Bei der Debatte um mutmaßliche antisemitische Positionen bei der Berliner Linken taucht immer wieder ein Name auf: Vanessa Emde. Die 45-Jährige gehört dem Neuköllner Bezirksverband an, der dabei besonders im Fokus steht. Neben Ahmed Abed, der in Neukölln Bezirksbürgermeister werden will und durch antiisraelische Bemerkungen auf sich aufmerksam machte, gilt auch Emde als politische Reizfigur.

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Wie die „Welt“ und der „Tagesspiegel“ zunächst berichteten, sollte Emde gar nicht erst in die Fraktion aufgenommen werden. Die Linke widersprach gegenüber der Berliner Morgenpost. Einen solchen Beschluss gebe es nicht. Es werde auch keine rückwirkenden Sanktionen für frühere Äußerungen geben, hieß es. Linke, Grüne und SPD haben allerdings einen Mechanismus vereinbart, der bei antisemitischen Ausfällen von Abgeordneten greifen soll und im Extremfall deren Ausschluss aus der Fraktion vorsieht.
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Emde, 1981 in Düsseldorf als Tochter einer „alleinerziehenden Arbeiterin“ geboren, lebt nach Angaben des Bezirksverbandes seit 15 Jahren in Neukölln und ist dort verwurzelt. „Neukölln ist kein Problembezirk, sondern ist damals wie heute eine Herzkammer solidarischen Widerstands“, lässt sich die ausgebildete Theaterregisseurin zitieren.
Vanessa Emde im äußersten linken Spektrum aktiv
Emde hat an der Humboldt-Universität und an der Freien Universität Komparatistik (Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft) sowie Gender Studies studiert. Letzteres prädestiniert sie als besonderes Hassobjekt der rechten Szene. Bevor sie an der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) ein Studium der Theaterregie draufsattelte, war Emde bereits in der queer-feministischen Theaterszene der Hauptstadt aktiv.
Ein queer-feministischer, antikapitalistischer und internationalistischer Background prägt Emde, die erst 2022 der Linken beitrat, bis heute. Im November 2024 wurde Emde in den Vorstand des Bezirksverbandes gewählt. Sie lässt sich im äußersten linken Spektrum der Partei verorten und gehört laut letzter Informationen dem trotzkistischen Netzwerk „Marx21“ an, das vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Ziel der Gruppierung ist nach eigenen Angaben die Errichtung einer klassenlosen, kommunistischen Gesellschaftsordnung. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus 2026 gewann Emde mit 46,2 Prozent der Stimmen souverän ihren Neuköllner Wahlkreis und zog direkt ins Parlament ein.
Für besondere Aufregung sorgt zuletzt Emdes Eintreten für die palästinensische Sache. Wegen ihrer Positionen zu Israel und zum Nahostkonflikt wurde ihr wiederholt Antisemitismus vorgeworfen. Im Wahlkampf ließ sie den Slogan „Freiheit für Palästina“ auf ihre Plakate drucken. Ihren Einsatz für die Palästinenser begründete Emde in einem Instagram-Post damit, dass es in Neukölln viele Menschen gebe, „deren Familien und Freund*innen in Palästina, Jordanien und im Libanon“ lebten. Diese bangten „jeden Tag um das Leben ihrer Liebsten“.
Im gleichen Atemzug warf sie der israelischen Regierung eine Politik der „Vertreibung, Besatzung und Apartheid“ vor und bezeichnete das Vorgehen der israelischen Armee im Gazastreifen als „Genozid“, ohne darauf hinzuweisen, dass die von Südafrika vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) 2023 eingereichte diesbezügliche Klage noch nicht abschließend verhandelt und noch kein Urteil gesprochen wurde.
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Kein klares Bekenntnis zum Existenzrecht eines jüdischen Staates
Kontrovers wurde auch ein Auftritt Emdes im Mai dieses Jahres in Neukölln diskutiert. Die Linken-Politikerin, die in der Öffentlichkeit gerne die Kufiya (auch bekannt als „Palituch“) trägt, sagte bei der Veranstaltung: „Es gibt kein Existenzrecht für Staaten – Menschen haben ein Recht zu existieren.“ Zugleich bezeichnete sie die Forderung nach einer „demokratischen Einstaatenlösung“ mit gleichen Rechten für alle Menschen in Israel/Palästina als politisch legitim. Auf die Frage, ob Israel ein Existenzrecht habe, wich sie gegenüber dieser Redaktion aus und sagte: „Israel existiert de facto und verübt mit deutscher Unterstützung einen Völkermord.“
Mit ihrer Position steht Emde im Widerspruch zum Bundesvorstand ihrer eigenen Partei. Dieser hatte in einem Beschluss am 8, Mai 2025 erklärt: „Das Existenzrecht des Staates Israel ist für uns nicht verhandelbar.“ Und weiter: „Der Parteivorstand distanziert sich von jedem Aufruf, jedem Statement und jedweder bildlichen Darstellung, die unter dem Deckmantel der Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung die Existenz Israels negiert oder die Auslöschung Israels propagiert.“









