echte Berliner (sind hier geboren) und waschechte Berliner (auch deren Eltern – und idealerweise die Großeltern – sind hier geboren) sind nach meiner jahrzehntelangen Erfahrung tolerante Menschen. Wie könnte es auch anders sein, wenn man in einer so bunten Stadt lebt wie Berlin? Viele Prominente schätzen Berlin, weil sie hier über die Straße laufen können, ohne einen Auflauf zu verursachen, denn der Berlinerin und dem Berliner ist höchstens ein Schmunzeln und ein „Ach kiek ma, der is ooch hier? Naja, der weeß ooch, wo‘s schön is“ zu entlocken. Das gilt übrigens auch für die teils verrückten Outfits, in denen sich manche Menschen hierzulande auf die Straße wagen. Und wer sich als Zugereister über die angebliche Unfreundlichkeit der Berliner beschwert, der hat nur noch nicht das Herz hinter der Schnauze erkannt.

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Aber es gibt gewisse Punkte, da endet meine Toleranz, da lasse zumindest ich als Berliner nicht mit mir reden. Karneval zum Beispiel. Gibt es hier nicht. Punkt. Klar, als Schüler haben wir noch Fasching mit der Schulklasse gefeiert. Fasching, nicht Karneval. Ohne Umzug, ohne Bützchen, ohne Dreigestirn, ohne Kölsch. Sehr zum Leidwesen meiner Frau, die aus dem Rheinland stammt. Und Berliner gibt es hier nur als Menschen. Ausrufezeichen. Nicht als Süßigkeit. Dennoch sehe ich inzwischen immer häufiger Schilder vor Bäckereien, die zu Silvester oder zum Fasching „Berliner“ anpreisen. Das ist dann wie das Rezept für Jägerschnitzel: Man nehme zwei Jäger, gut abgehangen...
Nein, wir Berliner sprechen natürlich von Pfannkuchen. Keine Bollen, keine Ballen, keine Krapfen, keine ick weeß nich wat. Also Hefegebäck, das in Fett ausgebacken wird und eine Füllung aus Marmelade hat – oder Senf. Ich hatte als Kind, als ich noch Süßes mochte, häufiger eine „Niete“ gezogen. Kein Senf, aber auch gar keine Füllung. Sehr enttäuschend.
Pfannkuchen sind nach wie vor beliebt. Und es gibt Bäckereien, die sie handwerklich herstellen und anbieten, nicht der Industriekram, sondern noch wirklich selbst gemacht. Zu Tausenden, die dann weggehen wie warme Schrippen (für Zugereiste: Semmeln oder Brötchen). Dazu mit teils wirklich kreativen Füllungen (kein Ketchup). Franz Michael Rohm hat sich auf die süße Suche begeben und stellt Ihnen hier eine Auswahl vor. Und ansonsten halte ich es mit John F. Kennedy, der zweimal (!) in seiner berühmten Rede sagte: „Ich bin ein Berliner“. Einen Pfannkuchen meinte er damit bestimmt nicht.
Liebe, Lust und Leidenschaft

Vergangene Woche hatte ich Ihnen den Artikel von Manuela Blisse über Restaurants mit romantischen Angeboten zum Valentinstag ans Herz gelegt. Diese Woche gehen wir noch einen Schritt weiter. Die Kollegin hat nämlich auch noch bei Gastronomen angefragt, was sie empfehlen, um eine aphrodisierende, also eine luststeigernde Wirkung zu erzielen.
Es gibt natürlich Klassiker, Austern zum Beispiel, die ich leider nicht vertrage. Einer meiner Kollegen dafür umso mehr. Ich erinnere mich an einen legendären Abend, an dem es Austern satt gab und er über mehrere Stunden hinweg zwei Dutzend davon verputzte. Bis heute quittiert er das mit einem wissenden Lächeln, wenn ich ihn darauf anspreche. Über die Folgen dieser massiven Eiweißzufuhr schweigt er sich diskreterweise aus.
Austern sind also mit das Erste, an das man bei Aphrodisiakum denkt. Aber es gibt auch andere Zutaten, die eine luststeigernde Wirkung haben sollen: Safran beispielsweise, ebenso wie Granatapfelkerne oder Chili. Wobei ich bei letzterem immer an den alten Spruch „Die Dosis macht das Gift“ denken muss.

Die Kollegin hat sich jedenfalls umgehört und sich Rezepte geben lassen, die den romantischen Abend heute vielleicht in etwas anderes verwandeln. Wer weiß, denn wissenschaftlich belegen lässt sich die Wirkung natürlich nicht. In jedem Fall wünsche ich Ihnen viel Spaß bei der Zubereitung, lehne aber jede Verantwortung für Erfolg oder Misserfolg ab. 😉
Spaniens Sonne auf dem Teller

Als ich diese Woche auf dem Weg zum Probetermin für das nächste Morgenpost-Menü war (mehr dazu im nächsten Newsletter – es wird wieder mal eine Premiere), da überraschte mich doch tatsächlich die Sonne. Gefühlt hatte ich die seit Wochen oder Monaten nicht gesehen. Ich blinzelte in das ungewohnt helle Licht und spürte, wie die Lebensgeister sich regten. Ein Hauch von Frühling war da plötzlich zu spüren. Vögel zwitscherten und ich ertappte mich dabei, dass ich auf den Mittelstreifen der Straßen nach Krokussen Ausschau hielt. Soweit ich weiß, blühen die da gerne als Erstes, zumindest wenn die U-Bahn mit ihren warmen Schächten darunter verläuft. Das Phänomen kann man beispielsweise auf der Bundesallee in Wilmersdorf erleben.
Sonne, die Sehnsucht nach ihr ist zurzeit groß. Es wird Zeit, dass Berlin seine Farben zurückgewinnt, dass aus dem täglichen Schwarz-Weiß-Film wieder einer in Technicolor wird. Tonfilm muss nicht unbedingt sein, die Stadt ist eh schon teils viel zu laut.
Wessen Sehnsucht jetzt übergroß wird, der kann das Wagnis auf sich nehmen und versuchen, vom BER in den Süden zu fliegen, vorzugsweise nach Spanien, dem beliebtesten Urlaubsland der Deutschen. Immerhin ist es „uff Malle“ gerade um die 18 Grad warm. Sollte der Winter allerdings noch einmal zuschlagen, dann könnte man das teuer bezahlen, wie Passagiere eines Ryanair-Fluges unlängst feststellen mussten, die fast 16 Stunden in ihrem Flugzeug saßen, ohne abzuheben.

Sie sind natürlich schlauer, weil Sie diesen Newsletter lesen, sodass ich Ihnen einen Tipp geben kann, wo Sie ganz einfach an spanische Sonne kommen, für deutlich weniger Geld, als für eine Woche all inclusive in Palma und Umgebung. In Berlin gibt es nämlich einige hervorragende Tapas-Bars, die spanische Delikatessen, spanische Weine, spanisches Lebensgefühl und spanische Sonne auf dem Teller servieren.
Die Kollegin Gesa Noormann hat der spanischen Lebenslust nachgespürt und ist dabei auch auf die angebliche Herkunft der Tapas gestoßen: Demnach, so schreibt sie, haben Wirte in Spanien die Weingläser ihrer Gäste mit einer Scheibe Brot oder Schinken abgedeckt, um den Wein vor Fliegen und Staub zu schützen. Mit der Zeit wurden diese Scheiben dann belegt, um den Gästen Durst zu machen. Die Geburtsstunde eines Welterfolgs.
Tapas machen einfach Spaß. Sie sind handlich, man kann sie teilen, die Auswahl ist groß, die Preise eher klein. Sie regen an, ohne vollzustopfen, und sorgen für eine lebendige Atmosphäre bei Tisch. Die Kollegin hat drei große Leuchttürme der Tapas-Szene besucht und beschreibt Ihnen, was es dort gibt. Eine „invitación“.

So lange der Winter hier noch Hof hält, werde ich mal ein paar weitere Seelenwärmer in der Küche vorbereiten. Mit meiner Pariser Zwiebelsuppe, die ich zuletzt aus der „lameng“ gemacht habe, konnte ich bei meiner Holden einen Volltreffer landen. Also müssen erst mal noch ähnliche Speisen her, bevor ich die Menükarte auf Spargel und neue Kartoffeln ändern kann. Aber Kohlgerichte und Gulasch haben ja auch etwas.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Spaß beim Nachkochen unserer Liebesgerichte (übertreiben Sie es bitte nicht mit dem Chili, das könnte einen gegenteiligen Effekt haben), beim Feiern von Fasching mit Pfannkuchen (!) oder auch bei der Flucht aus dem Berliner Grau in eine farbenfrohe Tapas-Bar für ein kleines Stück mediterranes Glück.
Bis zum nächsten Mal, ich wünsche Ihnen wie immer eine genussvolle Woche.
Herzlich, Ihr
Alexander Uhl
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