Mittlerweile gehört es zur traurigen Routine Berlins. Am Samstagabend kam es erneut zu Schussabgaben in der Öffentlichkeit, diesmal wurde ein 34-Jähriger im Kreuzberger Böcklerpark in den Oberschenkel getroffen, wie die Polizei bei X mitteilte. Der Mann wurde verletzt und kam ins Krankenhaus. Lebensgefahr besteht nicht. Die Ermittler gaben an, dass der 34-Jährige von einem derzeit noch Unbekannten angesprochen wurde. Anschließend gab dieser mehrere Schüsse auf sein Opfer ab und floh.

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Laut „B.Z.“ hatten Zeugen gegen 23 Uhr Polizei und Feuerwehr gerufen, nachdem sie das türkische Opfer vor einem Wohnhaus an der Gitschiner Straße entdeckt hatten. Polizei und Staatsanwaltschaft haben Ermittlungen wegen versuchtem Totschlag aufgenommen. Die Hintergründe sind noch unklar. Die Gegend wurde nach der Tat weiträumig abgesperrt, die Einsatzleitung beorderte schwer bewaffnete Bereitschaftspolizisten zum Ort, da der Täter zunächst noch in dem Gebiet vermutet wurde. Er ist weiterhin flüchtig.

Immer wieder Schüsse in Berlin – Eskaliert gerade ein Bandenkrieg?

In den vergangenen Wochen häuften sich die Schussabgaben in Berlin. Schutzgelderpressungen sind nach Angaben aus Sicherheitskreisen die häufigste Ursache für derartige Schüsse auf offener Straße. Erst am Freitagabend wurden zwei Personen im Alter von 29 und 28 Jahren bei einem Schusswechsel in Lichtenberg vor einem Dönerladen verletzt, einer davon schwer. Laut Staatsanwaltschaft kam es vor dem Imbiss zunächst zu einem Gespräch zwischen vier Personen. Nach kurzer Zeit seien von einer Person aus mehrere Schüsse abgegeben worden. Auch hier ist der Täter flüchtig.

„Wir sehen seit einigen Monaten wieder verstärkte Rivalitäten im Bereich der organisierten Kriminalität und müssen auch festhalten, dass wir eine Art Durchbewaffnung der Akteure erleben, sodass es immer häufiger zu Auseinandersetzungen mit Schusswaffen kommt“, ordnet Benjamin Jendro, Sprecher der Berliner Gewerkschaft der GdP, ein. „Die Polizei Berlin hat natürlich auf diese Entwicklungen reagiert und ordentlich hochgefahren, sodass die Szene durch die professionelle Arbeit in der BAO Park und BAO Ferrum aktuell massiv unter Dampf gehalten wird.“

100 spezialisierte Polizisten, um Gewalteskalation einzudämmen

Bei „Park“ und „Ferrum“ handelt es sich um die beiden Aufbauorganisationen, die zuletzt eingerichtet wurden, um der zunehmenden Schusswaffenkriminalität in Berlin Herr zu werden. „Die Kollegen werden nicht zulassen, dass auf unseren Straßen ein Bandenkrieg entflammt und Unbeteiligte zu Schaden kommen“, versichert Jendro. Wie zuletzt von Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel angekündigt, sind rund 100 uniformierte Polizisten und Spezialisten aus dem Landeskriminalamt mit der Eindämmung der Eskalation befasst.

Die Polizeipräsenz an kritischen Orten wurde verstärkt, einschlägige Lokale werden kontrolliert und zusätzliche Verkehrsüberwachungen an relevanten Stellen veranlasst. Die Polizei zeige klare Kante gegen bewaffnete Kriminalität und suche nach Schusswaffen, um sie zu beschlagnahmen, sagte Spranger vor zwei Wochen im Innenausschuss.