Liebe Leserin, lieber Leser,
wofür steht Berlin? Auf diese Frage lassen sich ganz unterschiedliche Antworten geben. Auf jeden Fall für seine Geschichte und für die besonderen Menschen, die diese Stadt prägen.

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Munter wird es, wenn beides zusammenkommt. Und an diesem 1. Mai ist das definitiv der Fall. Den Tag darf man inzwischen als historisch bezeichnen. Spätestens seit 1987, als die Polizei sich nach schweren Unruhen für mehrere Stunden aus SO36 in Kreuzberg zurückziehen musste.
Nun verkommen solche Tage mit den Jahren schnell zu Folklore. Auch am 1. Mai wurde es zwischenzeitlich etwas ruhiger. Aber es fanden sich immer wieder Konfliktthemen, die Autonome genüsslich eskalieren ließen. Immer zum Schaden der eingesetzten Polizisten und der Menschen, die in Kreuzberg leben – und wahrlich nicht zum verhassten Establishment gehören.
Was also ist in diesem Jahr zu erwarten, haben wir uns in der Redaktion vor ein paar Tagen gefragt. Das Ergebnis der Recherche kann nachgelesen werden. Heute Abend kann natürlich alles anders kommen. Der Görlitzer Park steht definitiv im Zentrum. Allein dort sind mehr als 60 Veranstaltungen angemeldet. Die nächtliche Sperrung erregt linke Gemüter.
Aber taugen die inzwischen von vielen als funktions- und wirkungslos belächelten Schließtore als Hassobjekt?
Auf jeden Fall. Denn auch wenn die Tore zum Görlitzer Park heute Abend vorsorglich geöffnet bleiben, sind sie schon nach wenigen Monaten ein Symbol geworden, Kristallisationspunkte einer Debatte um den Umgang mit Problemzonen in der Stadt. Solche Symbole haben für die Akteure des 1. Mai einen Vorteil: Sie sind entmenschlicht und lassen sich leicht angreifen, ohne wirklich verletzt zu werden. Tritt man ein Tor (oder reißt es ein), sind die Bilder martialisch, zu Schaden kommt erst mal niemand.
Die eigentlich wichtige inhaltliche Auseinandersetzung rückt in den Hintergrund. Mehr noch: Oft wird in Straßenschlachten so viel Porzellan zerschlagen, dass die Fronten dann noch mehr verhärtet sind. Ich wünsche mir zu Beginn des Mai deshalb nur das: Dass wir über die wichtigen Themen reden, statt uns anzuschreien. Das gilt für den linken als auch für den rechten Rand.
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Außerdem wichtig
Bundeskanzler Friedrich Merz widmet sich selten dem Lokaljournalismus. Zum ersten Tag des Lokaljournalismus kam er auf Initiative mehrerer Verlage (auch unserem) nach Salzwedel. Es war eine spannende Debatte mit vielen Leserinnen und Lesern.
Manchmal sprechen Überschriften für sich. So auch diese: „Ausbau der Bahn-Anbindung ins Umland: Berlin setzt andere Prioritäten“, schreibt Jessica Hanack. Für Pendler ziemlich schlechte Nachrichten.
Die Anschutz Entertainment Group hat in Berlin viel gebaut, nicht immer waren deren Projekte beliebt. Nun soll es mit einem Hochhaus in Friedrichshain weitergehen, berichtet Helge Denker.
Neue Ideen gibt es auch für den Teufelsberg. Heute zieht das Areal bereits 100.000 Besucher pro Jahr an, das könnten noch mehr werden. Doch Umweltschützer sind wenig begeistert.
Zum Schluss noch eine Ankündigung in eigener Sache. Als Freund aller Aufrechten freue ich mich sehr, ab Samstag einen neuen Karikaturisten hier begrüßen zu dürfen. Künftig finden Sie den Cartoonist OL regelmäßig in der Berliner Morgenpost. Weil er wie kein anderer diese Stadt so treffend zeichnet, schon seit Jahrzehnten. Wir werden ihn an dem Tag auch noch ausführlich vorstellen.
Ich freue mich auf ein sonniges und langes Wochenende und eine gute Feier. Und wünsche Ihnen ebenso entspannte Tage.
Herzliche Grüße,
Peter Schink
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