Jedes Jahr finde ich es wieder kurios: Alle reden von Adventsstimmung und Besinnlichkeit – und machen sich andererseits einen Riesenstress. Verabredungen und Weihnachtsfeiern ohne Ende. Ellenlange Einkaufslisten. Familienessen und Feiertagsvorräte, die aussehen wie bei amerikanischen Preppern, die sich auf eine Belagerung vorbereiten. Weihnachten dauert dieses Jahr gefühlt fünf lange Tage, von Mittwoch bis Sonntag.

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Dazu all diese komplizierten Absprachen. Wer besucht wen an den Feiertagen? Wer kommt wann oder auch nicht? Wer sollte besser nicht zusammen mit dem und dem eingeladen werden? Oh Mann, Weihnachten!
Andererseits: Wer angesichts dieser Mühen fordert, Weihnachten endlich abzuschaffen, erntet wiederum Empörung – und wie ich finde, zurecht. Weihnachten kann man nicht einfach abschaffen. Aber ich vielleicht sollte der Advent nicht „Zeit der Besinnlichkeit“ heißen, sondern „Zeit der Widersprüche“.
Nie macht man so viele seltsame Dinge wie im Advent
Nie macht man selbst so viele seltsame Dinge wie im Advent. Man nimmt, kostümiert in absurden „Weihnachtspullovern“ oder Glitzer-Kitsch, an Betriebsweihnachtsfeiern teil. Über den Genuss kulinarischer Fragwürdigkeiten auf Berlins Weihnachtsmärkten wie Currywurst mit Glühwein hatte ich mich an anderer Stelle schon amüsiert.
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Aber dann sind da diese Momente, in denen man, zwischen tausend Terminen und völlig ungeplant, einfach kurz irgendwo steht oder sich hinsetzt und durchatmet. Man schaut sich um und begreift: Oh Gott, es ist wirklich schon Advent!
Mein persönlicher Adventsmoment war neulich eine Fahrt mit dem Bus. Es war ein Doppeldecker, Linie M29, eigentlich wollte ich nur nach Hause. Ich saß im Oberdeck . Und plötzlich tauchte ich ein in den glitzernden Baum-Himmel des Kurfürstendamms. So schön! Auch wenn andere über mich lachen: Ich fand es zauberhaft.
Die schönsten Weihnachtsmomente tragen sich oft im Alltag zu, davon bin ich überzeugt. Einfach so. Man muss sie nur wahrnehmen. Letztlich basiert ja das ganze Storytelling von Weihnachten, all die Romane, Filme, Superhits – auf einer alltäglichen Begebenheit. Weihnachten wurde nicht von Käthe Wohlfahrt oder Amazon erfunden, nicht von Wham! und auch nicht von der Schwiegermutter.
Nie ist es so schwer und traurig, keine Familie zu haben
Wenn Sie jetzt sagen: „Jetzt ist aber gut mit der Weihnachtsmeckerei!“, sage ich: Sie haben recht. Bei der Morgenpost haben wir überlegt, wie wir den Advent in der Zeitung begleiten, ohne nur in das allgegenwärtige Weihnachtsgeklingel einzustimmen. Eine Idee war ein Adventskalender.
Der, so heißt es, eigentlich erfunden wurde, um Kindern die Zeit des Wartens aufs Weihnachtsfest überschaubarer zu machen. Der evangelische Theologe Johann Hinrich Wichern stellte 1839 für die Kinder eines Kinderheims in Hamburg jeden Tag eine Kerze auf ein Wagenrad – und für jeden Adventssonntag eine dickere. Eine schöne Idee, zumal für Heimkinder. Nie ist es so schwer und traurig, keine Familie zu haben – oder auch keine glückliche. Wenn man nicht mithalten kann im allgegenwärtigen Geschenke- und Feiermarathon, weil man zu wenig Geld hat oder niemanden zum Feiern und Beschenken – dieses Gefühl kennen wohl auch viele Erwachsene in diesen Tagen.
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Werfen Sie mit uns ab heute täglichen einen amüsierten Blick auf die Merkwürdigkeiten Berlins
Wir haben überlegt: Wie übersetzen wir die Kerze, das Licht, und helfen beim Warten. In Berlin sind es ja oft die unerwartet heiteren Momente, die unverhofft ein bisschen „Licht“ in unseren Alltag bringen. Lachen ist gesund, heißt es ja. Absurdes gibt es im Berliner Alltag zum Glück reichlich. Als Leser dieser Zeitung wissen Sie das.
Wir laden Sie also ein, mit uns ab heute gemeinsam einen liebevoll-amüsierten Blick auf die Merkwürdigkeiten Berlins zu werfen. Hinter „Türchen 1“ verbirgt sich im Lokalteil heute die skurrile Ehrung eines Politikers im Regierungsviertel, nach dem sogar eine Brücke benannt ist – und den es in Wirklichkeit gar nicht gibt.
Und noch eine gute Nachricht zum Schluss: Nur noch drei Wochen, dann werden die Tage wieder länger! Licht ist in Sicht!
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