Die Aussicht war atemberaubend: Vom 21. Stock des Hochhauses von Wirtschaftsberater KPMG in der Europacity blickten die Gäste am Donnerstagabend auf eine abendlich strahlende Metropole. Glamourös, funkelnd, weltstädtisch. Glaubte man den Rednern, erwarten Berlin ähnlich blendende Aussichten, falls die aktuelle Olympiabewerbung gelingt.

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Unternehmensführer der Berliner Wirtschaft sollten an diesem Abend darauf eingeschworen werden, im nationalen Rennen um das größte Sportereignis der Welt bis zur Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) im Herbst 2026 alles zu geben. Für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele zwischen 2036 und 2044 steht Berlin in Konkurrenz mit München, Hamburg und der Region Rhein-Ruhr. Die Hauptstadt tritt gemäß ihres Konzepts „Berlin +“ mit Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Schleswig-Holstein an. Das zentrale olympische beziehungsweise paralympische Dorf würde zwischen Westkreuz und Grunewald entstehen.

CEOs unterstützen Volksentscheid zur Olympiabewerbung

Zum Donnerstagabend in KPMGs Skylounge hatte der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) mit dessen Vereinigung CEOs for Berlin geladen. Zum Netzwerk gehören rund 150 Unternehmensspitzen, etwa von Alba, Allianz, Siemens und Zalando. Als Unterstützer und Multiplikatoren für einen derzeit noch wenig ausgeprägten Pro-Olympia-Gedanken in der Stadt braucht Bewerber Berlin seine Wirtschaftsentscheider. Die CEOs for Berlin beschäftigen in der Region immerhin mehr als 40 Prozent der arbeitenden Bevölkerung.

VBKI-Veranstaltung zur Berliner Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele
Gastgeber: Markus Voigt, Präsident des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller. Foto: Florian Boillot / FUNKE Foto Services© FUNKE Foto Services | Florian Boillot

Nach mehr als zwei Stunden mit Präsentationen, Impulsvortrag und einer Art Motivationsrede des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) erhielten die Gäste am Ausgang einen prall gefüllten A4-Umschlag. Darin zum Auslegen und Weiterreichen: mehr als zwölf Blanko-Unterschriftenlisten für eine Volksinitiative, bei deren Erfolg sich das Abgeordnetenhaus mit dem Anliegen beschäftigen würde.

Berlin kündigt nachhaltiges Olympiakonzept an

In seinem Grußwort demonstrierte Wegner Selbstbewusstsein: „Wenn Deutschland die Olympischen Spiele nach Deutschland holen will, dann geht das nicht ohne Berlin.“ Die Stadt habe bewiesen, dass sie Großveranstaltungen organisieren kann, zuletzt etwa am vergangenen Wochenende das NFL-Spiel im Olympiastadion. „Berlin +“ setze auf Nachhaltigkeit statt Neubau, beispielsweise mit der Modernisierung bestehender Sportstätten. Nicht zuletzt brächte Olympia ein enormes Investitionspotenzial in die ostdeutschen Partnerländer.

Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) sagte, dass mehr als 90 Prozent der Veranstaltungsorte vorhanden seien oder temporär errichtet werden können. Olympiaexperte Holger Preuß von der Mainzer Johannes-Gutenberg Universität rechnete vor, dass Stadt und Partner ein „Wirtschaftsimpuls von fünf Milliarden Euro“ erwarte.

Olympiabewerbung Berlin: Umfrage zur Stimmung

Zwei möglicherweise unüberwindbare Hürden: Bei einer Umfrage im Auftrag der Berliner Morgenpost erklärten 56 Prozent, sie sähen eine Berlin-Bewerbung negativ oder eher negativ. Mitbewerber München dagegen kann den DOSB-Oberen seine Olympiasehnsucht bereits zweifelsfrei belegen: Beim Bürgerentscheid Ende Oktober votierten 66,4 Prozent für eine Bewerbung.

Der Olympiabeauftragte des Senats, Kaweh Niroomand kündigte für Februar eine emotionale Kampagne an, um die Berliner für das Sportfest zu gewinnen. Der Bürgerentscheid, so der Ex-Vize des DOSB, möge „ein Superargument“ für München sein. Aber: „Wir haben viele Argumente mehr, die wir dagegenstellen können.“