

Markus Maria Profitlich kommt mit seinem neuen Programm nach Berlin. Ein Treffen und ein Interview vorab.

Comedian Markus Maria Profitlich im Tiergarten

Comedian Markus Maria Profitlich im Tiergarten

Foto: Reto Klar

Zum Interview mit Markus Maria Profitlich haben wir uns im „Café am Neuen See“ verabredet. Es ist ein warmer Herbsttag, die Sonne scheint durch die Baumkronen des Tiergartens, wenige Gäste verteilen sich auf die Holzbänke, und der Biergarten kommt mit seiner Anlegestelle für Ruderboote so beschaulich daher, dass man fast vergessen könnte, dass man sich mitten in Berlin befindet. Dem Comedian, der durch „Die Wochenshow“ bekannt wurde, kommt das sehr entgegen. Er möge die Stadt, sei aber auch immer froh, wenn er wieder weg sei, sagt er. Bloß kein Stress, laute schließlich sein Motto – ganz im Gegensatz zu seinem Programm „Schwer im Stress!“, mit dem der 56-Jährige am Sonnabend im Tempodrom zu Gast ist.

Gibt es gar nichts, was Sie aus der Ruhe bringt?

Markus Maria Profitlich: Ich bin ein sehr ausgeglichener Typ. Ich lasse mich nicht stressen. Aber natürlich kann zu dem Thema jeder eine Geschichte erzählen. Darum geht es in der Show. Der Urlaubsstress beispielsweise fängt bei uns zu Hause sehr früh an. Meine Damen wollen irgendwohin, wo es warm und trocken ist. Mir reichen da der Heizungskeller und ein Kasten Bier. So geht das dann los.

Was ist Ihr Geheimnis zur Entspanntheit?

Nach einem Auftritt ist mein Adrenalinspiegel immer sehr hoch. Meine Frau und meine Kinder wissen, dass ich dann erst mal einen Tag zum Runterkommen brauche, um mich an den Rhythmus der anderen zu gewöhnen. Ich habe dafür im Keller einen Raum mit Sofa und Fernseher. Da lege ich mich dann hin.

Wie wirkt sich denn Ihr Tourleben auf Ihren Familienalltag aus? Verursacht das nicht manchmal Stress?

Meine Frau und meine beiden Töchter kennen es ja nicht anders. Ich mache etwa 120 Auftritte im Jahr. Den Rest der Zeit bin ich dafür dann aber auch Hausmann und mache nichts anderes. Ich mag das, gehe einkaufen und koche.

Gab es mal einen Zeitpunkt, wo Sie sich beruflich übernommen haben, wo Sie dachten, so geht es nicht weiter?

Ich war vor etwa sechs Jahren eineinhalb Jahre lang krank. Es fing an mit einer Kehlkopfentzündung, ich musste an den Stimmbändern operiert werden, und dann kam auch noch eine Lungenentzündung dazu. Ich hatte damals zwei Staffeln „Mensch Markus“ hintereinander gedreht, noch andere Formate produziert, ein Programm geschrieben und bin dann auf Tour gegangen. Meine Stimme musste danach vollkommen neu aufgebaut werden. Da fragt man sich schon, was man macht, wenn das nicht wiederkommt. Ich habe sogar über einen Taxischein nachgedacht.

Das wäre nicht ganz abwegig. Sie wurden erst mit über 30 fürs Fernsehen entdeckt, hatten vorher zahlreiche andere Jobs.

Ich habe mit 14 angefangen, als Vermessungsgehilfe zu arbeiten. Danach war ich Bauarbeiter, Bofrost-Fahrer, Verkäufer, habe an einer Müllpresse gearbeitet und Medikamente ausgefahren. Mit 29 war ich zum ersten Mal arbeitslos, das Arbeitsamt hat mir eine Schreinerlehre vermittelt. Gleichzeitig bin ich bei einer Kneipe mit eingestiegen, und wir haben dort ein Theater integriert. So wurde Jacky Dreksler von „RTL Samstag Nacht“ auf mich aufmerksam.

Sie sind mit 14 von der Schule abgegangen. Wie stehen Sie dazu heute als Vater?

Mein erster Kontakt mit der Schule war scheiße. Ich kam aus einem sehr humanen Elternhaus, wurde nie geschlagen. Und schon in der ersten Woche hatte mir ein Lehrer die Ohren blutig geprügelt. Das war damals so üblich, aber ich kannte das nicht. Nach der siebten Klasse habe ich nichts mehr gemacht, habe mich verweigert, bis ich nach zweimal Sitzenbleiben die Pflichtschuljahre voll hatte. Meine Töchter müssen natürlich trotzdem lernen. Die Kleine kommt nur mit Einsen und Zweien nach Hause. Von mir hat sie das nicht.

Wer bringt Sie zum Lachen?

Meine Familie bringt mich zum Lachen. Und von meinen Kollegen mag ich Atze Schröder am liebsten. Er hat es geschafft, seine Figur immer wieder neu auferstehen zu lassen. Das finde ich grandios.

Ihre Frau ist Schauspielerin. Haben Sie sich in sie verliebt, weil sie lustig ist?

Ich habe meine Frau bei der Arbeit an einem Musical kennengelernt. Als ich sie zum ersten Mal getroffen habe, ging die Sonne auf. Das war’s. Es war mir egal, ob sie Schauspielerin oder Beleuchterin ist. Aber es schadet sicher nicht, dass sie ein komisches Talent hat.

Sie waren lange Zeit SPD-Mitglied. Haben Sie in der aktuellen politischen Situation manchmal das Bedürfnis, sich dort wieder stärker zu engagieren?

Zurzeit schäme ich mich oft, Deutscher zu sein. Wenn ich im Ausland bin, werde ich oft gefragt, ob es jetzt bei uns wieder losgeht mit dem Nationalsozialismus. Ich finde die aktuelle politische Entwicklung beängstigend und beschämend. Aber politisches Kabarett ist nicht meine Richtung, das können andere besser.

Jan Böhmermann zum Beispiel?

Ich finde, Satire darf nicht alles. Der Beruf des Komikers wird missbraucht, wenn man meint, alles machen zu müssen oder zu dürfen. Ich finde, Jan Böhmermann hat dem Beruf mit seinem Erdogan-Gedicht geschadet. Politiker oder andere Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, müssen damit rechnen, auf die Schippe genommen zu werden, aber auch da geht es dann nicht ums Ziegenficken. Es gibt Grenzen, und das sehen manche Kollegen nicht.

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