„Ja, die Bäume wurden heute Morgen gefällt, unter Polizeischutz“, sagt Schulleiterin Miriam Pech der Morgenpost. „Wir sind alle traurig und fassungslos, dass Kinder scheinbar keine Lobby haben!“ Man mache zahlreiche Bildungsprojekte für nachhaltige Entwicklung, Klimaschutz, Demokratiebildung, erklärt Pech. „Wir können das den Schülern jetzt einfach nicht erklären.“

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Nachdem das Verwaltungsgericht entschieden hat, dass Berlin auf dem Schulgelände der Heinz-Brandt-Schule in Pankow Bäume und Hecken für einen Schulerweiterungsbau roden darf, hat die zuständige Senatsverwaltung Fakten geschaffen, noch am frühen Donnerstag. Und den seit Monaten andauernden Streit zwischen Naturschützern und Berlin damit knallhart beendet. Da hilft es den Naturschützern, die die Rodung bisher erfolgreich aufgehalten hatten, auch nicht, dass gegen den Beschluss Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hätte erhoben werden können. Mit dem Urteil war die Rodung rechtskräftig – und die acht etwa 100 Jahre alten Bäume des beliebten wie preisgekrönten Schulgartens sind jetzt weg.

Ein Naturschutzverband wollte die Rodung verhindern, da die Bäume und Hecken potenzielle Fortpflanzungs- und Ruhestätten für geschützte Arten darstellen würden. In einem Nistkasten auf einer Linde befinde sich ein verlassenes Nest einer Blaumeise. Auch Amseln würden nachweislich auf dem Schulgelände leben. Zudem befinde sich an einer weiteren Linde ein Fledermauskasten mit dem nachgewiesenen Quartier einer Zwergfledermaus. Außerdem seien auf dem Schulgelände Käfer gesichtet worden.

„Wir können das den Schülern jetzt einfach nicht erklären.“

Schulleiterin Miriam Pech

Rodung in Heinz-Brandt-Schule in Weißensee zulässig: Gericht weist Antrag zurück

Das Verwaltungsgericht wies den Antrag zurück und erklärte in einer Mitteilung: „Es drohten keine Artenschutzverstöße.“ Mit Blick auf die Blaumeise gehe zwar mit der Fällung der Linde eine Fortpflanzungsstätte verloren. Jedoch habe das Land Berlin diesbezüglich vorgesorgt, indem es bereits Ende Januar 2026 insgesamt sieben Nistkästen für Höhlenbrüter auf dem Schulgelände aufgehängt habe, wovon jedenfalls vier Stück ausdrücklich auch für Blaumeisen geeignet seien.

Beliebteste Oberschulen Pankow Heinz-Brandt-Schule
Die preisgekrönte Heinz-Brandt-Schule in der Langhansstraße in Weißensee.© Thomas Schubert / BM | Thomas Schubert

Bei der Amsel befinde sich das gesichtete verlassene Nest zwar in dem Teil der Buchenhecke, der gerodet wurde. Es sei aber davon auszugehen, dass das Amselpaar in der restlichen Hecke, die erhalten bleibe, einen alternativen Standort für sein Nest finden werde. Für die Zwergfledermaus habe der Naturschutzverband nicht hinreichend glaubhaft gemacht, dass für sie Fortpflanzungs- und Ruhestätten auf dem Schulgelände vorhanden seien. Gleiches gelte für die Käferarten.

„Rücksichtslos gegenüber der Stadtnatur und kommenden Schüler-Generationen“

Die Bäume zu fällen, sei „rücksichtslos gegenüber der Stadtnatur und den kommenden Schüler*innen-Generationen, die in einem hoch versiegelten Gebiet kaum noch kühlendes Grün und Bäume oder etwa Schulhoffläche vorfinden werden“, sagt die Pankower Bundestagsabgeordnete Julia Schneider (Grüne). „CDU und SPD ließen hier 100 Jahre alte Bäume dafür bezahlen, was sie in der Vergangenheit versäumt haben: ausreichend Schulplätze zu schaffen und den Dachausbau zu finanzieren.“

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Auch Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe (DU), findet deutliche Worte. So habe sich einmal mehr die „Beton- und Asphaltpolitik in Berlin Pankow“ durchgesetzt. „Natürlich hätte es verschiedene Lösungen gegeben, um neue Schulplätze zu schaffen und gleichzeitig die Schatten spendenden Bäume zu erhalten“, kritisiert Metz. Die Umwelthilfe spricht von „Berliner Betonpolitik“

Schulgarten der Heinz-Brandt-Schule in Weißensee
Der preisgekrönte Schulgarten der Heinz-Brandt-Schule ist jetzt um acht alte Bäume ärmer. Auf der Fläche soll ein Erweiterungsbau entstehen.© Heinz-Brandt-Schule | Heinz-Brandt-Schule

Die Umwelthilfe, betont Metz, werde mit dem neuen Berliner Baum-Gesetz im Rücken alles dafür tun, dass wichtiges Stadtgrün kein weiteres Mal der „Betonpolitik“ zum Opfer falle. Im November hatte das Berliner Abgeordnetenhaus für das Klimaanpassungsgesetz gestimmt. Bis 2040 sollen demnach rund 560.000 Bäume gepflanzt werden, um das Ziel von einer Million Stadtbäumen zu erreichen.

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Pankows Schulstadtrat Jörn Pasternack (CDU) begrüßte die Gerichtsentscheidung gegenüber der Morgenpost. Sie zeige, dass vom Umwelt- und Naturschutzamt „rechtssicher klare Auflagen gesetzt wurden, die von der Senatsverwaltung sauber eingehalten wurden“. Und dass die notwendigen Ausgleichsmaßnahmen für den Artenschutz „erfüllt, sogar übererfüllt“ worden seien. Er spielt auf die Begründung des Gerichts an, die genaue technische Beschaffenheit der einzelnen Nistkästen sowie die Standorte seien schriftlich sowie durch Fotos und auf einem Lageplan dokumentiert. Das Land habe somit die Vorgabe, den Nistkasten vor der Fällung 1:1 zu ersetzen, übertroffen.

„Ich freue mich auch für die Vielzahl der Eltern, die frustriert darüber sind, dass wir nicht genügend Schulplätze in Pankow anbieten können“, so Pasternack. Der Schulplatzmangel im Bezirk könne so „etwas abgemildert“ werden.

rk / sst