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An diesen Berliner Literaturorten wird der Leser zum Hörer

Ob in der edlen Villa oder im schrägen Szenetreff: Berlin bietet jede Menge Literaturorte, in denen man Schriftstellern und ihren Erzählungen ganz nah sein kann. Eine Auswahl.

Foto: Britta Pedersen / pa/dpa

Neukölln: Poeten treffen im historischen Saal aufeinander

1 Zeitgemäßes Volkstheater hat sich der Heimathafen Neukölln auf die kulturelle Fahne geschrieben. Einmal im Monat, jeden dritten Dienstag, gastieren zudem Stadtpoeten auf der Bühne des denkmalgeschützten einstigen Varieté-Saals. Vor bis zu 400 Zuhörern stellen sich beim „Saalslam“ neun Poeten und Poetinnen. Fünf Minuten hat jeder Zeit, um seine selbstverfassten Texte, Kurzgeschichten, Gedichte oder Stand-up-Nummern vorzutragen. Bis eine Viertelstunde vor Beginn liegt eine offene Anmeldungs-Liste aus.

Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Straße 141, Neukölln, U7 Rathaus Neukölln, 3. Di. im Monat 20.30 Uhr, Karten 5 Euro, www.saalslam.dewww.heimathafen-neukoelln.de

Gesundbrunnen: Kurzgeschichten, Gedichte und Tanzmusik

2 „Der DJ unterbricht die Surfpoeten, die Surfpoeten den DJ und anschließend gibt es Tanzmusik“, sagt Meikel Neid. Er gehört zu der Handvoll urbaner Poeten, die mit Kurzgeschichten und anderen Texten den Mauersegler jeden Mittwoch zur schrägen Lesebühne machen. Bei der „Tanzveranstaltung mit Wortbeiträgen“ gibt es auch zwei offene Mikrofone, an denen zwei Publikumspoeten maximal fünf Minuten singen oder tanzen dürfen. Hauptsache der Auftritt entstammt der eigenen Kreativität.

Surfpoeten im Mauersegler, Bernauer Straße 63–64, Gesundbrunnen, U2 Eberswalder Straße, U8 Bernauer Straße, jeden Mittwoch ab 21 Uhr, Eintritt 4 Euro, www.surfpoeten.de

Mitte: Hier dreht sich fast alles um Bertolt Brecht, aber nicht nur

3 „Die Brecht-Tage sind der Klassiker des Hauses“, sagt Christian Hippe. Vom 9. bis 13. Februar widmet sich das Literaturforum der Affinität des bedeutenden deutschsprachigen Autors zu Naturwissenschaften. Eines der Highlights: das Podiumsgespräch mit dem ZDF-Wissenschaftsstar Harald Lesch (12.2., 20 Uhr). Zudem finden im Frühjahr und Herbst die „Brecht-Haus-Lectures“ statt. Aber auch Autorenlesungen, vor allem Sachbücher und Zeitgeschichte, gehören zum Programm.

Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestr. 125, Mitte, U6 Naturkundemuseum, Eintritt i.d.R. 5 Euro, erm. 3 Euro, Tel. 282 20 03, www.lfbrecht.de

Dahlem: Märchen im Beduinenzelt auf dem Museumsgelände

4 Regelmäßig entführt der Schauspieler Michael Leese die Zuhörer in die Welt der orientalischen Märchen und berichtet von der traditionellen Lebensweise in einem Beduinenzelt. So ist auch die Szenerie: Wie im Orient sitzt man auf Teppichen und Kissen. „Diese Lesungen samt Frühstücksbüffett sind eine Veranstaltung für Erwachsene, an der aber auch Kinder ab sechs Jahren teilnehmen können“, so Ulrike Hilpert von der Agentur eßkultur Berlin, die in den Dahlemer Museen ein Restaurant betreibt. Bis Ende Februar wird literarisch, kulinarisch und museal auch „In 80 Tagen um die Welt“ gereist (16 Uhr, ab 10 J. 19 Euro, erm. 14 Euro).

Beduinenzelt in den Museen Dahlem, Lansstr. 8, Dahlem, U3 Dahlem Dorf, etwa alle zwei Wochen Sbd.+So. 11 Uhr, mit Anmeldung, 18 Euro, bis 14 J. 12 Euro,

Tel. 68 08 93 44, www.esskultur-berlin.de

Charlottenburg: Hier kann man Literatur live und direkt erleben

5 „Bei den zweistündigen literarischen Führungen geht es um die Geschichte des Hauses und die Autoren, die rund um das Literatur Haus Berlin gelebt haben“, sagt Sabine Büdel. In der Villa von 1889, seit knapp 30 Jahren einer „der“ Literatur-Orte, finden regelmäßig Lesungen, Buchpräsentationen und Diskussionen statt. Außerdem gibt es das Café-Restaurant „Wintergarten“, die Buchhandlung „Kohlhaas & Company“ und einen schönen Garten.

Literatur Haus Berlin, Fasanenstr. 23, Charlottenburg, U1 Uhlandstraße, Literarische Führungen jd. 3. So. im Monat, 11 Uhr, 5 Euro, erm. 3 Euro, Tel. 887 28 60, www.literaturhaus-berlin.de

Friedrichshain: Eine Lesebühne in luftiger Höhe mit Panorama-Blick

6 Herzlichen Glückwunsch: Die Reformbühne Heim & Welt feiert ihr 20. Jubiläum. Im Mai wird einen ganzen Monat lang Geburtstag gefeiert. Doch bis dahin, und danach selbstverständlich auch, gibt sich die 1995 entstandene Reformbühne jeden Sonntag die Ehre. Seit dem Umzug im September vom Kaffee Burger in Prenzlauer Berg nach Friedrichshain kann sich Heim & Welt die „höchste Lesebühne der Welt“ nennen. Ihr Domizil liegt in der 13. Etage.

Reformbühne Heim & Welt, Panorama-Lounge im Haus Berlin, Strausberger Platz 1, Friedrichshain, U5 Strausberger Platz, Eintritt 7 Euro, Vierer-Karte 10 Euro, So. 20.15 Uhr, reformbuehne.de

Steglitz: Kulturelle Vielfalt in der Villa an der Grunewaldstraße

7 Ausstellungen, Konzerte und Kindertheater gehören zum Programm des Kulturhauses. „Seit der Eröffnung 1995 bieten wir auch Lesungen für Erwachsene an“, sagt Doris Fürstenberg, Bezirks-Kulturamtsleiterin und zuständig für die Programmplanung der Schwartzschen Villa. Ausgewählt für die ein- bis eineinhalbstündigen Lesungen werden Romane, Sach- und Geschichtsbücher. Am 13. März ist die Schauspielerin Irm Hermann zu Gast.

Schwartzsche Villa, Grunewaldstr. 55, Steglitz, S1, U9 Rathaus Steglitz, Tel. 902 99-22 12, www.kultur-steglitz-zehlendorf.de

Kreuzberg: In der mongolischen Jurte machen Geschichten doppelt Spaß

8 Märchen im Mongolen-Zelt: „Die rund einstündigen Erzählstunden in der Jurte sind sehr beliebt“, sagt Sprecherin Anna Jacobi. Seit 2008 wird die kleine mongolische Jurte von Oktober bis März im Hof der Kinder- und Jugendbibliothek der Amerika-Gedenkbibliothek aufgebaut. Weil die für Kinder ab sechs Jahren geeignete Veranstaltungsreihe sich regen Zuspruchs erfreut, die Plätze begrenzt und der Eintritt frei ist, rät Jacobi, rechtzeitig zu kommen.

Amerika-Gedenkbibliothek, Blücherplatz 1, Kreuzberg, U1, 6 Hallesches Tor, fast jd. Mi. 17 und Sbd. 15 Uhr, genaue Termine unter www.zlb.de

Wannsee: Autoren lesen live und sind später im Radio zu hören

9 „Das Studio LCB ist unsere längste und bekannteste Veranstaltungsreihe“, sagt Thorsten Dönges. Die literarische Sendung wird einmal monatlich in dem 1963 gegründeten Literaturforum fürs Radio aufgezeichnet und jeweils am letzten Sonnabend im Monat im Deutschlandfunk gesendet. Nächster Termin ist der 28. Januar um 20 Uhr (8 Euro, erm. 5 Euro). Anne Weber liest aus ihrem neuen Buch „Ahnen“.

Literarisches Colloquium Berlin, Am Sandwerder 5, Wannsee, S 1, 7 Wannsee, Karten nur an der Abendkasse (1 Std. vor Beginn), Tel. 816 99 60, www.lcb.de

Charlottenburg: Lebensgeschichten an der „ErzählBar“

10 Der Buchhändlerkeller ist kein düsterer Ort im Souterrain. Vielmehr treffen sich Literaturfreunde im Parterre in hellen Alt-Berliner Räumen mit Stuck, Bildern und Plakaten an den Wänden. Gegründet 1967 in den Kellerräumen einer Friedenauer Bäckerei zog der Literaturtreff 1976 unweit Steinplatzes in eine ehemalige Galerie. Die Lesungen finden in der Regel dienstags und donnerstags statt, Beginn 20.30 Uhr. Am ersten Sonntag im Monat (17 Uhr) geht es in der „ErzählBar“ um Lebensgeschichten.

Buchhändlerkeller, Carmerstraße 1 Charlottenburg, Bus M45, 245 Steinplatz, Karten für die Lesungen kosten 5 Euro, ermäßigt 3 Euro, nur Abendkasse, Tel. 791 88 97, www.buchhaendlerkeller-berlin.de