Der Schinkelplatz in Berlin-Mitte wimmelte am Dienstag vor Menschen in Badekleidung. Sie hatten nicht nur ihre Schwimmtiere, sondern auch jede Menge Banner mitgebracht, auf denen stand: „Die Spree kühlt Berlin!“ oder „Swimable City!“ Rund 500 Menschen hatten sich beim Flussbad-Verein im Vorfeld angemeldet, es kamen dann aber rund 700. Es ging fröhlich und gesittet zu.

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Bereits im Mai hatten die Flussbad-Aktivisten eine Demo geplant, doch sie war von der Wasserschutzpolizei verboten worden. Im Juni hatte es dann aber geklappt mit der ersten Schwimmdemo. Nun folgte die zweite Schwimm-Demo, die sehr gut geplant war. Zwei Rettungsschwimmer wachten über die Sicherheit der Teilnehmer, ein Aktivist dirigierte den Einstieg per Megaphon, so dass alles zügig voran ging.

Bär mit Schwimmring
Symbolkraft: Viele Demonstranten trugen eine Badekappe, auf der ein Berliner Bär mit Schwimmring abgebildet war© BM | Iris May

Der Flussbad-Verein hatte zu Kundgebung und Schwimmdemo aufgerufen, um das Schwimmverbot in der Spree aufzuheben. Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger sagte: „Mitte ist der geilste Bezirk von Berlin, jetzt will ich euch nur noch schwimmen sehen!“ Auch Silke Gebel und Tarek Massalme (beide Grüne) und Verfechter der Expo 2035 in Berlin sprachen sich bei der Kundgebung mit Verve für das Schwimmen in der Spree aus. „ Wir brauchen die Abkühlung bei der Hitze, doch es gibt viel zu wenig Schwimmbäder“, klagte Kristian Ronneburg (Linke).

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Flussbaden jetzt
Flussbaden jetzt - Der Schwimmsack, auch Wickelvogel genannt, dient als Schwimmhilfe und Aufbewahrung. Er stammt aus Basel, dort hat das Flussbaden im Rhein seit 1997 Tradition. © BM | Iris May

Für das beste Outfit und das beste Plakat gab‘s einen Schwimmsack von Wickelfisch aus dem schweizerischen Basel. Dort hat das Schwimmen im Rhein bereits eine lange Tradition. Man packt einfach seine Sachen in den Sack und benutzt ihn als Schwimmhilfe.

Léon Gross, Stadtplanungs-Wissenschaftler und Aktivist „Rechte für die Spree”, erklärte gegenüber der Morgenpost, dass er aus der Spree mit Hilfe von Verfassungsrechtlern einen Präzedenz-Fall machen will, indem er ihr Rechte verschafft. In Deutschland und in der EU wäre das eine absolute Neuheit. Nur in Mar Menor in Spanien erhielt ein Fluss bisher Rechte.

Bildergalerie Flussbad-Demo im August 2025

Ente
Fiona und Jan aus Berlin-Mitte haben sich zur Schwimmdemo eine etwas größere Gummiente mitgebracht. © BM | Iris May
Aktivistin Maria Schwimmkette
Schwimmkette: Maria kämpft seit zehn Jahren fürs Baden in der Spree. Am Dienstag blies sie Gummihandschuhe auf und beschriftete sie mit den Worten: "Badeverbot wegschwimmen"© BM | Iris May
Designerin Katrin Androschin ist im Aufsichtsrat des Vereins Flussbad Berlin
Trug das farbenprächtigste Kleid (von Essentiel Antwerp), bevor auch sie ins Wasser sprang: Designerin Katrin Androschin ist im Aufsichtsrat des Vereins Flussbad Berlin.© BM | Iris May
Spree flussdemo
Die Spree wimmelte am Dienstag von Menschen, die sich in ihr abkühlten. Im Hintergrund das Humboldt Forum.© BM | Iris May
Flussbad Demo Schlange
Die riesige Schlange der Flussbad-Demonstranten reichte vom Schinkelplatz bis zum Werderschen Markt.© BM | Iris May
Flussbad Demo
Auch Warten kann Spaß machen: Die Flussbad-Demonstranten lachten und freuten sich gemeinsam auf die Abkühlung.© BM | Iris May
Kein Gedraenge Flussbad Demo
Obwohl sich Hunderte von Menschen am Einstieg zur Spree versammelt hatten, gab es kein Gedränge und keinen Streit.© BM | Iris May

Seiner Meinung nach wird es höchste Zeit, dass auch Wälder und Flüsse Rechte bekommen, „auf Sauberkeit und Schutz“. Eine Petition dazu starte im Oktober. „Der urbane Hitzeinseleffekt in Städten ist schon lange bekannt“, erklärte Gross. „Daher benötigen wir dringend Abkühlungsflächen, beispielsweise in Gewässern wie der Spree, aber auch in U-Bahnen.“

Marie Flussbad Demo
Marie hatte zur Flussbad-Demo ein schwimmendes Einhorn und eine goldene Wärmedecke mitgebracht.© BM | Iris May

Die gemessene Wasserqualität der Spree am Dienstag war „ausreichend“. Diplom-Bioingenieur Carsten Riechelmann überwachte mit einem neuen High-Tech-Sensor, der fünfstellig kostet, das Wasser in Echtzeit. „Weil es zuletzt wenig geregnet hat, gab es auch keine Überläufe der Kanalisation und die Wasserqualität war gut.“ Begleitet von drei Wasserschutzpolizisten tuckerte der Wasser-Experte schutzgeleitet von einem Schlauchboot der Wasserschutzpolizei den Bade-Ponton vom Historischen Hafen durch die Mühlenschleuse zum Ankerplatz vor dem Stadtschloss. Unterwegs hatten die Aktivisten noch das Transparent „Pilotbadestelle 2026“ gemalt.