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Das sind Berlins schönste Kiezkinos

Mit Engagement und mitunter exotischen Programmen haben sich die alteingesessenen Berliner Filmtheater ihre Nische erhalten. Morgenpost Online stellt die schönsten Kiezkinos der Hauptstadt vor.

Foto: Paul Zinken

Wilmersdorf - Gute Mischung in den Eva Lichtspielen

Das Lichtspielhaus wurde 1912 als „Roland Lichtspiele“ eröffnet und gilt als ältestes Filmtheater in Wilmersdorf. Nach dem Umbau 1920 erhielt es seinen heutigen Namen. Damals wurden die Filme übrigens mit Musikbegleitung gezeigt. Zuerst durch eine Violinistin und später durch ein ganzes Orchester. Da es den Krieg nahezu unbeschadet überstand, gibt es im Kino noch viele alte Details zu bewundern, ebenso den schönen Neon-Schriftzug aus den 50ern. Das Programm ist gut gemischt und bietet Erstaufführungen, aber auch interessante Dokumentarfilme wie „Pianomania“ über einen Klavierstimmer an.

EVA LICHTSPIELE Blissestraße 18, Wilmersdorf, Tel. 92.25.53.05, U7 Blissestraße, Karten 4,50-7 Euro, www.eva-lichtspiele.de

Mitte - Das Central ist ein authentischer Ort

Ringsherum ist alles todschick renoviert und Touristengruppen drängeln sich durch die Hackeschen Höfe. Doch die Sanierungswut hat glücklicherweise vor dem 1996 gegründeten „Central“-Kino im benachbarten Haus Schwarzenberg Halt gemacht. Am Ende des langen Ganges neben der Kneipe „Eschloraque“ befindet sich das ehrlich-authentische Kino, das im Sommer auch Openair-Aufführungen anbietet. In dem Hinterhofkino fühlen sich Filmfans wohl, denn es gibt neben Erstaufführungen auch schräge Filmreihen, Festivals, cineastische Ausgrabungen und Extravaganzen zu entdecken.

CENTRAL Rosenthaler Straße 39, Mitte, Tel. 28.59.99.73, S Hackescher Markt, Karten 5,50-6,50 Euro, www.kino-central.de

Tiergarten - Das Arsenal präsentiert wahre Schätze

Das Kino der Deutschen Kinemathek ist ein echtes Programmkino. Jeden Monat laufen parallel Filmreihen wie die „Magical History Tour“, die sich mal den Werken der „Nouvelle Vague“, mal dem „Neuen deutschen Film“ von Fassbinder, Schlöndorff und Wenders widmet oder die Berlin-Serie „Blickpunkt Potsdamer Platz“ vorstellt. Außerdem gibt es jede Menge Retrospektiven und Plauderrunden mit Regisseuren und Filmwissenschaftlern im Foyer.

ARSENAL Potsdamer Straße 2, Tiergarten, Tel. 26.95.51.00, S Potsdamer Platz, Karten 6,50 Euro, www.arsenal-berlin.de

Kreuzberg - Das Babylon ist selbst ein Original

Das kleine Kino befindet sich versteckt in der Nähe vom Kottbusser Tor und sollte nicht mit dem gleichnamigen Lichtspielhaus in Mitte verwechselt werden. 1955 als „Helo Filmbühne“ wiedereröffnet, laufen im „Babylon“ ausschließlich Filme in Originalfassung mit Untertiteln. Saal A hat eine wundervolle schneckenförmige Deckenleute und 192 Sitzplätze, Saal B ist plüschig rot und erinnert mit seinen 60 Sitzen an ein Wohnzimmerkino. Wer zum Film noch etwas zum Naschen braucht, darf sich über gesalzenes Popcorn freuen.

BABYLON Dresdener Straße 126, Kreuzberg 36, Tel. 61.60.96.93, U8 Kottbusser Tor, Karten 5,50-7,50 Euro, www.yorck.de/kinos/detail/100008

Charlottenburg - Viel Liebe im Filmkunst 66

Betreiber Franz Stadler ist nicht nur ein Filmfan, sondern auch ein Pionier der Programmkino-Szene. 1971 eröffnete er seinen Kinotempel „Filmkunst 66“ – und spielt bis heute nur Filme, die er selbst gut findet. Zahlreiche Auszeichnungen für sein Programm sprechen für sich. Der umtriebige Filmliebhaber kannte Hollywood-Regisseure wie Billy Wilder und Alfred Hitchcock persönlich, und auch internationale Stars wie Dennis Hopper, Jack Nicholson oder Vanessa Redgrave nahmen schon in seinem Kino Platz. Neben Western- und Fantasyreihen gibt es immer wieder Zeichentrickfestivals. Denn letztere sind seit jeher die große Leidenschaft von Stadler.

FILMKUNST 66 Bleibtreustraße 12, Chlbg., Tel. 882.17.53, S Savignyplatz, Karten 5,50-7,50 Euro, www.filmkunst66.de

Spandau - Abseits des Mainstream im Kulturhaus

Das Kino residiert seit 1988 in dem ehemaligen Umspannwerk, das auch noch ein Theater und Veranstaltungsräume beherbergt. Es werden interessante Filme abseits des Mainstream-Kinos gezeigt wie etwa „Herbstgold“ über Sportler im ergrauten Alter oder „Babys“, ein Dokumentarfilm über vier Kleinkinder in unterschiedlichen Ländern.

KINO IM KULTURHAUS Mauerstraße 6, Spandau, Tel. 333.40.33, S Spandau Bahnhof, Karten 7 Euro, www.kinoimkulturhaus.de

Prenzlauer Berg - Im Lichtblick zuhause fühlem

Einst war das Kino an der Wolliner Straße. Seit 1997 befindet es sich nun in der ehemaligen Fleischerei an der Kastanienallee. Mit seinen gerade mal 32 Plätzen ist es das wohl familiärste Filmhaus der Stadt. Wer ins „Lichtblick“ geht, sucht Kinogenuss abseits des Blockbusterkinos und genießt Dokumentarfilme aus aller Herren Länder, Retrospektiven zu Jean-Luc Godard oder Jeanne Moreau, surrealistische Filme sowie Fotoanimationsfilme.

LICHTBLICK Kastanienallee 77, P. Berg, Tel. 44.05.81.79, Tram 12, M1 bis Schwedter Straße, Karten 5 Euro, www.lichtblick-kino.org

Weißensee - Ambitioniertes Programm in der Brotfabrik

Kunst ist Futter für Geist und Seele – und daher passt das Kino perfekt in die ehemalige Brotfabrik. Das engagierte Programm lockt seit 1990 nicht nur Cineasten nach Weißensee, sondern auch prominente Filmemacher wie Peter Greenaway oder Christoph Schlingensief. Es gibt Klassiker wie „Außer Atem“ oder „Saló oder Die 120 Tage von Sodom“ zu sehen, Filmreihen, von „Film & Architektur“ bis „50 Jahre subversives Kino“, oder aber das Fantasy Film Festival und die „Cinéfête“. Programmgestalter Claus Löser hat obendrein ein Filmarchiv für den Experimentalfilm Ost von 1976 bis 1989 initiiert. Kein Wunder, dass das Kino den Programmkinopreis 2010 des Medienboards Berlin/Brandenburg erhielt.

KINO IN DER BROTFABRIK Caligariplatz 1, Weißensee, Tel. 471.40.01, Bus 156, 158, 255, Tram 2, 12, 13, www.brotfabrik-berlin.de

Schöneberg - Das Odeon setzt auf das Original

Das nostalgische amerikanische Flair im Foyer macht gleich gute Laune. Auch die „Celebritywall“ bringt Hollywood und die großen Stars ein Stück näher. Salziges Popcorn und Brownies gehören ebenfalls dazu. Das „Odeon“ ist ein Verfechter von Originalfassungen. Bereits seit 1985 gibt es hier Filme in Originalsprache zu sehen. Damals war es für einen deutschen Betreiber noch deutlich schwieriger, Originalkopien zu bekommen. Die in Berlin stationierten alliierten Streitkräfte hatten ihre eigenen Kinos. Auch heute noch ist das „Odeon“ eine der ersten Adressen, wenn es um englisch-sprachige Filme geht, und lockt Fans von Original- und untertitelten Versionen in den Saal der knapp 360 Samtsitze.

ODEON Hauptstraße 116, Schöneberg, Tel. 78.70.40.19, S Schöneberg, S+U Innsbrucker Platz, Karten 5,50-8 Euro, www.yorck.de/kinos/detail/100011

Zehlendorf - Das Bali ist eine echte Perle

Bali heißt eigentlich Bahnhofslichtspiele und ist eine echte Kino-Perle, die mit viel Engagement von Helga Grammert (Foto) betrieben wird. Seit 1946 ist der ehemalige Tanzpalast ein Kino. In den 70er-Jahren war das eines der führenden politischen Kinos Deutschlands. Das Bali wurde 25 Jahre in Folge vom Medienboard Berlin-Brandenburg für hervorragendes Programm prämiert. Die Auswahl reicht von Klassikern bis zu Blockbustern. Besonders beliebt ist das Kinderprogramm, das ohne Werbung auskommt.

BALI Teltower Damm 22, Zehlendorf, S Zehlendorf, Karten 5-7 Euro, Tel. 811.46.78, www.balikino-berlin.de