Einen Monat nach der Silvesternacht hat die Berliner Polizei Bilanz gezogen. Wie nun aus der Antwort auf eine AfD-Anfrage hervorgeht, wurden beim diesjährigen Jahreswechsel deutlich weniger Straftaten erfasst als noch in den Vorjahren. Demnach registrierte die Polizei 1549 Strafdelikte. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 waren es 2909 und im Jahr davor 2952.

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Entwarnung geben möchten Experten aber nicht. Das Gewaltpotenzial zu Silvester bleibt gerade in der Hauptstadt ungewöhnlich hoch, heißt es. Insbesondere im Hinblick auf Einsatzkräfte. Laut Polizei kam es zu 100 Angriffen auf Polizeibeamte, knapp 30 von ihnen wurden verletzt, sechs Polizeifahrzeuge wurden beschädigt.

Rückgang bei allen Straftaten zu Silvester

„Die Zahlen zur Silvesternacht zeigen erneut: Gewalt gegen Einsatzkräfte ist in Berlin kein Ausreißer mehr, sondern ein strukturelles Problem, welches mittlerweile in der Silvesternacht zur traurigen ‚Tradition‘ geworden ist“, sagt Stephan Weh, Landeschef der Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP. „Wenn Dutzende Polizistinnen und Polizisten verletzt werden und Hunderte Straftaten bearbeitet werden müssen, dann ist das keine friedliche Einsatzlage, sondern ein Alarmzeichen.“

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Dennoch zieht sich der abnehmende Trend durch alle Deliktfelder. Die Polizei erfasste 2025 insgesamt 367 Gewaltdelikte (2024: 586), 479 Sachbeschädigungen (2024: 729), 339 Straftaten gegen das Sprengstoffgesetz (2024: 311) und acht Sexualdelikte (2024: 44). 429 Personen wurden in der Silvesternacht Opfer einer Straftat.

Bei weniger als der Hälfte der Straftaten können Verdächtige ermittelt werden

Gewohnt schwierig bleibt die Strafverfolgung der Täter in einer Nacht, in der Tausende Menschen Raketen und Böller anzünden und Pyrotechnik auch aus der Anonymität der Masse heraus auf Einsatzkräfte und Gebäude gefeuert wird. Zu Silvester selbst wurden 427 Verdächtige kurzzeitig festgenommen.

Die meisten Tatverdächtigen hatten die deutsche Staatsbürgerschaft

Bei 1549 Straftaten konnten im Anschluss aber lediglich 725 Tatverdächtige ermittelt werden, was einer Quote von knapp 46 Prozent entspricht. Die meisten Tatverdächtigen waren mit insgesamt 425 Erwachsene, 127 waren Heranwachsende (18 bis 21 Jahre) und 115 Jugendliche (14 bis 18 Jahre). Der Großteil war mit 91 Prozent männlich, in 40 Prozent der Fälle handelte es sich um ausländische Staatsbürger.

Es dominierte allerdings die deutsche Staatsbürgerschaft (499), gefolgt von der türkischen (57), der syrischen (37), der libanesischen (13) und der polnischen (12). In der Vergangenheit hatte es immer wieder hitzige politische Debatten um die Vornamen der zu Silvester festgenommenen Täter gegeben, befeuert von der AfD, aber auch von Teilen der CDU. Kritiker nannten diese Vorstöße rassistisch, der Senat hat es zuletzt abgelehnt, die Vornamen herauszugeben.

Über 2000 Polizeieinsätze zu Silvester 2025

Insgesamt fuhr die Berliner Polizei 2340 Einsätze in der Silvesternacht, bei der Feuerwehr waren es etwa 1830. „Unsere Kolleginnen und Kollegen arbeiten seit Jahren an der Belastungsgrenze“, kommentiert GdP-Chef Weh. „Großlagen wie diese legen offen, dass Personal, Ausstattung und Aufgabenverteilung nicht mehr zur Realität auf Berlins Straßen passen.“

Gewerkschaft: Ohne Unterstützung wäre der Einsatz nicht möglich gewesen

Ohne massive Unterstützungskräfte aus ganz Deutschland wäre die Silvesternacht so nicht handelbar gewesen, betont Weh. Die Polizei müsse sich daher endlich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren dürfen, es brauche zudem eine Digitalisierungsoffensive, um den kleiner werdenden Personalkörper aufzufangen. 3200 Berliner Polizisten zeigten beim Jahreswechsel auf den Straßen Präsenz.

Dabei begann ihr Einsatz schon in den vorangehenden Wochen. Im Vorfeld wurden bereits über 200.000 Böller durch die Sicherheitsbehörden beschlagnahmt, bei der Hälfte davon handelte es sich um illegales Feuerwerk. Zu Silvester selbst zog die Polizei 3761 Schuss Munition, 784 pyrotechnische Gegenstände und 72 Schreckschusswaffen ein.