Der Streik bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) geht in die nächste Runde. An diesem Freitag und am Samstag stehen erneut U-Bahnen, Trams und die meisten Busse still. Die Gewerkschaft Verdi hat zum Arbeitskampf aufgerufen, weil es ihrer Meinung nach in den aktuellen Tarifverhandlungen kein Vorankommen gibt. Der BVG wirft sie eine „Blockadehaltung“ vor, das Verkehrsunternehmen wiederum kritisiert Verdis Forderungen als nicht finanzierbar. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zum aktuellen Tarifkonflikt und den Folgen für Fahrgäste.

Wie lange dauert der Streik genau?

Die Gewerkschaft hat zum Arbeitskampf für den gesamten Freitag und Samstag aufgerufen. Das heißt: Der Streik beginnt mit der Frühschicht am Freitag und endet mit dem Ende der Nachtschicht Sonntagfrüh um circa 3 Uhr.

Warum wird gleich zwei Tage gestreikt?

Anfang des Monats standen bei der BVG die Busse und Bahnen für einen Tag still, jetzt wird es doppelt so lang sein. Die BVG spricht dabei von einer „völlig unverhältnismäßigen Eskalation“. Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt sagte der Berliner Morgenpost dagegen: „Wir haben die Hälfte der vereinbarten Verhandlungstermine erreicht und nichts liegt auf dem Tisch.“ Deshalb sei – auch nach einer Rückkopplung in der Belegschaft – die Entscheidung getroffen worden, dass der Druck erhöht werden muss. Als zweiten Streiktag habe Verdi aber bewusst den Sonnabend gewählt, „damit der Arbeitskampf die Masse an Fahrgästen, die in der Woche arbeitet, nicht noch mal trifft“.

Was fordert Verdi und was sagt die BVG dazu?

Die Gewerkschaft will unter anderem erreichen, dass es 33 Tage Urlaub, 500 Euro mehr Urlaubsgeld, Wendezeiten von mindestens sechs Minuten und mindestens elf Stunden Ruhezeit zwischen Diensten gibt. Die BVG hält dem entgegen, dass die Forderungen in Summe nicht finanzierbar seien, und verweist darauf, dass die Arbeitsbedingungen schon jetzt attraktiv seien, auch im Vergleich mit anderen Verkehrsunternehmen bundesweit.

Wieso gibt es keinen Notfahrplan?

Fahrgastvertreter, wie der Verband Igeb, fordern seit Langem immer wieder, dass Notfahrpläne zumindest eine Mindestversorgung während der Streiks gewährleisten. Absehbar sind diese aber nicht. „Spezielle Streikfahrpläne sind in kurzfristigen Warnstreiks zum aktuellen Zeitpunkt nicht vorgesehen“, teilt eine BVG-Sprecherin mit, denn: „Der organisatorische und planerische Aufwand ist bei den kurzen Vorlauffristen nicht realistisch leistbar.“ Die Subunternehmen, die nicht bestreikt werden und deshalb auf einzelnen Linien noch im Einsatz sind, kurzfristig auf andere Linien umzudisponieren, sei „vertragsrechtlich nicht möglich“. 

Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt betont, dass es mit der BVG bereits eine Notdienstvereinbarung gebe, um Anlagen in Werkstätten aufrechtzuerhalten, damit dort kein Schaden entstehe. Darüber hinaus sagt er: „Der Arbeitgeber hat die Verantwortung, dass es nicht zu Arbeitskampfmaßnahmen kommt.“ Den Bedarf dafür, eine weitere Vereinbarung abzuschließen, um beispielsweise einzelne Busse fahren zu lassen, sehe man deshalb nicht.

Wie kommt es, dass manche Buslinien trotz Streik fahren?

Linien und Angebote, die im Auftrag der BVG von anderen Unternehmen gefahren werden, sind vom Streik nicht betroffen. Das gilt für folgende Buslinien: 106, 112, 114, 118, 124, 133, 175, 184, 204, 234, 275, 316, 318, 326, 161, 363, N12, N23, N35, N39, N53, N61, N69, N84, N91, N95, N97. Auch die Fähren der BVG fahren trotz des Streiks. Aktuell sind die Fährlinien F11 und F12 im Betrieb.

Verdi-Warnstreiks - Berlin
Das erste Mal hat die Gewerkschaft Verdi in den aktuellen Tarifverhandlungen Anfang Februar gestreikt.© Sebastian Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow

Welchen Zusammenhang gibt es zu den bundesweiten Streiks?

Aktuell wird parallel in insgesamt 150 öffentlichen Verkehrsunternehmen und Busbetrieben mit zusammen rund 100.000 Beschäftigten über neue Tarifverträge verhandelt. Der Vorwurf der BVG lautet deshalb: Verdi eskaliert in der Hauptstadt, „um einer bundesweiten Verdi-Dramaturgie zu folgen, ohne die Berliner Realität anzuerkennen“. Verdi-Vertreter Canyurt sagt dazu: „Das stimmt so nicht.“ Alle Tarifkommissionen seien eigenständig in Verhandlungen und würden so auch selbst entscheiden, ob und wann gestreikt wird.  

Wie fährt die Berliner S-Bahn?

Bei der S-Bahn gibt es gute und schlechte Nachrichten. Positiv ist: Auf manchen Strecken soll es zusätzliche Fahrten geben. „Am Freitag werden zusätzliche Fahrten auf der Linie S5 im Zeitraum von circa 9 bis 14 Uhr im Abschnitt Mahlsdorf – Ostbahnhof stattfinden“, so das Unternehmen. Am Samstag verlängert die S-Bahn die Fahrten der S26 über Potsdamer Platz hinaus bis Gesundbrunnen. Und: „Auf den Linien S1, S2, S3, S46 und S8 wird die S-Bahn am Wochenende längere Züge für mehr Kapazität einsetzen.“

Mit dem Streik treffen aber auch länger geplante Bauarbeiten zusammen. In der Folge fahren von Freitagabend (22 Uhr) bis Montagmorgen um 1.30 Uhr keine S-Bahnen auf den Ringbahn-Linien zwischen Neukölln und Ostkreuz. Ein Ersatzverkehr mit Bussen wird eingerichtet. Auch die Linien S8, S9 und S85 fahren in demselben Zeitraum zwischen den Bahnhöfen Schöneweide und Ostkreuz nicht. Hinzukommt, dass die Stadtbahn am Samstag ab 16 Uhr nur eingleisig befahrbar ist. „Dadurch kann die S-Bahn zwischen Friedrichstraße und Zoologischer Garten mit der S7 nur einen 20-Minuten-Takt anbieten“, heißt es. Als Alternative bleiben dort die Regionalzüge oder ein zusätzlicher barrierefreier Busverkehr (Bus S7).

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Wie geht es in den Tarifverhandlungen weiter?

Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 4. und 5. März angesetzt – wobei die BVG nach der Streik-Bekanntgabe angekündigt hat, wie mit den Terminen umgegangen wird. Klar ist, dass das Verkehrsunternehmen weiterhin darauf drängt, dass Verdi priorisiert, welche Forderungen der Gewerkschaft am wichtigsten sind. Verdi verlangt, dass die BVG endlich ein Angebot vorlegen soll, das mit konkreten Inhalten hinterlegt ist. Dass in der kommenden Woche eine Einigung erzielt wird, erscheint nach aktuellem Stand unwahrscheinlich.