- BVG-Streik lähmt heute und morgen ganz Berlin
- Der Ausstand trifft manche Kieze doppelt hart
- In welchen Bezirken nur noch das Fahrrad hilft, erfahren Sie hier
Die Streiks bei der BVG gehen in die nächste Runde: Am Freitag (27. Februar) und Samstag (28. Februar) wird der ÖPNV in Berlin wieder zu einem großen Teil stillstehen. S-Bahnen sind zwar unterwegs – Straßenbahnen und U-Bahnen sowie die meisten Busse werden aber an beiden Tagen bestreikt. Einige Bezirke und Kieze trifft das besonders hart. Der Überblick.
Auch interessant
BVG-Streik 2026: Spandau – Kladow und Gatow werden isoliert
Der Streik trifft Fahrgäste in Spandau vor allem in vier Bereichen:
- In der Altstadt wird der wichtige Knotenpunkt U-Bahnhof Rathaus Spandau lahmgelegt. Die U7 und zahlreiche Buslinien fallen aus.
- Die dicht besiedelten Gebiete der Wilhelmstadt und des Havelufers verlieren mit dem M49 und X34 ihre Hauptverbindungen zur Altstadt.
- In Staaken entfällt der Busverkehr nahezu komplett, insbesondere der M37 an der Falkenseer Chaussee und Heerstraße Nord.
- Die ohnehin peripher gelegenen Ortsteile Kladow und Gatow werden durch den Ausfall der Linien 134 und X34 regelrecht isoliert.
Einzig die von einem BVG-Subunternehmen betriebene Buslinie 133 zwischen Alt-Heiligensee und U-Bahnhof Haselhorst dürfte in Betrieb bleiben. Spandauer können außerdem auf die nicht bestreikten S-Bahnlinien S3 und S9 sowie die Regionalzüge RE4 und RB14 ausweichen.

Reinickendorf weicht schon lange auf die S-Bahn aus
Reinickendorf ist Kummer mit der BVG gewohnt und hat sich darauf eingestellt: Seit Ende 2022 gibt es ohnehin starke Einschränkungen bei der U-Bahn. Die nördliche U6 wird saniert und trotz Schienenersatzverkehr weichen viele Fahrgäste, für die es sich anbietet, auf die S25 nach Hennigsdorf aus, die in der Nähe der U-Bahnlinien U6 und U8 verläuft.
Insofern: Kaum Neues für Reinickendorf. Nur das Märkische Viertel ist während des Streiks noch ein bisschen abgeschiedener als sonst. Normalerweise fahren vom S- und U-Bahnhof Wittenau Busse in die Großsiedlung. Sie fallen am Freitag und Samstag aus. Aber zu Fuß ist das Zentrum des Märkischen Viertels auch in einer guten Viertelstunde vom S-Bahnhof aus zu erreichen.
BVG-Streik in Pankow: Probleme für alle, die mehr als die S-Bahn brauchen
In Pankow werden die Wege zur Herausforderung für alle, die auf mehr als die S- und Regionalbahnen angewiesen sind. Denn nur auf der Kiez-Linie 358 wird trotz Streiks wohl ein Bus verkehren. Sie fährt Schleifen von und zum S-Bahnhof Blankenburg. Ansonsten führt der Weg im ÖPNV nur über die S- und Regionalbahnen. Das sind die S2 ab Blankenburg bzw. Buch in Richtung Süden und die S8, die über den S-Bahnhof Blankenburg nördlich nach Birkenwerder und südlich über die Bornholmer Straße und die Frankfurter Allee fährt.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Außerdem die in Prenzlauer Berg verkehrende Ringbahn und die Regionalbahn RB27, die auf ihrem Weg zwischen Gesundbrunnen und Groß Schönebeck in Karow haltmacht. Wer am Ostrand des Bezirks wohnt, kann zudem weiterhin die S1 und S85 ab Wilhelmsruh und die S25 ab Schönholz nutzen.
Marzahn-Hellersdorf: Vom Norden in den Süden wird es umständlich
Vom Ostkreuz aus rollt die S7 über den Springpfuhl und Marzahn nach Ahrensfelde und die S5 über Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf Richtung Strausberg. Dazwischen bleiben die Hellersdorfer am Freitag und Samstag auf der Strecke – denn sie sind auf die U5 und die Tram-Linien angewiesen. Auch die Biesdorfer, Kaulsdorfer und Mahlsdorfer, die zwischen den S-Bahnlinien S5 und der S3 wohnen, müssen an Streiktagen auf Taxen, Autos, Räder und Scooter umsteigen, wenn die S-Bahnhöfe zu weit weg sind.

S7 und S5 werden in Friedrichsfelde Ost zusammengeführt. Das bedeutet: Wer an den Streiktagen vom Norden des Bezirks in den Süden will, und umgekehrt, muss bis Friedrichsfelde Ost fahren und dann in die jeweils andere S-Bahnlinie umsteigen.
Immerhin nachts fahren wohl einige Busse in Marzahn-Hellersdorf. Sie werden von Partnerunternehmen der BVG betrieben, die nicht vom Streik betroffen sind: Der N91 vom S-Bahnhof Wuhletal bis zur Boschpoler Straße, der N95 vom S-Bahnhof Mahlsdorf bis zur Riesaer Straße und der N97 von der Prendener Straße im benachbarten Hohenschönhausen bis zum Barnimplatz in Marzahn-Nord.
Charlottenburg-Wilmersdorf: Probleme vor allem im Norden
Die innenstadtnahen Bereiche in Charlottenburg-Wilmersdorf sind mit der S-Bahn auch an Streiktagen der BVG weiterhin gut angebunden. Schlecht erreichbar ist vor allem das nördliche Charlottenburg. Weil die U-Bahn-Linie 7 und die Buslinie 109 nicht fahren, bleibt für Fahrgäste in den Norden fast nur der S-Bahnhof Jungfernheide als Alternative.
Je nach Ziel müssen BVG-Kunden aber mitunter längere Wege zu Fuß zurücklegen. Die Gegend rund um das Schloss Charlottenburg und den Kiez am Klausenerplatz ist auch über den S-Bahnhof Westkreuz erreichbar. Allerdings können auch hier längere Wege zu Fuß oder mit anderen Verkehrsmitteln nötig sein.
Besonders betroffen ist unter anderem der Güntzelkiez im Ortsteil Wilmersdorf. Hier macht sich der Ausfall der U-Bahn-Linien 3, 7 und 9 stark bemerkbar. Alternativen sind die S-Bahnhöfe Zoologischer Garten und Bundesplatz.
Tempelhof-Schöneberg – hier fahren einige Buslinien trotz Streiks
Für Tempelhof-Schöneberg wird an den Streiktagen das Südkreuz, wo sich S-Bahnring (Ost-West) und die Linie S2 (Nord-Süd) treffen, zum Lebenskreuz. Grundsätzlich lassen sich im Bezirk zumindest grob die meisten Strecken alternativ zur U-Bahn mit der S-Bahn zurücklegen – mit erheblichen zusätzlichen Fußwegen. Der Bezirk hat allerdings auch vergleichsweise viele Busse, die trotz Streik verkehren, weil sie von anderen Unternehmen im Auftrag der BVG bedient werden.

Mitte: Im Wedding wird es kompliziert
Der Bezirk Mitte ist dank Stadtbahn und Nord-Süd-Bahn auch an Streiktagen der BVG nicht abgehängt. Auf der Ost-West-Achse verkehren weiterhin die Linien, S3, S5, S7 und S9 sowie Regionalzüge. Auf der Nord-Süd-Verbindung beispielsweise zwischen Potsdamer Platz und Gesundbrunnen können Fahrgäste die Linien S1, S2 oder S25 benutzen.
Außerhalb der Ringbahnstrecke könnte es aber für Menschen aus dem Mitte-Stadtteil Wedding kompliziert werden. Im nördlichen Teil verkehren normalerweise nur Busse und die U-Bahn der Linien U6 und U8. Darauf müssen ÖPNV-Nutzer und -Nutzerinnen an den Streiktagen verzichten. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad müssen auch die Menschen in Moabit unterwegs sein. Dort müssen die Menschen ohne die Busse sowie die Tram-Linie M10 auskommen. Am besten lässt sich der Stadtteil noch über die S-Bahnhöfe Wedding im Norden und Bellevue im Süden erreichen.
Steglitz-Zehlendorf: Schwierig wird es für Studenten
Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf hat den Vorteil, dass er von zwei S-Bahn-Linien in Nord-Süd-Richtung durchfahren wird. Wer also an der S1 oder der S25/26 wohnt, hat Glück. Schwieriger wird es für die Anwohner rund um die U3 nach Krumme Lanke. Dahlem-Dorf und die Domäne Dahlem sind ohne Auto oder einen langen Spaziergang nicht zu erreichen. Studenten werden wohl von der S-Bahn am Rathaus Steglitz oder von der Station am Botanischen Garten zur Freien Universität laufen müssen. Oder das Fahrrad dabeihaben.
Abgehängt von einem eingeschränkten oder fast nicht mehr vorhandenen Busverkehr sind natürlich alle Ausflugsziele, die weit draußen im Grünen liegen, wie Düppel und Wannsee rechts und links der Königstraße. Ungemütlich wird es auch für die Anrainer der Goerzallee, die auf Busse angewiesen sind. Wer in dem Gewerbegebiet arbeitet, wird wohl das Auto oder das Fahrrad umsteigen müssen.
Lichtenberg: Besonders hart wird es im Norden des Bezirks
Besonders hart trifft es auch die Fahrgäste in Lichtenberg – vor allem im Norden des Bezirks. Denn dort verkehren hauptsächlich Straßenbahnen, die auch vom Streik betroffen sind. Zwar können Fahrgäste als Alternative auf die S75 und die Regionalbahnen umsteigen, die Wartenberg bzw. Hohenschönhausen mit dem S-Bahnhof Warschauer Straße verbinden.
Doch gerade für viele Menschen dazwischen, etwa aus Alt-Hohenschönhausen, dürfte das nur wenig Trost sein. Wer auf die Straßenbahnlinien entlang der Landsberger Allee, Herzbergstraße oder Konrad-Wolf-Straße angewiesen ist, hat schlechte Karten, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Innenstadt zu kommen. Hier sollten sich Fahrgäste um eine Alternative abseits der BVG bemühen.
Friedrichshain-Kreuzberg: Die gute Radweg-Ausstattung nutzen
Ganz Kreuzberg ist umzingelt von S-Bahngleisen. Das bedeutet, dass man gut heran kommt, etwa in Kreuzberg zur Yorckstraße mit der S1 oder zur Warschauer Straße, wo S3, S5, S7, S75, S9 stoppen. Innerhalb Friedrichshain-Kreuzbergs dagegen muss man dann viel Wegstrecke zu Fuß zurücklegen. Denn jene Linien der BVG, die trotz Streiks dennoch fahren, wenn auch mitunter in verminderter Taktung, erreichen nicht den Bezirk. Alternativ muss man am Montag also etwa an den Jelbi-Stationen Leihangebote wählen oder die gute Radweg-Ausstattung nutzen.

Neukölln: Für den Süden wird es umständlich
Während der S-Bahn-Ring den nördlichen Teil Neuköllns mit dem Rest der Innenstadt verbindet, wird der Süden durch den BVG-Streik kaum bis gar nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angefahren. Vor allem im südlichen Teil des Bezirks sind ausschließlich Busse und U-Bahnen unterwegs – wovon erstere zwar am Montag teilweise noch fahren, die Verbindung beispielsweise in die Innenstadt ohne die U-Bahnen jedoch erheblich erschwert ist.
Treptow-Köpenick: Müggelheim abgeschnitten vom Rest Berlins
Der komplett von Wald und Wasser umgebene Ortsteil Müggelheim in Treptow-Köpenick ist vom BVG-Streik besonders betroffen. Vom Dorfanger im Zentrum fahren an normalen Tagen die Buslinien 169 und 369. Beide werden an den Streiktagen nicht bedient. Die nächstgelegenen S-Bahnhöfe Rahnsdorf, Wilhelmshagen, Erkner und Eichwalde sind nur mit riesigen Umwegen per Fahrrad oder Auto zu erreichen.





