Der Berliner Staatssekretär und Chief Digital Officer Matthias Hundt tritt zurück, offenbar wegen Ungereimtheiten mit der Insolvenz seiner Firma. Wenn sie den Namen nicht kennen, ist das nicht verwunderlich. Erst am 18. März war er als Nachfolger von Martina Klement ernannt worden. Seine Ernennung schon hatte massive Kritik hervorgerufen. Frühere Weggefährten und Geschäftspartner sprechen ihm die Kompetenz für die Aufgabe ab.
Ermittlungen wegen „verschiedener Insolvenzstraftaten“
Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt gegen Hundt offenbar wegen „verschiedener Insolvenzstraftaten“. Bei einem Verfahren geht es um die inzwischen gelöschte SDC Sachsen Digital Consulting, die IT-Projekte realisieren wollte. Und: In den vergangenen zwei Jahren wurden noch bei zwei weiteren Firmen, an denen Matthias Hundt beteiligt war, Insolvenzverfahren eingeleitet. Ungeklärte Vorgänge, die nun offenbar zum Rücktritt führten.
Herbe Schlappe für den Regierenden Bürgermeister
Für den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner eine herbe Schlappe. Hundts Vorgängerin Martina Klement hatte die Verwaltungsreform über Jahre mühsam vorangetrieben. Ihre Nachfolge zerbricht nach gut zwei Monaten. Nun muss Wegner erneut auf Personalsuche gehen. So kurz vor der Wahl im September wird das schwer.
Drei Senatoren hat Kai Wegner in drei Jahren verschlissen, und noch mehr Staatssekretäre. Erst vor einem Monat musste er die Nachfolge für Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson organisieren. Schon da gelang keine wirklich tragfähige Nachfolgeregelung, Finanzsenator Stefan Evers (CDU) übernahm die Rolle zusätzlich. Nun, vier Monate vor der Abgeordnetenhauswahl, wird der Posten des Chief Digital Officer womöglich auch vakant bleiben. Die Opposition wird das genüsslich ausschlachten, Wegner wird das zusätzlich schwächen. Mit Personal hat er offenbar keine glückliche Hand.



