Eine große graue Kiste, drei große Papiertüten: Nach etwa vier Stunden Durchsuchung tragen vermummte Einsatzkräfte mehrere Beweismittel aus einer Wohnung am Löwensteinring in Gropiusstadt im Bezirk Neukölln, eine der Adressen, die am Mittwochmorgen in Berlin von der Polizei aufgesucht wurden. Hintergrund sind Ermittlungen gegen die islamistische Organisation „Generation Islam“, deren bekanntestes Gesicht nach Informationen der Berliner Morgenpost am Löwensteinring wohnhaft ist.

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„Generation Islam“ wird vom Bundesinnenministerium verdächtigt, eine Teilorganisation von „Muslim Interaktiv“ zu sein, die am Mittwoch durch den Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) aufgrund verfassungsfeindlicher Bestrebungen verboten wurde – ob auch „Generation Islam“ und „Realität Islam“ verboten wird, ließ Dobrindt am Mittwoch offen. Seit sechs Uhr wurden in Hamburg, Berlin und Hessen Objekte durchsucht. Dabei handelt es sich um die Vereinsräume und Privatwohnungen der führenden Mitglieder der Organisationen.
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Gewerkschaft der Polizei: „Wichtiges Zeichen unseres Rechtsstaates“
„Der heutige Tag ist ein wichtiges Zeichen unseres Rechtsstaates gegen islamistischen Hass und Terror, der sich auch durch die Vorfeldarbeit zahlreicher kleinerer Vereine in den Hinterhöfen der Hauptstadt sowie durch Protagonisten im Social Media immer weiter in unsere Gesellschaft frisst“, erklärte Stephan Weh, der Berliner Landeschef der Gewerkschaft der Polizei, am Mittwoch. Laut rbb wurden in der Hauptstadt zehn Objekte durchsucht.
Lediglich in Neukölln leistete die Berliner Polizei Amtshilfe für das Bundesinnenministerium. Das 9-geschossige Haus steht neben einer Schule. Vor der Haustür sind Fahrräder, teils mit Kindersitz, abgestellt, Pflanzen schmücken den Bereich längs entlang des Gebäudes, die Balkone sind neu angebracht. „Hier leben anständige Leute“, erklärt eine Rentnerin, die an den Polizisten mit Sturmmasken vorbeiläuft. Polizeieinsätze, so berichten es andere Nachbarn, gebe es hier kaum.

Anwohner geht nicht von islamistischen Hintergrund aus – es gehe um Palästina
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht ein Anwohner, der das Treiben der Polizei beobachtet. Er vermutet, die von der Razzia betroffene Familie zu kennen. Ein Youtuber, wie man in der Nachbarschaft sagt, den er schon über den Weg gelaufen sei. „Er macht aber nicht den Eindruck, dass er fundamentalistisch ist“, erklärt der Mann, der namentlich nicht erwähnt werden möchte. Mit fundamentalistisch meint er traditionelle Kleidung, die in islamistischen Kreisen verbreitet sind. Die Online-Videos des Youtubers habe er zwar nicht gesehen, dennoch hat er eine klare Meinung über ihn: „Der will nur ein Land verteidigen.“ Mit Land meint der Anwohner Palästina.
Das ist interessant, denn laut Berliner Verfassungsschutz nutzt das Netzwerk „Generation Islam“ den Israel-Gaza-Konflikt für seine Zwecke. Vermeintlich unverfängliche Themen werden mit islamistischen Narrativen aufgeladen, um junge Musliminnen und Muslime zu radikalisieren, heißt es im Verfassungsschutzbericht 2024. Handelt es sich bei dem vom Anwohner erwähnten Youtuber um Ahmad Tamim? Die Beiträge des Influencers mit über 66.000 Followern auf Youtube handeln überwiegend von Gaza und Israel. Gleichzeitig fordert er die Errichtung eines Kalifats.
Sein Name ist an der Haustür am Löwensteinring zu lesen. Ob es sich bei den durchsuchten Räumlichkeiten um seine Wohnung handelt, kommentierte das Bundesinnenministerium auf Anfrage nicht. Nachdem die Einsatzkräfte am Mittwoch abgezogen sind, kommt Tamim aus der Haustür. Auf eine Frage der Berliner Morgenpost geht er nicht ein, sondern entfernt sich wortlos.





