Eine Stunde vor dem Showdown am Sonntagabend ist der Görlitzer Park fast leer. Am Eingang Falckensteinstraße lehnt ein rauchender Polizist an einer Wanne. Drinnen drücken sich ein paar Jungs ins Dunkel. Aber es sind weniger als sonst. Ein Obdachloser sammelt Flaschen. Am früheren Pamukkale-Hügel gegenüber des Depots haben sich knapp 300 Menschen zur Demonstration versammelt. Das Motto: „Kai Wegner lügt euch an“. Auch der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak ist aus Neukölln gekommen. Stein des Anstoßes: Die nächtliche Schließung des Drogen-Hotspots nach jahrelangen Diskussionen.

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Trotz der Ankündigungen eines „Katz und Maus“-Spiels ist der erwartete Widerstand allerdings ausgeblieben. Um kurz nach 22 Uhr wurde die Demo für beendet erklärt und die Teilnehmer aufgefordert, den Park zu verlassen. Die Polizei setzte Lichtmasten ein. Kurz zuvor hatte die Menge noch lautstark skandiert: „Der Görli bleibt auf!“.
Görlitzer Park: Mehr Widerstand im Sommer befürchtet
Um 24 Uhr war die Grünanlage dann aber komplett leer. Was auch am kühlen Wetter gelegen haben mochte. Im Sommer wird das in lauen Nächten anders sein, fürchtete jedenfalls der SPD-Innenexperte Martin Matz, der sich vor dem nächsten Innenausschuss ein Bild verschaffen wollte: „Ich verstehe nicht, warum man im Sommer schon um 23 Uhr schließen muss.“
Die Polizei war seit dem frühen Sonntagabend mit 200 Polizisten vor Ort und geleitete die letzten Verbliebenen hinaus. Eine Aufgabe, die eigentlich dem eingesetzten Wachschutz obliegt. Wie ein Sprecher der Berliner Morgenpost bestätigte, kam es zu einer Festnahme, nachdem eine Einsatzkraft tätlich angegriffen worden war.
Polizei Berlin: Verbleiben im Park ist eine Ordnungswidrigkeit
Der Polizeisprecher erinnerte daran, dass das Verbleiben im Park nach 22 Uhr von nun an eine Ordnungswidrigkeit darstellt und mit bis zu 5000 Euro Strafe belangt werden kann. Es sei wahrscheinlich, so hieß es am Abend aus Kreisen der anwesenden Beamten, dass der Zaun in den kommenden Tagen regelmäßig beschädigt werde. Ähnliche Andeutungen wurden auch in den Redebeiträgen der Demonstration gemacht. Mindestens eine Rakete wurde abgefeuert.
Görli-Protest: Demonstranten bezeichnen Kai Wegner als „Lumpensohn“
Kai aus Kladow habe keine Ahnung von Kreuzberg, so lautete der Tenor des Abends. Und: „Scheiß Senat“. Immer wieder war von „Bullenschweinen“ die Rede, der Ruf „Ganz Berlin hasst die Polizei!“ erschallte. Die anstehende Schließung der Tore sorgte aber trotz des rauen Tons zunächst nicht für Aggression. Redebeiträge verurteilten die Entscheidung, den Park zu schließen. Redner kündigten an, sich in Zukunft gegen den Zaun zur Wehr zu setzen.
Kurzzeitig kam es zu einem Polizeieinsatz, als ein Redner den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) als „Lumpensohn“ bezeichnete. Die anwesende Menge skandierte die Bezeichnung, die Polizei prüft nun, ob es sich um einen strafbaren Ausspruch handelt.
Protest gegen den Zaun im Görlitzer Park. #morgenpost pic.twitter.com/DJ725dmeED
— Dennis Meischen (@DennisMeischen) March 1, 2026
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Görli-Schließung soll Kriminalität eindämmen: Alle 16 Eingänge ab heute nacht versperrt
Der Görlitzer Park in Kreuzberg soll wegen des Drogenhandels und weiterer Kriminalität geschlossen werden - zweieinhalb Jahre nach der Ankündigung. Mehrere linke Initiativen, die die Schließung ablehnen, hatten zum Protest aufgerufen. Die Initiativen argumentieren, der Drogenhandel werde noch mehr als bisher in die umliegenden Wohngegenden mit Hauseingängen und Hinterhöfen verdrängt. Die 16 Eingänge des lang gezogenen Görlitzer Parks werden von nun an ab 22.00 Uhr mit neu gebauten Toren verschlossen. Das Verlassen des Parks ist weiterhin über Drehtüren möglich.

Die neuen Öffnungs- und Schließzeiten hängen an allen Eingängen aus. Zuständig für das Schließen der Tore am Abend ist ein privater Wachdienst. Er soll auch nachts im Park unterwegs sein und Menschen zum Verlassen auffordern. Bei Bedarf werde er das Ordnungsamt oder die Polizei informieren.
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Die Polizei, die die nächtliche Schließung vorgeschlagen hatte, verspricht sich eine leichtere Strafverfolgung, wenn der große Park nachts nicht als Versteck für Dealer und andere Kriminelle dienen könne. Eine wissenschaftliche Evaluation soll die Wirksamkeit der Maßnahmen untersuchen, Ergebnisse sollten bis Ende des Jahres vorliegen.






