In Berlin war am Abend die partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Bereits zuvor schien die ganze Hauptstadt auf Brillen-Jagd zu sein. Ein Hotspot: das Zeiss Großplanetarium in Prenzlauer Berg. Dort waren der Ansturm und die Schlange am späten Mittwochnachmittag so groß, dass sogar die Berliner Polizei vor Ort eingreifen musste. Am Abend wurde der Zutritt gesperrt, es sind bereits zu viele Menschen dort, teilte die Polizei mit. „Aufgrund der Überfüllung bitten wir Sie dringend, nicht mehr zum Zeiss-Großplanetarium zu kommen“, verkündete die Polizei mit Megafonen am Abend. Auch Sonnenfinsternis-Brillen seien schnell vergriffen gewesen

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Rund 3000 Personen sollen sich rund um das Planetarium befunden haben. „Die Kollegen sind vor Ort, um sie abzusichern“, sagte ein Polizeisprecher am Abend. Man wolle versuchen, die Massen „in geordnete Strukturen zu bekommen“, sagte er. Es gehe um die „reine Gefahrenabwehr“. Zuvor hatte es geheißen, man bekomme in den Planetarien die Sonnenfinsternis-Brillen anlässlich der Langen Nacht der Astronomie gratis, jedoch nur, solange der Vorrat reicht.

Doch nicht nur dort, sondern auch vor fast jedem Optiker bildeten sich am Mittwoch lange Schlangen, auch im Einkaufscenter „Wilma“ an der Wilmersdorfer Straße war der Ansturm riesig. Christopher Förster von Space Instruments hatte am Dienstag noch Hunderte Brillen verkauft, und der Presse gezeigt, wie man die Brillen benutzt. Am Mittwoch schloss die Firma ihr Büro, wie auf einem Schild zu lesen war. Zur Enttäuschung vieler, die dort vergeblich anriefen.

Auf der Plattform Kleinanzeigen waren am Nachmittag noch Brillen erhältlich – allerdings nur wenige zu fairen Preisen. Während sich einige Angebote für zehn Euro fanden, verlangten andere Anbieter gleich mehrere Hundert Euro.

Ein anderes Bild zeigte sich auf der Röntgenbrücke in Charlottenburg. Dort trafen am Abend immer mehr Leute ein. Die speziellen Sonnenbrillen wurden vor Ort für 5 Euro verkauft.

Spezialbrillen vor Sonnenfinsternis sehr begehrt
Christopher Förster, der das Teleskopgeschäft Space Instruments in Berlin-Lichtenrade betreibt, zeigt, wie man eine Sonnenfinsternisbrille richtig aufsetzt. Hunderte habe er bereits in der vergangenen Woche verkauft; am Tag vor dem Ereignis noch mal 300 Stück.© Manuel Genolet/dpa | Manuel Genolet

Anders als bei früheren Ereignissen – wie im März vergangenen Jahres, als der Mond die Sonne nur leicht streifte – wurden diesmal bis zu 85 Prozent der Sonnenscheibe verdeckt. Das Besondere: Das Naturschauspiel ereignete sich kurz vor Sonnenuntergang bei extremem Tiefstand. Eine derart drastische Abendverdunkelung wird es über der Hauptstadt in den nächsten 100 Jahren nicht wieder zu sehen geben.

Erblindungsgefahr: Wie vermeidet man sie

Warum waren die Brillen überhaupt so beliebt? „Innerhalb von ein paar Sekunden kann man sich gesundheitlich Schaden zufügen, wenn man direkt in die Sonne schaut“, sagt Tilo Bergemann vom Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam (AIP). Bergemann ist im Team der Öffentlichkeitsarbeit des Instituts und wird nach seinen Angaben gerade von Anfragen und Telefonaten überrannt. Schutzbrillen zum Betrachten der Sonnenfinsternis in Berlin sind Mangelware. Wer keine Schutzbrille ergattern konnte, kann die 83,9-prozentige Sonnenfinsternis jedoch gefahrlos mit einer selbst gebauten, einfachen Lochkamera betrachten, so der Insider. Wie man eine Lochkamera herstellen kann? Dazu gibt es unzählige DIY-Videos im Internet: „Das kann man einfach herstellen aus jedem Karton“, erklärt Bergemann. „Man kann auch ein Handyfoto machen und dieses dann betrachten. Wichtig ist nur, dass man nicht direkt in die Sonne schaut.“ Eine 100-prozentige Sonnenfinsternis war heute nur von Island und Spanien aus zu sehen. Daher übertrug das Zeiss-Großplanetarium das Naturspektakel auch live aus Spanien.

Sonnenfinsternis in Kassel
Naturspektakel für alle: Vor 27 Jahren, am 11. August 1999, war das letzte Mal eine Sonnenfinsternis in Deutschland zu sehen. 2025 gab es mit einer partiellen Sonnenfinsternis einen Vorgeschmack darauf. © picture-alliance / dpa | dpa Picture-Alliance / Zucchi Uwe

Zum großen Astronomie-Tag luden Sternwarten in Berlin und Potsdam zur Beobachtung der Sonnenfinsternis und der Perseiden ein. Die Stiftung Planetarium Berlin veranstaltete mit der Astronomischen Gesellschaft, der Vereinigung der Sternfreunde und dem Bundesforschungsministerium einen Aktionstag. Deutschlandweit boten Planetarien, Volkssternwarten und Institute Live-Himmelsbeobachtungen an. Im Mittelpunkt stehen neben aktuellen Forschungsprojekten die Sonnenfinsternis sowie der Höhepunkt des Perseiden-Meteorstroms am Nachthimmel.

Wilma Brillen
Schlange im Berliner Shopping-Center "Wilma" in der Wilmersdorfer Straße am Tag vor der Sonnenfinsternis.© BM | Iris May

Sternengucken: Romantische Insidertipps oder Gruppenerlebnis

Einige der besten Aussichtspunkte in der Region boten der Teufelsberg, der Volkspark Prenzlauer Berg sowie der Pfingstberg und der Bassinplatz in Potsdam. Doch wer Menschenmengen meiden wollte, konnte auch auf weniger bekannte Insidertipps ausweichen. „Von wo aus man auf jeden Fall gut gucken kann, sind die ganzen Schuttberge im Osten an der Wohle, etwa der Kienberg, oder die Biesdorfer Höhe“, verriet Ur-Berliner Philipp Siebert, der als Polizeireporter bei der Berliner Morgenpost arbeitet. „Aber natürlich kann man die Sonnenfinsternis auch vom Teufelsberg, dem Kreuzberg oder den Ahrensfelder Bergen aus relativ gut sehen.“ Die letzte richtige Sonnenfinsternis im Jahr 1999 habe er allerdings von Österreich aus verfolgt. „War damals gerade im Urlaub.“

Sonnenfinsternis-Brille
Heiß begehrt: Angestellte eines Fotofachhandelsgeschäfts mit dem Objekt der Begierde, einer speziellen Sonnenschutzbrille. (Symbolfoto aus Kassel).© Marijan Murat/dpa | Marijan Murat

Übrigens gab es heute nicht nur die Sonnenfinsternis zu sehen, sondern auch viele Sternschnuppen. Die sogenannten Perseiden sind ein berühmter Sternschnuppen-Regen, der jedes Jahr im August am Nachthimmel zu sehen ist. Die Erde fliegt dabei durch die staubige Spur eines Kometen. Winzige Staubkörner treffen mit riesiger Wucht auf die Luft und verglühen. Das sieht für uns aus wie helle, blitzende Streifen am Himmel. Tilo Bergemann erklärt das Phänomen: „Weil heute Neumond ist, hat man weniger Lichtverschmutzung. Besonders auf dem Land sind heute schätzungsweise bis zu 100 Sternschnuppen am Himmel zu sehen.“

3. Lange Nacht der Astronomie in Berlin, Eintritt frei, für die Fulldome-Programme müssen 30 Minuten vor Beginn kostenlose Tickets gelöst werden. Im Kinosaal und im Foyer wird die totale Sonnenfinsternis LIVE aus Spanien übertragen. Dazu gibt’s Experten-Beiträge. Zeiss-Groß-Planetarium, Prenzlauer Allee 80, Berlin, 17 bis 1 Uhr morgens