Exklusivgenuss

„Chef Tam“ – Berlins bester heimlicher Koch

Seit zwölf Jahren arbeitet Tam Kok Kong als Küchenchef des „China Club Berlin“ im Adlon Palais. Seine Wasabi Prawns sind international begehrt und von Stars wie Cameron Diaz heiß geliebt.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Ein Jahr lang hat Anno August Jagdfeld versucht, ihn abzuwerben. Das war 2002, als Tam Kok Kong noch im „Jade“ in Singapur arbeitete. Und Jagdfeld für sein Prestigeprojekt, den „China Club“ der Adlon Holding in Berlin, einen Küchenchef suchte. Unglaublich gefroren hat Tam Kok Kong, als er sich schließlich hat überreden lassen – und im Oktober, ein halbes Jahr vor der Club-Eröffnung am 3. April 2003, nach Berlin gekommen ist.

Tam Kok Kong steht in der Küche im fünften Stock des Adlon Palais und wartet auf den ersten Bon. Unter vier Industrielampen, die auf den Edelstahltisch strahlen, liegen acht Enten, gefüllt, nackt, daneben stehen Bastkörbchen, ein Gehilfe wartet an der Spüle, ein weiterer schneidet Fisch. Dann rattert das erste Blatt aus der Bonrolle. „Prawns“, ruft Kok Kong, „Prawns“, wiederholt der Gehilfe. 20 Sekunden später liegen sie parat. Thailändisch, in Wasser getunkt, in Mehl gewälzt, bereit, von Tam Kok Kong in den Wok geworfen und mit Wasabi-Mayonnaise behandelt zu werden.

Die Wasabi Prawns von Tam Kok Kong, „Chef Tam“ genannt, sind weit über Berlin hinaus bekannt. Neben seiner Peking-Ente, von denen im Monat 350 Stück aus der Küche in den von Anna Maria Jagdfeld designten Gastraum gehen, sind sie das beliebteste Gericht des Clubs. In den Genuss kommen Mitglieder und ihre Gäste. Aufnahmegebühr: ab 10.000 Euro. Und nur auf Empfehlung. Iris Berben sitzt neben dem „Einstein Unter den Linden“ regelmäßig im „China Club“. Sie isst die Prawns hier lieber mit Holz- als mit Silberstäbchen. Auch Cameron Diaz, Johnny Depp, Nadja Auermann, Helmut Schmidt und zuletzt Sabine Lisicki zur Fashion Week im Juli zählen zu Tams Gästen.

Singapur ist ihm nun viel zu warm

Tam Kok Kong ist das ziemlich egal. „Ich bin in der Küche, von acht bis 24 Uhr manchmal“, sagt er, während es wieder in der Bonrolle rattert. „Ich mag meinen Job.“ Am heutigen Mittwoch wird er 49 Jahre alt. Seine Familie, Frau und Kinder, sind vor einem Jahr wieder zurück nach Singapur gekehrt. An freien Tagen geht Kok Kong, der an der Mohrenstraße wohnt, selbst gern essen. „Im ‚Good Times’, oder im ‚Aroma‘ an der Kantstraße“, sagt Kok Kong. Was Anno August Jagdfeld dafür tue, dass ihn niemand abwerbe? „Wir sind sehr eng miteinander“, sagt Chef Tam, „und ich habe einen Maserati von Herrn Jagdfeld bekommen. Damit fahre ich gern raus, nach Bad Saarow.“ Er möchte auf jeden Fall in Berlin bleiben, sagt er dann noch. Singapur? Sei ihm viel zu warm.