Linke und Grüne sind in Berlin gegen die Olympiabewerbung. Umso größer ist der Coup des Olympiabeauftragten Kaweh Niroomand zu bewerten, prominente Politiker aus den beiden Oppositionsparteien für das Kuratorium gewonnen zu haben, das die Berliner Bewerbung um die Spiele 2023, 2040 oder 2044 begleiten soll.

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So hat der langjährige Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, am Donnerstag bei der konstituierenden Sitzung des 24-köpfigen Gremiums im Roten Rathaus seine Mitarbeit zugesagt. In seinem Wahlkreis Rostock, das sich ebenso wie Kiel für die Austragung der Segel-Wettbewerbe interessiert, habe die Bürgerschaft die Olympiabewerbung einstimmig unterstützt, sagte Bartsch der Morgenpost. Auf das Podium der Pressekonferenz hatte die Senatskanzlei den Polit-Promi nicht gesetzt. Auch die rot-rote Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern stehe hinter der Bewerbung.

Berliner Olympia-Bewerbung
Der Linken-Bundestagsabgeordnete Dietmar Bartsch (rechts), hier im Gespräch mit dem Olympia-Beauftragten Kaweh Niroomand, ist anders als seine Berliner Genossen für eine Berliner Olympiabewerbung. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow

„Ich bin hier, um auch die kritischen Fragen aufzunehmen“, so der Linken-Politiker. Dass seine Partei in Berlin gegen eine Bewerbung arbeitet, ficht den Linken-Dino nicht an. Es gebe einzelne, die das kritisch sehen. Das sei aber auch in Ordnung. Zum Thema Expo- und/oder Olympia schlug sich Bartsch auf die Seite der Fraktion um den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU), die eine Berliner Bewerbung um die Weltausstellung Expo 2035 mit Rücksicht auf die Chancen für Olympia ablehnt.

Linken-Landeschef Maximilian Schirmer sagte zum Engagement des Genossen, es sei gut, dass nun im Kuratorium auch über die Probleme einer Olympiabewerbung gesprochen werde. In Mecklenburg-Vorpommern sei die Situation deutlich anders als in Berlin. „Für Berlin ist die Olympiabewerbung derzeit vor allem ein intransparentes Verfahren, bei dem Millionen versenkt werden sollen, die an anderer Stelle fehlen“, sagte Schirmer der Morgenpost.

Tempelhof-Schönebergs grüner Bürgermeister Oltmann ist für eine Olympiabewerbung

Auch Tempelhof-Schönebergs grüner Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann, ein bekennender Olympia-Fan, macht im Kuratorium mit. Gleichzeitig agiert seine Parteifreundin Klara Schedlich, die sportpolitische Sprecherin im Abgeordnetenhaus, als Vertrauensperson beim Volksbegehren NOlympia. Auch hier verzichtete die Senatskanzlei darauf, diese offensichtlichen Widersprüche in den Reihen der politischen Gegner durch offizielle Aussagen während der Pressekonferenz herauszustellen.

Die Grünen seien nicht gegen Olympia, sondern hätten dazu eine kritische Haltung, sagte Oltmann der Morgenpost. Die Bundestagsfraktion habe sich jüngst einem Antrag von Union und SPD zur Unterstützung der Spiele angeschlossen. Das rechtfertigte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Andreas Audretsch, der aus Berlin kommt, mit den Worten, man unterstütze Olympische Spiele mit einem guten Konzept, die von der Bevölkerung unterstützt würden. Beides sei in Berlin nicht der Fall.

Erzbischof Koch macht im Kuratorium mit, hat aber noch Fragen

Oltmann, der als Bezirksbürgermeister auftrat, will die Defizite heilen. „Wir müssen dafür sorgen, dass die Spiele nachhaltig, dezentral, sozial und inklusiv werden“, sagte er. Mit einem guten Konzept werde man auch die vielen unentschlossenen Berlinerinnen und Berliner für Olympische und Paralympische Spiele gewinnen. Er teile zum Teil die Kritik von anderen Grünen wie Klara Schedlich. Diese Kritik gelte es nun aufzunehmen und in eine positive Erzählung zu wenden.

Im Kuratorium sitzen neben Vertretern des Sports auch Kulturleute oder Wirtschaftsmenschen wie Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer, die sich für Olympia, aber auch für eine Expo-Bewerbung stark macht. Dabei sind auch die Oberhäupter der großen christlichen Kirchen. „Wir wollen uns einbringen in die Meinungsbildung der Stadt“, sagte der katholische Erzbischof Heiner Koch der Morgenpost. Er sei grundsätzlich für eine Bewerbung, habe aber noch Fragen.

Internationale Strahlkraft der Ausrichterstadt ist für den Sportbund wichtiges Kriterium

Der Regierende Bürgermeister Wegner freute sich, dass im „Team Olympia“ auch Vertreter der Gesellschaft dabei sind. Besonders erwähnte er den Landesschülersprecher Orcun Ilter: „Wir wollen diese Spiele für die Kinder und die Jugendlichen, für die nächste Generation“, sagte Wegner. Die Stadt sei nicht zu spät dran mit ihrer Bewerbung, hielt der Regierende Bürgermeister Kritikern entgegen, die die Stadt gegenüber den innerdeutschen Rivalen München, Hamburg und Rhein-Ruhr im Rückstand sehen. Abgabetermin für die Konzepte ist Anfang Juni. Wegner berichtete von den Bewertungskriterien des Deutschen Olympischen Sportbunds für die innerdeutsche Auswahl. „Ganz wichtig ist die internationale Strahlkraft einer Bewerberstadt“, sagte er. Die werde mit 40 Prozent bewertet. „Deswegen haben wir große Chancen.“

Das Kuratorium soll auch die geplante Bürgerbeteiligung begleiten. Es wird im Februar/März 2026 Kiez-Touren und in jedem Bezirk eine dreistündige Veranstaltung geben. Es folgen drei Bürgerforen mit jeweils 50 per los ausgewählten Menschen und eigene Jugendforen mit 20 Teilnehmern. Sie sollen eine „Bürgercharta für Olympia“ mit erarbeiten, die im April vorgelegt werden soll.