Von Jörg Krauthöfer

Rund 2540 Kilometer trennen Berlin von der Pilgerhauptstadt Santiago de Compostela in Spanien, wo das Grab des Apostels Jakobus vermutet wird. Pilgern liegt im Trend, doch man muss gar nicht so weit reisen, um ein Stück des Jakobswegs zu erleben. Ein paar dieser Pilgermeilen führen direkt durch Brandenburg und weiter ins Berliner Stadtgebiet. Unser Redakteur und Outdoor-Enthusiast Jörg Krauthöfer, der als Hauptstadtwanderer offenbar nie genug vom Pilgern bekommt, nimmt euch mit auf eine weitere Etappe des Jakobswegs durch Brandenburg und Berlin. Diesmal geht es von Bernau bis nach Buch.

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  • Start: Bahnhof Bernau
  • Ziel: Bahnhof Buch
  • Distanz: 10 Kilometer
  • Wegbeschaffenheit: Asphalt, Schotterwege, Wiesenpfade
  • Höhenmeter: 10 m ⬆️ 20 m ⬇️
  • Leichte Wanderung
  • Link zur Karte

Unser Ausgangspunkt ist die charmante Stadt Bernau, nordöstlich von Berlin. Sie gilt als Tor zum Barnim und begeistert mit einem mittelalterlichen Stadtkern sowie einer nahezu vollständig erhaltenen Stadtmauer. Das Wahrzeichen, das Steintor mit dem Hungerturm, ist schon von weitem sichtbar. Überregional bekannt ist Bernau für sein alljährliches Hussitenfest: Es erinnert an die legendäre Verteidigungsschlacht von 1432, als die Hussiten vergeblich versuchten, die acht Meter hohe Mauer zu erstürmen. Auf diesen Triumph ist man im Norden Berlins bis heute stolz.

Bernau
(Archivfoto) Blick auf die historische Stadtmauer in Bernau. © Foto: Jörg Krauthöfer | Foto: Jörg Krauthöfer

Mit dem Bahnhof im Rücken biegen wir nach rechts ab, gehen unter der S-Bahn hindurch zur Ladestraße und wechseln gegenüber der Bahnhofspassage rechts auf den markierten Pilgerweg Richtung Zepernick. Auf der asphaltierten Fahrradstraße „Neue Gärten“ passieren wir zunächst gepflegte Stadtgärten und Wiesen, anschließend die Steinskulptur „Wolf am Dolmen“. Seit September 2018 lädt die Plastik der Biesenthaler Bildhauermeisterin Anne Schulz hier am Jakobsweg, der zugleich Teil des Radfernwegs Berlin–Usedom ist, zum Verweilen ein.

Hauptstadtwanderer unterwegs

Kunst am Wegesrand: Die Steinskulptur „Wolf am Dolmen“ der Biesenthaler Künstlerin Anne Schulz lädt um Verweilen ein.

Bild: © FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Weiter geht es durch das Panke-Renaturierungsgebiet, an einer Pferdeweide vorbei. Wir überqueren die Panke und erreichen den Hesselweg. Dort halten wir uns rechts, gehen bis zur Weißenseer Straße/Ecke Schwanebecker Chaussee, queren diese, wenden uns nach rechts und wechseln auf die gegenüberliegende Straßenseite, um wieder nach links abzubiegen. Dann geht es auf dem Uferweg an der Panke entlang. Wir passieren ein Tor und wandern am Bernauer Forellenteich vorbei. Hier werden, wie der Name vermuten lässt, allerdings keine Forellen gezüchtet. Pächter des Gewässers ist der Deutsche Angelfischerverband (DAFV).

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Entlang der Gleise setzt sich unser Weg fort, bis wir die Zepernicker Chaussee erreichen und sie überqueren. Auf der gegenüberliegenden Seite nimmt uns der Pfad wieder auf; nach einem sanften Linksbogen führt eine Abzweigung nach rechts in die Ernst‑Moritz‑Arndt‑Straße. Wir gehen geradeaus weiter bis zur Brücke und queren die Panke, die hier leise unter uns vorbeifließt. 

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Flussromantik mit S-Bahn-Flair. In Eichwerder wechselt die Panke für kurze Zeit auf die andere Seite des Bahndamms.

Bild: © FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Die Panke ist ein kleines bis mittelgroßes Fließgewässer. Sie entspringt in Bernau und mündet in Berlin in die Spree. Ihre Länge beträgt 29 Kilometer, davon liegen 20,2 Kilometer auf Berliner Stadtgebiet. Damit ist sie nach Spree und Havel der drittlängste Fluss in Berlin. Der Flussname hat slawische Wurzeln und bedeutet übersetzt „strudelnder Fluss“. Aufgrund ihrer enormen Verschmutzung nannten die Anwohner sie im 19. Jahrhundert auch „Stinkepanke“. Heute bahnt sich das Gewässer recht sauber und aufgeräumt seinen Weg in Richtung Hauptstadt.

An der nächsten Kreuzung wenden wir uns nach rechts, bleiben nah an den Gleisen und passieren einen Spielplatz. Kurz darauf teilt sich der Weg; wir entscheiden uns für die rechte Abzweigung, kreuzen einen Querweg und lassen den Neuen Friedhof Zepernick links am Wegesrand liegen. Bald erreichen wir die Schönower Straße, überqueren sie zügig, biegen sofort nach rechts ab und wechseln, kurz bevor die Gleise wieder auftauchen, nach links auf einen schmaleren Nebenweg. Eine weite Linkskurve öffnet den Blick ins Grüne, dann lenkt uns eine Rechtskurve zurück an die Panke, die wir erneut überqueren.

Direkt hinter der Brücke halten wir uns links und folgen dem Uferweg, der sich elegant durch die weite Landschaft zieht. Am Ende leitet er uns nach links auf die Schönerlinder Straße. Wieder queren wir die Panke, bevor wir gleich darauf rechts auf den parallel verlaufenden Weg abbiegen. Wir gehen südwärts, passieren einige Pferdekoppeln und die Dransemündung.

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Gelegentlich ist die Muschel auf blauem Grund sichtbar, das Zeichen des Jakobswegs.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Am Ende des kleinen Parks erreichen wir die Straße der Jugend. Dieser folgen wir nach rechts bis zur Kreuzung Triftstraße. Dann überschreitet der Wanderer die Landesgrenze zwischen Brandenburg und Berlin. Wir sind jetzt wieder in der Hauptstadt und laufen durch die Panke-Wiesen am Fluss entlang bis zum Pöllnitzweg. Hier geht es kurz nach rechts und auf der anderen Straßenseite nach links in den alten Schlosspark Buch hinein.

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Der Gedenkstein am Wegesrand mit dem eindrucksvollen Relief eines Todesengels, der eine lächelnde Sterbende in sein Gewand einhüllt, erinnert an die ungewöhnliche wie tragische Liebesgeschichte der Julie Elisabeth Amalia von Voß (1766–1789). Sie war eine stille, pflichtbewusste Hofdame der Königin Friederike Luise und wurde zur besonderen Liebe des preußischen Königs Friedrich Wilhelms II. 1787 schloss der König mit ihr eine morganatische Ehe.

Julie Elisabeth Amalia von Voß war also seine zweite Ehefrau, rechtlich anerkannt, allerdings ohne jeglichen dynastischen Anspruch. Julie erhielt den Titel „Gräfin von Ingenheim“, blieb jedoch gesellschaftlich im Schatten. Kurz nach der Eheschließung erkrankte sie an Tuberkulose und starb 1789 im Alter von nur 22 Jahren.

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Der Gedenkstein für Julie Elisabeth Amalia von Voß. Sie war die zweite Ehefrau des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II., verstarb sehr jung und fand hier im Schlosspark Buch ihre letzte Ruhestätte.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Im Schlosspark Buch, durch den wir die letzten Meter auf der heutigen Jakobsweg-Etappe wandern, lässt es sich gut laufen. Das historisch geprägte Landschaftsidyll am nördlichen Stadtrand entstand aus dem barocken Gutsareal um das einstige Schloss, dessen Reste heute nur noch in Spuren erkennbar sind; die grundlegende Gestaltung wurde im 19. Jahrhundert zum romantischen Landschaftspark weiterentwickelt. Charakteristisch sind alte Baumriesen, geschwungene Wege und Wasserarme der Panke, die den Park durchziehen, sowie kleine Brücken und Feuchtbiotope. In der Nachbarschaft steht die Schlosskirche Buch, die an die adelige Gutsgeschichte erinnert. Der Park ist Lebensraum für zahlreiche Vogelarten und Fledermäuse. Wer Glück hat, kann das eine oder andere Reh beim Äsen beobachten.

Wir wandern auf dem breiten Hauptweg durch diese wunderschöne Kulturlandschaft und kommen am Parkende zur Wiltbergstraße. Auf der anderen Straßenseite befindet sich der S-Bahnhof Buch. Von hier aus bringt uns die Bahn zurück in die Innenstadt.

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Alte Buchen, ein ruhig, behutsam fließender Fluss: Im historischen Schlosspark Buch lässt es sich gut wandern und die Natur genießen.

Bild: © FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer