Zum Interview mit Elif Eralp: „Ich kann nicht versprechen, dass von heute auf morgen alles billiger wird“ vom 28. Oktober 2026
Nichts wird billiger. In Kuba, einem Land mit viel Erfahrung mit Vergesellschaftung, ist die Inflation aktuell bei 26 Prozent. Das ist ja absolut logisch, denn wenn man private Investoren vertreibt, weil man Profit doof findet, sinken die Steuereinnahmen. Die braucht man aber, um die staatlichen Ausgaben zu decken. Schulen, Unis, Kunst, Kultur, soziale Leistungen, Infrastruktur. Überall wird es Kürzungen geben, denn die Vergesellschaftung wird richtig teuer. Die rot-grün-rote Koalition schätzt 16 Milliarden, was vermutlich zu niedrig angesetzt ist. Am Ende wird es ja bekanntlich immer teurer, wenn die öffentliche Hand die Dinge in die Hand nimmt – beim BER, bei Stuttgart 21 oder der Elbphilharmonie. Durch die Vergesellschaftung entsteht ja auch keine einzige neue Wohnung, es ändert sich nur die IBAN für die Überweisung der Miete. Trotzdem müssen für die 16 Milliarden Zinsen gezahlt werden, und zwar nicht wenig.
Peer Reichert, via Facebook
Wer bei einer linken Stadtregierung sofort den Untergang prophezeit, sollte einmal nach Graz schauen. Dort stellt die KPÖ (Kommunistische Partei Österreichs) seit 2021 mit Elke Kahr die Bürgermeisterin. Und wie haben die Menschen ihre Arbeit bewertet? Bei der Gemeinderatswahl im Juni 2026 stieg die KPÖ von 28,8 auf 35,7 Prozent – fast sieben Prozentpunkte dazu! Sie wurde also nach einer Amtsperiode deutlich gestärkt. Offenbar überzeugt diese Politik viele Menschen, die tatsächlich dort leben. Natürlich ist Graz nicht Berlin. Aber das reflexartige „Links regiert, alles geht zugrunde“ scheitert schon an diesem Beispiel. Vielleicht einmal konkrete Arbeit beurteilen, statt beim Parteischild gleich Schnappatmung zu bekommen.
Andreas Strohmayer, via Facebook
Zum Artikel „In Prenzlauer Berg müssen Kitas um Kinder kämpfen“ vom 27. Oktober 2026
Welche Familie kann sich denn noch eine Wohnung in Prenzlauer Berg leisten? Erzieher werden inzwischen zum Beispiel nach Marzahn oder Hellersdorf versetzt. Da herrscht noch Personalmangel und Familien können sich halbwegs die Mieten leisten. Außerdem möchte doch heutzutage eh niemand mehr Erzieher werden. Verständlicherweise. Wenn ich mir anschaue, dass in meiner Kita in den nächsten paar Jahren fast alle Erzieher in Rente gehen und seit ziemlich langer Zeit nichts an jungen Leuten nachkommt, löst sich das Problem irgendwann von ganz alleine. Ohne Personal keine Kita. Einen Wechsel von geburtenschwachen und geburtenstarken Jahrgängen gab es im Übrigen schon immer.
Cathrin Chen, via Facebook
Zum Artikel „Pflegende Angehörige sauer auf Streeck – ‚Mir platzt der Kragen‘“ vom 27. Oktober 2026
Ich möchte mich von Herzen bei Ihnen für Ihre Berichterstattung zur „Hart aber fair“-Sendung und die Aufarbeitung der Debatte über die häusliche Pflege bedanken. Dass Sie dieses Thema aufgegriffen und die ehrlichen, ungeschönten Worte der Betroffenen transportiert haben, erfüllt mich mit unendlicher Dankbarkeit. Wir pflegenden Angehörigen haben keine mächtige Lobby, und wir können nicht streiken. Wenn Arbeitnehmer für ihre Rechte kämpfen, legen sie die Arbeit nieder. Wir können unsere Arbeit nicht niederlegen – wenn wir die Hände für nur 24 Stunden in den Schoß legen, bricht das System zusammen und Menschenleben stehen auf dem Spiel. Umso wertvoller ist es, dass Sie uns mit Ihrer Berichterstattung endlich eine Stimme geben.
Wie extrem fragil dieses System ist, hat das Schicksal von Yvonne Lissel am Sendetag gezeigt: Sie pflegt ihren Ehemann zu Hause. Während sie im Studio stand, sollte er eigentlich von den Töchtern versorgt werden – erlitt aber am Morgen einen epileptischen Anfall und musste ins Krankenhaus. Und auch in meinem Alltag gibt es keine Schichtübergabe: Wenn die Notaufnahme meinen Pflegebedürftigen nachts um 2:35 Uhr nach erfolgter Notfallbehandlung per Krankentransport nach Hause schickt, versorge ich ihn – und stehe um 5:30 Uhr wieder auf, um meiner Arbeit nachzugehen. Da kommt um 2:35 Uhr in der Nacht kein Pflegedienst spontan vorbei. Es gibt kein Auffangnetz, keine Vertretung, keinen Puffer. Wir sind 365 Tage im Jahr im Einsatz.
Warum der kritische Blick auf das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) so wichtig bleibt: Es sollen bereits ab dem 1. Januar 2027 Fakten geschaffen und das 2025 hart erkämpfte flexible Budget beschnitten werden – während die Expertenkommission erst Ende Januar 2027 Ergebnisse vorlegt! Erst kürzen, dann beraten – das ist Politik am grünen Tisch in Reinkultur. In der 13-köpfigen Kommission sitzt nicht ein einziger pflegender Angehöriger. Man plant vollkommen über uns, statt mit uns.
Monika Lischke, via E-Mail
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