Das Brandenburger Tor soll der zentrale Ort der Olympischen und Paralympischen Spiele werden. Der Plan, vor dem Freiheitsmonument auf einer „Medal Plaza“ mit viel Publikum das Edelmetall an die Sieger zu überreichen, ersetzt die bislang dort vorgesehenen Beachvolleyballspiele. Diese Änderung ist nur eine von mehreren Anpassungen in dem Konzept „Berlin +“, mit dem sich die Hauptstadt gegen München, Köln und Hamburg im nationalen Wettkampf um eine deutsche Bewerbung für 2036, 2040 oder 2044 behaupten will.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
„Wir haben die Bewerbung noch kompakter gestaltet“, sagte Sportsenatorin Iris Spranger (SPD), nachdem der Senat die Berliner Bewerbung offiziell beschlossen hatte. „Einstimmig“, wie der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) betonte. Einer womöglich konkurrierenden Weltausstellung Expo 2035 erteilte Wegner für Berlin eine Absage. „Olympische und Paralympische Spiele sind die klare Priorisierung des Senats. Punkt“, so Wegner. Die Expo könne „eine Chance für die Metropolregion sein“, sagte der Bürgermeister und meint damit offensichtlich, dass die Veranstaltung auf Brandenburger Gebiet stattfinden müsste.
Am Brandenburger Tor sollen vor Publikum die Medaillen vergeben werden
Das Brandenburger Tor soll nach den Ideen des landeseigenen Kulturdienstleisters Kulturprojekte und seines Chefs Moritz van Dülmen von einer Rampe überspannt werden. Dort werde gewiss jeder Besucher drüberlaufen wollen, sagte van Dülmen. Neben ein paar veränderten Wettkampfstätten ist vor allem das „Host City“-Konzept neu. Damit soll laut Spranger „olympische Atmosphäre in der ganzen Stadt“ spürbar sein. Die Olympischen und Paralympischen Spiele sollen durch eine Kultur-Olympiade zeitlich verbunden werden.

Die Eröffnung will Berlin nicht im Olympiastadion, sondern auf dem Tempelhofer Feld feiern. Dort sollen auch urbane Sportarten wie Bouldern, Skaten und BMX-Radfahren ihre Wettkämpfe austragen. Aus Sicht des Regierenden Bürgermeisters bleibt aber eine Randbebauung des Feldes mit Wohnungen vor und nach den Spielen möglich.
Beckenschwimmer sollen unter einem neuen Dach im alten Schwimmstadion starten
Freiwasserschwimmer und Triathleten sollen vor der East Side Gallery in die Spree springen. Dass der ganze Fluss wie die Seine in Paris dann zum Baden freigegeben wird, wollten die Olympia-Macher aber nicht versprechen. Die Waldbühne wird laut Konzept zum Schauplatz von Kämpfen im Boxen und Taekwondo. Die Bahnenschwimmer kämpfen im erneuerten und mit Dach versehenen Olympia-Schwimmstadion von 1936 um Medaillen. Allerdings müssen dafür das Becken auf zehn Bahnen verbreitert und die bestehenden Tribünen versetzt werden. Die Anlage könnte danach von allen Berlinern weiter ganzjährig genutzt werden, hieß es.
Die Organisatoren gehen auch davon aus, dass die Pläne für eine neue Basketballhalle für Alba Berlin in Adlershof Realität werden. In der neuen Arena würden dann die Basketballfinalrunden sowie Geräteturnen und Trampolin stattfinden. Die Athleten sollen in einem olympischen Dorf nahe dem Westkreuz unterkommen, wo auch ohne die Spiele der Bau von 2400 Wohnungen geplant sei.

Insgesamt will Berlin nach dem Konzept für 97 Prozent der Wettkämpfe Anlagen nutzen, die es schon gibt. Das sorge für Nachhaltigkeit und für mehr Sicherheit im Budget, als wenn man viele Großbaustellen fertigstellen müsste. Berlins Olympia-Beauftragter Kaweh Niroomand nannte das Konzept „finanzierbar, machbar, authentisch und glaubwürdig“. Damit würden die Chancen Berlins steigen. Das hofft auch Wegner: „Berlin ist genau die richtige Stadt, mit der man international ins Rennen gehen sollte“, warb er bei den Vertretern des Deutschen Olympischen Sportbundes, die das Kandidatenrennen am 26. September entscheiden werden.
Die bisher genannten Investitionskosten halten sich für Berlin sehr im Rahmen
Die Investitionen, vor allem für das Land Berlin selbst, sollen sich nach den Aussagen der Organisatoren und Politiker in Grenzen halten, auch wenn längst noch nicht alle Kosten bekannt sind. Als Investitionen in die Sportanlagen sind bislang knapp 1,6 Milliarden Euro vorgesehen. Diese müssten über 14 Jahre bereitstehen und sollen auch vom Bund und anderen Geldgebern stammen.
Aus dem sogenannten Organisations- und Durchführungsbudget soll Berlin sogar noch viele Millionen bekommen und in den Schul- und Breitensport stecken. Die Kosten für Technik, Personal, temporäre Tribünen und andere Aufgaben liegen unter den Einnahmen aus Ticketverkäufen, Sponsoring und TV-Erlösen. Ein Gewinn von 420 Millionen wird aus diesem Teil des Etats einkalkuliert. Das wäre mehr als doppelt so viel wie in Paris. Die Tickets sollen in dieser Rechnung so viel kosten wie in Paris 2024, als die günstigsten Karten für 24 Euro angeboten wurden. Noch nicht zu ermitteln sind die nötigen Ausgaben für Sicherheit, Katastrophenschutz, die Bund und Länder tragen müssen.





