Mehr Geld, mehr Personal, mehr Tempo: Um die vorgegebenen Ziele aus dem Klimaanpassungsgesetz zu erreichen, muss Berlin mehr investieren, aber auch schneller werden. Dem Gesetz zufolge soll die Stadt bis 2040 so fit gemacht werden, damit die Menschen auch in Zeiten der Erderwärmung und heißerer Sommer hier noch gut leben können. Bis dahin soll entlang von Straßen durchschnittlich alle 15 Meter ein Baum stehen. Daneben sind mehr Grünflächen, Entsiegelungen oder ein besseres Regenwassermanagement geplant.

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Als Zwischenziel ist vorgegeben, dass es bis Ende 2027 440.000 Straßenbäume in Berlin geben soll. Ende 2025 waren es laut Senatsstatistik 439.348. Die Lücke ist also relativ klein, das Problem ist jedoch: In den vergangenen Jahren wurden stets mehr Bäume gefällt als gepflanzt. Im vergangenen Jahr standen rund 2700 Neupflanzungen etwa 5600 Fällungen gegenüber. Aufgefangen wurde das Minus nur durch eine „Bestandskorrektur“, etwa weil Grundstücke neu als öffentliches Straßenland gewidmet wurden. „Ich gehe davon aus, dass wir dieses Jahr und 2027 noch mal je 2000 Bäume verlieren werden“, sagte der für Umwelt zuständige Staatssekretär Andreas Kraus. Entsprechend hoch muss die Zahl an Neupflanzungen liegen. Auf 440.000 Bäume zu kommen, ist laut Kraus „ambitioniert, aber machbar“. Erreicht werden soll es mit einem „Schnellläuferprogramm“.

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Bezirke brauchen mehr Geld für die Pflege der Straßenbäume

Kraus kündigte an, dass insbesondere vorhandene, derzeit aber leere Baumscheiben bepflanzt werden sollen. Dabei sollen auch neue Technologien zum Einsatz kommen, etwa eine Maschine, die Wurzelreste gefällter Bäume „herausfräsen“ kann. Im Anschluss kann dann der neue Baum leichter und schneller gepflanzt werden. Wobei das reine Pflanzen nur ein Punkt ist. Entscheidend ist im Anschluss die Pflege. Dem Staatssekretär zufolge bekommen die Bezirke derzeit pro Baum und Jahr 83 Euro für die Pflege. „Wir müssen perspektivisch auf 120 bis 140 Euro hoch“, so Kraus. Man müsse also schauen, wie man mehr Geld im Haushalt bereitstellen könne oder andere Methoden finde, indem etwa die Berliner Bürger verstärkt eingebunden werden.

In den folgenden Jahren bis 2040 müssen die Baumpflanzungen dann weiter hochgefahren werden. Womit sich auch die Frage stellt: Können die Baumschulen die Nachfrage überhaupt bedienen? Holger Zahn, Seniorchef der Späth‘schen Baumschulen in Treptow, äußert sich grundsätzlich zuversichtlich. „Von der Stückzahl her ist das kein Problem“, sagt er. Auch heute schon könne man 4000 oder 5000 Bäume im Jahr liefern. Eine Herausforderung könne das Ganze werden, wenn bestimmte Baumsorten gewünscht sind, die dann auch noch regional produziert sein sollen. Zwar könne die Produktion auch noch hochgefahren werden – es gebe aber immer das Risiko, dass die falschen Bäume zur falschen Zeit fertig werden. Hier würde eine gewisse Vorlaufzeit in der Planung helfen, um die gewünschten Baumsorten zu züchten.

Im Blick behalten muss man allerdings auch, wie sich die Zahl der Baumschulen und damit auch die Produktionskapazitäten entwickeln. „Momentan sind in der Branche die Umsätze rückläufig“, so Zahn. „Es ist ein Baumschulsterben im Gange.“ Zum aktuellen Zeitpunkt gebe es noch kein Problem. Wichtig sei es jedoch, das Personal zu halten. Denn wenn die einmal weg sind, werde es schwierig, Fachkräfte wieder zurückzugewinnen.

Dem Verein Baumentscheid gehen die Vorbereitungen zu langsam

Kritik daran, wie Berlin bei den Vorbereitungen für die Umsetzung des Klimaanpassungsgesetzes vorankommt, äußert Heinrich Strößenreuther vom Verein Baumentscheid. Benötigte Personalstellen und Budgets für Fachberater seien bislang nicht vorgesehen. Dadurch drohe sich das Projekt von Beginn an um bis zu ein Jahr zu verzögern, sagte Strößenreuther im Gespräch mit der Berliner Morgenpost.

Heinrich Strößenreuther
Befürchtet, dass durch Verzögerungen Mehrkosten entstehen: Heinrich Strößenreuther, Initiator vom „Baumentscheid“. © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Angesichts der drohenden Verzögerungen, zeigte er sich enttäuscht vom Senat. „Uns wurde in der Verhandlung vorgeworfen, dass wir dieses Gesetz mit sehr viel Misstrauen geschrieben hätten. Jetzt kann ich sagen: Es war nicht genügend Misstrauen.“ Im Nachhinein wisse er nun, dass die Budgets noch konkreter hätten festgeschrieben und die Umsetzung konkreter hätte geregelt werden müssen. Die Senatsumweltverwaltung selbst sieht sich auf einem guten Weg.

Strößenreuther adressiert in seiner Kritik aber gar nicht so sehr die Umweltverwaltung. Er hat eher die Finanzpolitiker im Blick. Dort seien die Mittel nicht bereitgestellt worden. Die ursprüngliche Kostenschätzung für das Klimaanpassungsgesetz lag bei sieben Milliarden Euro. Diese Summe reduzierte sich aber, zuletzt war von 3,2 Milliarden Euro die Rede. Durch Standardisierung und Effizienzmaßnahmen sei das möglich, so Strößenreuther. Wenn nun die Vorarbeiten verschleppt würden, drohten Mehrkosten.