ZDF-Film

Wolfgang Stumph ist der Mini-Demonstrant im Klassenzimmer

„Stubbe“-Kommissar Wolfgang Stumph besucht die Kreuzberger Schule seiner 11-jährigen Schauspielkollegin Mia Kasalo. Am Montagabend läuft ihr Fernsehfilm „Blindgänger“ im ZDF.

Foto: Marion / Marion Hunger

Die Aufregung auf dem Kreuzberger Schulhof ist groß. Die Kinder scharen sich um die 11-jährige Mia Kasalo. „Wirst du von professionellen Schminkern geschminkt?“ „Ich habe deinen Namen gestern im Fernsehen gelesen!“. Die kleine Mia ist ein Star an ihrer Schule: An diesem Montagabend werden ihre Mitschüler gebannt vor den Fernsehgeräten sitzen und zuschauen, wie ihre Schulfreundin im ZDF-Fernsehfilm „Blindgänger“ als Flüchtlingsmädchen Olli in einer Hauptrolle glänzt. An der Seite von Wolfgang Stumph (“Stubbe – Von Fall zu Fall), der an diesem Morgen auch auf dem Schulhof steht. Er hält sich beim Trubel etwas im Hintergrund, lächelt gutmütig.

11-jährige Schauspielerkollegin

Heute will er in der Klasse von Mia, der 6b, mal erzählen, wie das so ist mit dem Schauspielerdasein. In „Blindgänger“ spielt er die Rolle des Conny Stein, ein Ex-Bomben-Entschärfer des Dresdner Kampfmittel-Räumdienstes, der sich nicht damit abfinden kann, in Rente zu gehen. Während seines letzten Einsatzes stolpert ein kleines Mädchen (Mia Kasalo) in sein Leben und stellt es gehörig auf den Kopf: Olli ist einer Razzia entkommen und soll in den Kaukasus abgeschoben werden. Zunächst weigert sich der pflichtbewusste Staatsbürger die Verantwortung für das Kind, das ihm partout nicht mehr von der Seite weichen will, zu übernehmen. Doch als er mit den Behörden aneinandergerät, ändert sich die Einstellung des bis dato pflichtbewussten, staatstreuen Bürgers. Denn durch die Obhut für Olli hat er eine neue Lebensaufgabe gefunden.

Seine 11-jährige Schauspielkollegin hat der zweifache Vater und Co-Produzent von „Blindgänger“, Wolfgang Stumph, auch im wahren Leben ins Herz geschlossen. Auf dem Weg ins Schulgebäude trägt er ihren Ranzen, schaut, dass sie warm genug angezogen ist. Er bedankt sich bei den Kindern, die ihn mit einem artigen „Guten Morgen, Herr Stumph“ begrüßen, für das Willkommensherz, das sie für ihn an die Tafel gemalt haben. Dann erzählt der 68-Jährige aus seinem Leben. Seiner Kindheit in der DDR, dass er katholisch erzogen wurde, Ministrant war. „Wisst ihr denn, was ein Ministrant ist?“, fragt er die Klasse. Die Kinder können nur raten: „So etwas wie ein Mini-Demonstrant vielleicht?“ „Ich kann nur vermuten, aber es könnte auch eine Art Administrator sein“, schlägt ein Junge vor, der bei seinen Mitschülern als Klassenkasper gilt. „Ich war immer der Klassenkasper“, erzählt Stumph. Besonders gut war er deswegen nie in der Schule. „Irgendwann“, sagt er „habe ich aber begriffen, dass man für sich lernt und für niemand anderen. Dass es wichtig ist für einen selbst. Das solltet ihr euch merken!“. Nach seiner Ausbildung zum Dampfkesselbauer und dem Einsatz bei der Armee, studierte Stumph und arbeitete zehn Jahre lang als Ingenieurpädagoge, bevor er an die Schauspielschule ging und 1991 seinen Durchbruch als Lehrer Udo Struutz in der Komödie „Go Trabi Go“ hatte.

Kabarett habe er schon immer nebenbei gemacht, erzählt er. Was Kabarett ist, weiß keiner in der Klasse und auch mit einer Pointe kann niemand etwas anfangen. „Was Comedy ist, wisst ihr aber schon?“, fragt Stumph. Na klar, das wissen sie. Eigentlich sollte jetzt noch eine Fragerunde folgen, doch die Pausenglocke hat bereits geläutet, die Kinder werden unruhig. „Oh je, ich muss an meinem Timing arbeiten“, sagt Stumph. Ob er „auf der Straße normal behandelt wird“, wollen die Schüler aber schon noch wissen. „Das ist manchmal schon schwer“, sagt Stumph, aber er versuche schon, sich unauffällig zu geben und den Alltag einkehren zu lassen, sobald die Klappe fällt. Er möchte „behandelt werden wie jeder andere auch“. Das sei sowieso wichtig, dass jeder gleich behandelt werde, mit seinen Stärken und Schwächen akzeptiert werde, sagt er den Kindern immer wieder.

Abschied mit Tränen

Dann muss er sich verabschieden, er und Mia drücken sich fest. „Sehen wir uns mal wieder?“, fragt sie ihn. „Auf jeden Fall“, sagt er, „wir sind doch Freunde!“. Tapfer geht Mia zu ihren Schulkameradinnen. Vergießt keine Träne, dabei „macht weinen mir am meisten Spaß“, verrät sie. Zumindest am Set – da müsse sie nur an etwas Trauriges denken, schwupps, schon fließen die Tränen auf Knopfdruck. Das klingt nach einer Schauspielkarriere, die die 11-Jährige auch anstrebt. Ihr Auftritt in „Blindgänger“ (Montag, 20.15 Uhr, ZDF) lässt keinen Zweifel daran, dass es mit diesem Vorsatz etwas werden könnte.

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