Sie nennen das Adlon Ihr „Baby“.
Ja, ohne Zweifel. Es ist ein Juwel in der Krone, ein Haus wie das Adlon mal geleitet zu haben. Und das Adlon ist Teil meines Lebens. So intensiv, wie ich hier gelebt und gearbeitet habe. Ich habe hier nicht nur die meiste Zeit verbracht, ich habe hier geheiratet und mein Sohn ist hier geboren – und getauft worden.
Da muss der Abschied doch traurig stimmen.
Ich bin nicht traurig. Ganz im Gegenteil: ich bin hochmotiviert für die neue Aufgabe und darf das Adlon auf dem Höhepunkt übergeben. Moskau wird großartig – und mir Freude bereiten. Außerdem ist Berlin nicht aus der Welt. Zweieinhalb Stunden Flug – ich werde oft zurückkommen und alte Freunde besuchen.
Ihre zweite Frau Svetlana und Ihren Sohn nehmen Sie mit nach Moskau. Ihre Tochter wird in Deutschland bei der Mutter bleiben. Wie oft wird sie zu Ihnen kommen können?
Meiner Tochter ist es letztlich auch egal, ob sie nach Berlin oder nach Moskau fliegt. Zweieinhalb Stunden dauert die Reise in jedem Fall. Sie ist also in drei Stunden bei mir. Das ist absolut identisch, ob Zugfahrt nach Berlin – oder Flug nach Moskau.
Ist ja toll. Dann können Sie in zweieinhalb Stunden wieder nach Berlin zurückkehren.
Ich würde niemals in meinem Leben irgendetwas ausschließen. Aber momentan ist keine Rückkehr geplant.
Eine Woche bleibt Ihnen jetzt noch in der Hauptstadt. Was gibt es noch zu erledigen?
Eine fantastische Frage. Einerseits die tägliche Arbeit, in die ich auch in den letzten Tagen noch eine Leistungssteigerung hineinbringen möchte. Nur, weil ich gekündigt habe, heißt es nicht, dass ich einen Gang runter schalte. Andererseits bereite ich die Übergabe für Herrn Bootsma vor, sämtliche Daten, Personal, Projekte gehen wir durch und gleichzeitig empfange ich die Übergabe in Moskau. Und dann: Koffer packen, Taxi rufen und wegfliegen.
Wollten Sie weg – oder wann sind Sie gefragt worden, nach Russland zu gehen?
So etwas entwickelt sich, sicher werden schon seit einem Jahr Gespräche geführt und ich bin gefragt worden. Allerdings ist man sich erst vor ganz ganz kurzer Zeit einig geworden.
Kannten Sie Emile Bootsma, Ihren Nachfolger, zuvor gut?
Natürlich. Ich habe ihn durch regelmäßige Meetings kennengelernt und finde, er ist ein sehr sympathischer und professioneller junger Mann. Und, noch wichtiger, wir stimmen in menschlichen und ethischen Richtlinien überein. Ich bin mir sicher, dass er mein „Baby“ hier auch in meinem Sinne weiterführen wird, unter seinen Bedingungen. Ich werde es in gute Hände übergeben – und Herr Bootsma war auch mein erster Kandidat für den Posten.
Das heißt, Sie hatten Mitspracherecht bei der Nachfolgerauswahl?
Es gibt da keinen demokratischen Abstimmungsprozess – aber im kleinen Kreis werden Meinungen ausgetauscht.
Was soll Emile Bootsma noch erreichen im Adlon? Warum wurde er für Berlin ausgesucht?
Herr Bootsma wird es uns schon zeigen. Und es gibt immer Bereiche, wo noch nicht 100 Prozent herrschen. Aber ich bin wahnsinnig stolz auf das gesamte Team. Das Adlon ist das Flaggschiff Europas – das kann auch Druck auf die Schultern ausüben.
So wie das Baltschug, in das Sie nun gehen.
Sicher. Dazu die politische und wirtschaftlich viel schwierigere Situation – das ist eine Art Kick für mich, der mich noch zusätzlich reizt.




