Keine neuen Büros, bis nicht alle leer stehenden vermietet sind. Das fordert der Spitzenkandidat der Grünen, Werner Graf, in Reaktion auf einen Bericht der Berliner Morgenpost vom Freitag. Demnach gehen den Eigentümern und dem Markt monatlich 50 Millionen Euro durch Büro-Leerstand verloren.

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Aus dieser Zahl liest Graf „einen massiven Missstand in unserer Stadt“. Es mangele an bezahlbarem Wohnraum. Gleichzeitig stünden Büroflächen leer und immer neue Bürotürme würden geplant. Diese „doppelte Fehlentwicklung“ müsse gestoppt werden. „Der Senat muss deshalb alle Bauvorhaben für Bürotürme in Berlin stoppen“, forderte Graf.

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Die Zahl von 50 Millionen Euro hat die Buchungsplattform Anny errechnet. Auf Basis der Leerstandsdaten und der Berliner Durchschnitts-Büromiete wurde ermittelt, was den Eigentümern und dem Markt durch unvermietete Flächen monatlich entgeht. Ergebnis: 600 Millionen Euro pro Jahr, 50 Millionen Euro pro Monat. Allein innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings rund um Mitte stünden 1,1 Millionen Quadratmeter Bürofläche leer.

News zur Berlin-Wahl 2026

Grünen-Kandidat über leer stehende Büros: „Das System ist fast schon pervers“

Die Dunkelziffer ungenutzter Flächen sei wahrscheinlich sogar noch größer, erklärte Lucian Holtwiesche, ein Mitgründer von Anny, gegenüber der Berliner Morgenpost. Büroflächen, die zwar vermietet, aber faktisch nur teilweise genutzt würden, seien in der Rechnung nicht berücksichtigt. In Berlin, wo viele Firmen auf Homeoffice und hybride Arbeit setzen, dürfte die Menge tatsächlich ungenutzter Räume also deutlich höher liegen, als die Statistik vermuten lässt. 

Nach Informationen der Grünen stünden fast zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche in Berlin ungenutzt leer, sagte Graf unserer Redaktion. Oftmals dienten sie der Spekulation. „Das System ist schon fast pervers, wenn Menschen mit der Spekulation um leer stehenden Büroraum Geld verdienen, während die Berliner keinen bezahlbaren Wohnraum finden“, sagt der grüne Spitzenkandidat. „Kein Mensch“ brauche neue Bürotürme am Alexanderplatz und Gleisdreieckpark.

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Am Gleisdreieck sollen im Projekt Urbane Mitte sieben Hochhäuser entstehen. Auch wenn höchst umstritten, galt lange als ausgemacht, dass in diesen Hochhäusern ausschließlich Büros entstehen sollen. Im Januar hatte die Berliner Morgenpost allerdings exklusiv berichtet, dass nach jahrelangen Debatten nun doch eine Lösung gefunden werden konnte. Ein Großteil der geplanten Büros soll in Wohnungen umgewandelt werden. Zu 30 Prozent soll dort getreu dem Berliner Modell auch bezahlbarer Wohnraum entstehen. Auch rund um den Alexanderplatz entstehen derzeit mehrere Hochhäuser mit Büros und Wohnungen. Für den ins Stocken geratenen Bau eines Wohn-Hochhauses wird ein neuer Investor gesucht, für den 146 Meter hohen Turm „The Berlinian“ wurde im Januar Richtfest gefeiert.

Hintergründe zur Berlin-Wahl 2026

Bereits Anfang Januar hatten die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus per Antrag einen Planungsstopp für weitere Bürokomplexe gefordert. Bevor Planungen weiterlaufen, brauche es eine belastbare Analyse des tatsächlichen Bedarfs, sagen sie. Neben seiner Forderung nach einem Baustopp erneuerte Spitzenkandidat Graf gegenüber unserer Redaktion auch den Appell an CDU und SPD, eine Umwandlungsoffensive von Büro- zu Wohnraum zu starten. Im Wahlprogramm versprechen die Grünen, diese Umwandlung durch ein Förderprogramm anzukurbeln. Sie versprechen, in einer neuen Regierung einen Baustopp für neue Büros zu verhängen und kein Baurecht für neue Bürogebäude zu erteilen.