In Berlin ist die Debatte über eine Olympia-Bewerbung zurück – nur die Begeisterung fehlt. Während der Senat die Spiele als große Chance für die Hauptstadt präsentiert, begegnet ein großer Teil der Bevölkerung den Plänen mit Misstrauen. Aktuelle Umfragen zeigen, wie weit Politik und Stadtgesellschaft auseinanderliegen – und wie sehr das die Diskussion über Olympia prägt.

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Laut einer repräsentativen Civey-Umfrage, die der „Tagesspiegel“ in Auftrag gegeben hat, spricht sich eine deutliche Mehrheit der Berlinerinnen und Berliner gegen eine Bewerbung der Hauptstadt für die Olympischen Sommerspiele aus. In der Studie heißt es, 67 Prozent der Befragten lehnten eine Kandidatur für die Jahre 2036, 2040 oder 2044 ab. Nur 27 Prozent unterstützen demnach die Pläne des Senats, weitere sechs Prozent zeigen sich unentschieden. Die Umfrage gilt als repräsentativ und soll damit ein verlässliches Stimmungsbild der Stadtbevölkerung abbilden.

Olympia-Bewerbung Berlin: Frühere Civey-Studie bestätigt negativen Trend

Die neuen Zahlen sind kein einmaliger Ausreißer. Schon im Frühsommer hatte eine von der Morgenpost beauftragte Civey-Umfrage ein ähnliches Stimmungsbild ergeben. Zwischen dem 27. Mai und dem 10. Juni ließ das Institut rund 1500 Berlinerinnen und Berliner ab 18 Jahren online beantworten, „wie sie es bewerten würden, wenn sich Berlin um die Austragung der Olympischen Sommerspiele bewerben würde“.

Bereits damals bewertete die Mehrheit eine Olympia-Bewerbung in Berlin negativ. Nur 32 Prozent der Befragten gaben an, eine Berliner Bewerbung sei positiv, zwölf Prozent zeigten sich unentschlossen. Die aktuelle Befragung bestätigt damit im Kern das Ergebnis der älteren Civey-Studie: Die Stadtgesellschaft steht dem Olympia-Projekt mehrheitlich skeptisch bis ablehnend gegenüber.

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Debatte um Olympische Spiele in Berlin: Bündnis NOlympia stellt sich gegen Pläne des Senats

Die Umfragen heizen eine ohnehin kontroverse Debatte an. Die schwarz-rote Landesregierung verfolgt das Ziel, die Olympischen Spiele ein zweites Mal nach 1936 nach Berlin zu holen. Verantwortliche im Senat sehen darin eine Chance, ein modernes, weltoffenes Bild der Stadt zu präsentieren – gewissermaßen als Gegenentwurf zu den von den Nationalsozialisten propagandistisch missbrauchten Spielen. Kritikerinnen und Kritiker wie das Bündnis „NOlympia“ warnen hingegen, Olympia schreibe nicht automatisch eine Geschichte von Freiheit und Vielfalt, sondern bringe vor allem große Bauprojekte, hohe Kosten und neue Konflikte um Flächen, Mieten und Umwelt mit sich.

Die Initiative „NOlympia“ hat am vergangenen Freitag (21.11.) angekündigt, ein Volksbegehren gegen eine Berliner Olympia-Bewerbung zu starten. Die Unterschriftensammlung soll demnach am 1. Januar 2026 offiziell beginnen. Ein Volksbegehren ist in Berlin der erste Schritt hin zu einem Volksentscheid: Zunächst müssen ausreichend Bürgerinnen und Bürger unterschreiben, damit später alle Wahlberechtigten über eine konkrete Frage abstimmen können.

Olympia-Volksentscheid in Berlin: Ungünstiges Timing für die Hauptstadt

Die Zeitachse macht das Olympia-Projekt für Berlin besonders riskant. Ein möglicher Volksentscheid über die Olympischen Spiele in der Hauptstadt könnte nach bisheriger Planung frühestens 2027 stattfinden. Die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) darüber, welche Stadt als deutsche Bewerberin ins Rennen geht, ist hingegen bereits für den Herbst 2026 vorgesehen.

Damit entsteht ein Szenario, vor dem die Olympia-Gegner ausdrücklich warnen: Zunächst könnte der DOSB Berlin als deutsche Kandidatenstadt nominieren – und erst danach würde die Bevölkerung in einem Volksentscheid darüber abstimmen, ob sie diese Spiele überhaupt will. Die Sprecherin der Initiative „NOlympia“, Gabriele Hiller, sagt gegenüber dem „Tagesspiegel“, wenn Berlin den Zuschlag erhalte, könne es passieren, „dass es hinterher eine Ablehnung durch die Bevölkerung gibt“. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) müsse wissen, „ob er das riskieren will“.

Volksbefragung zu Olympia: Warum Berlin im Nachteil ist

Der Wettbewerb um die deutsche Olympia-Bewerbung findet nicht im luftleeren Raum statt. Neben Berlin möchten auch Nordrhein-Westfalen, München und Hamburg als Kandidaten für die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele antreten. In München hat es bereits im Oktober eine Volksbefragung gegeben. Nach den dort veröffentlichten Zahlen sprachen sich 66 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner für eine Olympia-Bewerbung aus – ein deutliches Ja-Signal an den DOSB. In Hamburg soll am 31. Mai 2026 abgestimmt werden, in Nordrhein-Westfalen am 19. April 2026.

Anders als diese Bewerberregionen kann Berlin seine Bevölkerung vor der DOSB-Entscheidung nicht offiziell befragen. In Berlin fehlt dafür die rechtliche Grundlage; eine solche Regierungsbefragung müsste erst per Verfassungsänderung ermöglicht werden. Die schwarz-rote Koalition hat allerdings in den vergangenen Jahren keine gesetzliche Grundlage für eine entsprechende Regierungsbefragung der Bürgerinnen und Bürger geschaffen.

Für den Senat ist das ein struktureller Nachteil im Rennen um die deutsche Olympia-Bewerbung: Während andere Städte mit dem Rückenwind eines offiziellen Votums ihrer Bevölkerung auftreten können, muss Berlin mit Umfragen arbeiten, die zwar repräsentativ sind, politisch aber weniger Gewicht haben als ein formeller Volksentscheid.