Wahrscheinlich wird im „Klunkerkranich“ nur selten Bollywood-Musik gespielt. Normalerweise genießen in der Open-Air-Bar auf dem obersten Parkdeck der Neukölln Arcaden Berliner das Wetter, gute Drinks und entspannte Musik. Von dieser Atmosphäre ist am Dienstagvormittag jedoch nur wenig zu spüren – eher hat sich den Beobachtern an diesem Tag das Bild eines kreativen Chaos’ geboten. Die Berliner Regisseurin Neelesha Barthel hatte sich die Location für einige Szenen ihres Berliner Bollywood-Films „Marry Me & Family“ ausgesucht – und an diesem Tag auch Glück mit dem Wetter.

Gedreht wird an diesem Vormittag bei strahlendem Sonnenschein eine typisch indische Tanzszene, in der den wohl schwierigsten Part Schauspieler Fahri Yardim hat, der nicht nur die Choreographie beherrschen, sondern dabei auch einen Rap in die Kamera sprechen muss. Extra für den Film hatte der Berliner Sänger Peter Fox sein Lied „Come Marry Me“ in Bollywood-Stil umgedichtet und für die Produktion neu eingesungen. „Das ist ein dankbarer Moment, den Mund zu bewegen und aus dir swingt die Stimme von Peter Fox“, erzählt Yardim nach dem Dreh, fast ein wenig stolz. In der Komödie spielt er den Koch Karim, „ein liebenswerter Hooligan gegen das Establishment“, wie ihn der gebürtige Hamburger beschreibt. „Gereizt hat mich, wieder einem kleinen aber ,kulturclashenden‘ Stoff – diesmal vor indisch-kreuzbergischem Hintergrund – beizuwohnen.“

Oma ruft Deutsch-Inderin Kissy zur Ordnung

Der „Kulturclash“ findet in diesem Fall im Leben der Deutsch-Inderin Kissy statt, einer alleinerziehenden Mutter aus Kreuzberg, die ein etwas heruntergekommenes Mietshaus ihrer Großmutter verwaltet und nebenbei ein Café betreibt. Die junge Frau, gespielt von Maryam Zaree, ist mit ihrem Leben zufrieden, bis ihre Oma sie auffordert, Ordnung in eben jenes zu bringen – und endlich Robert (Steffen Groth), den Vater ihrer Tochter, zu heiraten. Gemeinsam mit der gesamten Nachbarschaft und ihrem Ex-Freund organisiert sie eine Scheinhochzeit für die Großmutter – bei der dann doch alles anders wird als geplant.

Auch Maryam Zaree soll an diesem Tag auf dem Parkdeck in Neukölln tanzen. Und wie es sich für einen Bollywood-Film gehört, sind sie und ihre Kolleginnen entsprechend farbenfroh gekleidet. Für die Schauspielerin ist das Genre Komödie, zumindest vor der Kamera, noch neu. „Bislang habe ich nur Dramen gespielt – bei denen es meist sehr lustig am Set zuging. Das muss aber bei so ernsten Themen auch zum Ausgleich so sein“, sagt die 30-jährige Berlinerin mit iranischen Wurzeln. „Was viele nicht bedenken, ist, dass es bei einer Komödie auch ernst zugehen muss. Das, was die Zuschauer lustig finden, das finden die Charaktere ja meist überhaupt nicht witzig.“

Diese indischen Taxifahrer sind Youtube-Stars

Neben der Schauspielerin sind weitere Darsteller wie Wolfgang Stumph, Mira Kandathil und Renate Krößner zu sehen. Extra aus Indien für die Dreharbeiten angereist ist die Schauspielerin Bharti Jaffrey, die die Großmutter von Kissy spielt. Zwei kleine Gastrollen übernehmen die beiden indischen Taxifahrer und Youtube-Stars Lovely und Monty Bhangu, die an diesem Drehtag mit in der Szene auf dem Parkhaus-Dach tanzen und trommeln.

Das Team dreht momentan neben den Einstellungen im „Klunkerkranich“ in Neukölln auch im Görlitzer Park, in den Straßen rund um das Kottbusser Tor und in leerstehenden Wohnungen in Friedrichshain, die für den Film komplett eingerichtet wurden. Genau wie „Kittys Café“ in Kreuzberg, das in Wirklichkeit in Moabit steht. Nach knapp sechs Wochen sind nach diesem Drehtag noch weitere drei übrig. Dann geht es für das Team in die Postproduktion, sodass der Berliner Bollywood-Film rechtzeitig im kommenden Frühjahr in die Kinos kommen kann. Dann wird die Bollywood-Musik nicht nur im „Klunkerkranich“, sondern auch in den deutschen Kinos gespielt.