Mit ihrem TV-Auftritt gemeinsam mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) löste Kinderärztin Bea Merscher am vergangenen Donnerstag eine bundesweite Debatte aus: Merscher kritisierte den Bundeskanzler und nannte das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz „menschenverachtend“ und „zerstörerisch“. Bereits seit Wochen mobilisiert die alleinerziehende Mutter per Social Media gegen das Gesetz und die folgenden Einschnitte für das Gesundheitswesen. Am Sonnabend will sie den Protest mit tausenden anderen auf die Straße tragen: vor den Reichstag in Berlin.

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Weil Merz Merscher im Laufe der Sendung unter anderem als Teil des Gesundheitssystems als „Nutznießerin“ bezeichnete, löste dies insbesondere unter Medizinern per Social Media eine Empörungswelle aus. Merscher selbst erhielt nach ihrem Auftritt Morddrohungen, die sie zur Anzeige brachte. Aufgeben möchte sie nicht.
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Kinerärztin: „In der so eine Politik gemacht wird, hilft nichts anderes“
Der Medizinerin ist bewusst, dass sie auch in ihren Videos teils drastische Bilder wählt. Sie legt allerdings großen Wert darauf, politisch unabhängig zu sein. „Wir wollen verhindern, dass die medizinische Versorgung katastrophal wird, und in dieser Situation, in der so eine Politik gemacht wird, hilft nichts anderes.“
Anfangs wollte Merscher sich lediglich mit Mikrofon und Lautsprecher in Berlin vor den Reichstag stellen und protestieren. Inzwischen hat die Influencerin, deren Follower-Zahl sich in der vergangenen Woche auf mehr als 700.000 verdoppelt hat, für die geplante Kundgebung am 5. September mehr als 140.000 Euro an Spendengeldern gesammelt, Proteste in weiteren Städten sind ihren Angaben zufolge in Planung.
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Kinderärztin ruft zur Demo in Berlin auf: Influencer aus ganz Deutschland dabei
Die Redner kommen aus dem ganzen Bundesgebiet, darunter weitere Influencer wie Pfleger Ricardo Lange, der als „Kids.Doc“ bekannte Kinderarzt Vitor Gatinho und der Bundesvorsitzende des Allgemeinen Behindertenverbands, Marcus Graubner. Neben dem Protest vor Ort haben bislang mehr als 13.000 Menschen für eine Online-Teilanhme zugesagt.
Zusammen haben die mehr als 20 Influencer, die auf der großen Bühne in Berlin sprechen wollen, eine Reichweite in den sozialen Medien von mehr als 3,5 Millionen Menschen. Merscher hat außerdem bei der Berliner Punk-Band ROSA eigens eine Hymne in Auftrag gegeben: „Es ist nicht fünf vor 12, sondern Punkt 12“ lautet der Refrain. „Kinder haben keine Lobby, sie haben kein Mandat und jetzt sind wir ihre Stimme“, sagt Merscher. Zwar stehen Kinder und Jugendliche bei der Demo im Mittelpunkt, doch die Organisatorin will möglichst allen eine Stimme geben, die von den beschlossenen Kürzungen im Sozial- und Gesundheitssystem betroffen sind.
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Nach Attacke auf Merz: Kinderärztin hat Forderungskatalog entworfen
Gemeinsam mit ihren Mitstreitern hat Merscher einen Forderungskatalog mit 31 Punkten entworfen. „Eine Gesellschaft muss man daran messen, wie sie mit den schwächsten Mitgliedern umgeht, nicht mit den stärksten“, sagt die 39-Jährige. Auf der Bühne sind unter anderem hauptberuflich und privat Pflegende, Vertreter der Heilmittelberufe, der Psychotherapie, Lehrer oder der Hebammenhilfe zu Gast.
Der Staat finanziere beispielsweise die gesundheitliche Versorgung von Bürgergeld-Empfängern nicht ausreichend, kritisiert Merscher. Die monatlichen Kosten bei den Krankenkassen beliefen sich pro Fall auf mehr als 310 Euro, der Staat zahle nur 144 in die Kasse ein. „Die Lücke von mehr als 10 Milliarden Euro jährlich tragen ausschließlich die gesetzlich Krankenversicherten.“
Medizinerin: „Nicht nur schimpfen in der Küche“
Statt weniger auszuzahlen und zu kürzen, könnte dieses Defizit auf anderem Wege eingeholt werden, fordert die Medizinerin. So brauche es nicht 90 Krankenkassen mit jeweils eigener Verwaltung. Und auch die Pharmaindustrie könnte in die Pflicht genommen werden, die Mehrwertsteuer auf Medikamente gesenkt werden.
Social Media sieht Merscher dabei als große Chance: „Vor 30 Jahren hätte ich vielleicht beim Kartoffelschneiden in der Küche gestanden und hätte geschimpft und das wäre es dann gewesen.“ Heute erreiche sie allein mit ihrem Handy in der Hand mehr als 30 Millionen Menschen im Monat.
epd/rk







