Gibt es bald keine Soja-Burger und kein Tofu-Schnitzel mehr? Eine Mehrheit im Europaparlament hat dafür gestimmt, dass vegetarische und vegane Fleischalternativen künftig nicht mehr den Namen von Fleischprodukten tragen dürfen. Noch ist das nur ein Parlamentsbeschluss, dem auch die EU-Staaten noch zustimmen müssten. Doch schon jetzt sorgt er für Debatten und gefährdet auch eine Berliner Spezialität: die Currywurst. Denn immer mehr Buden bieten neben Wurst mit und ohne Darm auch vegane Würste an – die aber mitunter bald nicht mehr so heißen dürfen.

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So auch der Imbiss Ziervogel’s Kult-Curry am Senefelder Platz in Prenzlauer Berg. Inhaber Mario Ziervogel antwortet überrascht auf den Anruf des Reporters: „Also dazu haben wir uns noch keine Gedanken gemacht“, sagt er und fügt an: „Das ist wieder so eine Entscheidung wie das Aus des Verbrennerautos. Die wird von oben gefällt und die Bürger dürfen das dann ausbaden.“
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Auch bei Curry 36 am Mehringdamm hält man nicht viel von dem Beschluss: „Ich sehe das sehr kritisch“, sagt Inhaber Mirko Großmann. „Das ist ein Überprotektionismus gegenüber der Bevölkerung und das nimmt den Menschen die Intelligenz selbst herauszufinden, was sie essen wollen.“ Großmann glaubt, dass damit nur von anderen politischen Problemen abgelenkt werden soll: „Das ergibt ein schlechtes Bild von Europa“, sagt er resigniert.
Für ihn ist klar: Solange es nur eine Entscheidung des EU-Parlamentes ist und nichts endgültig beschlossen ist, wollen sie ihre vegane Wurst nicht umbenennen. „Denn ehrlich gesagt: Am Ende kann man nicht nur Fleisch, sondern alles Mögliche durch einen Wolf jagen, in eine Pelle pressen und das dann Wurst nennen.“
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Die Befürworter der Entscheidung, wie etwa die zuständige französische Europaabgeordnete Céline Imart argumentieren, dass Verbraucher, die eigentlich Fleischprodukte kaufen wollen, durch die Namen der veganen Alternativen getäuscht werden. Doch Großmann hat da in seiner Bude gegenteilige Erfahrungen gemacht: „Also wir haben eine sehr aufmerksame Kundschaft, die eher nachfragt, ob eine Wurst auch wirklich vegan ist“, sagt er. Für ihn ist klar: Die veganen Produkte sind nicht mehr wegzudenken. Inzwischen machen vegane Currywürste bei ihm 10 Prozent des Umsatzes aus, sagt er.
Und auch am Senefelder Platz freuen sich die veganen Alternativen zunehmender Beliebtheit: „Wir haben sogar Fleischesser, die mal aus Interesse die vegane Wurst bestellen und dann eben feststellen, dass die ganz anders schmeckt“, berichtet Mario Ziervogel und muss lachen: „Viele essen die dann nicht auf – aber sie haben sie zumindest mal probiert.“







