Liebe Leserin, lieber Leser,
haben Sie vor einigen Jahren auch den Roman „Blackout“ von Marc Elsberg verschlungen? Darin geht es um eine terroristische Hackergruppe, die es schafft, mit einer gezielten Manipulation von digitalen Stromzählern einen großflächigen Stromausfall auszulösen. Dieser führt Europa innerhalb von Stunden in die Katastrophe und hat weltweite Folgen. Versorgungssysteme brechen mehr oder weniger zusammen. Ein Szenario, das niemand von uns erleben möchte. Und das dennoch nicht von der Hand zu weisen ist.

Montag bis Samstag
Morgenpost der Chefredaktion
Die ersten News des Tages – direkt von der Chefredaktion. Montag bis Samstag um 6:30 Uhr.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Solche schlimmen Stromausfälle haben wir in Deutschland und in Berlin glücklicherweise noch nicht erlebt. Die Köpenicker bekamen 2019 einen intensiven Eindruck davon, was in so einem Fall geschehen könnte. Damals blieben vom 19. bis zum 20. Februar insgesamt 31 Stunden die Leitungen tot, wie unser Autor David Eich erinnert. Doch es handelte sich um ein lokal begrenztes Ereignis, sodass von außen geholfen werden konnte.

Dienstagnacht traf es das Gebiet erneut: Nach einem Brandanschlag auf zwei Strommasten wurden bis zu 50.000 Menschen im Südosten der Stadt von der Stromversorgung abgeschnitten. Straßenbahnen blieben liegen, Schulen und Geschäfte konnten ihren Betrieb nicht aufnehmen, Ampeln fielen aus. In einem Pflegeheim fielen Beatmungsgeräte aus, sodass die Patienten ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Am Nachmittag tauchte ein Bekennerschreiben auf, das als Ziel den Technologiepark Adlershof nannte. Doch Berlin lasse sich nicht einschüchtern, sagte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) kündigte an: „Wir kriegen euch.“
Wie die Situation am Dienstag war, sehen Sie in diesem Video.
Mittags hatte es für die ersten 15.000 Menschen Entwarnung gegeben: Man habe Leitungen umgeschaltet, sodass die Versorgung bestimmter Gegenden ab dem späten Vormittag wieder möglich gewesen sei, sagte ein Sprecher von Stromnetz Berlin. Für alle anderen jedoch hieß es warten. Und improvisieren. Auch am Mittwoch werden viele noch ohne Strom zurechtkommen müssen.
Wenn wir einmal ehrlich sind: Wer von uns ist tatsächlich auf eine solche Ausnahmesituation eingestellt? Haben Sie ein batteriebetriebenes Radio zu Hause? Sind Ihre Wasser- und Lebensmittelvorräte groß genug, um mehrere Tage über die Runden zu kommen? Haben Sie überhaupt Lagermöglichkeiten für so viele Lebensmittel? Haben Sie ausreichend Powerbanks geladen herumliegen, um Mobiltelefone aufzuladen, wenn das öffentliche Stromnetz ausgefallen ist? Ohne übertreiben zu wollen – ich fürchte, die meisten von uns sind nicht auf solche Situationen eingestellt.
Wie Sie für einen Katastrophenfall vorsorgen, lesen Sie auf der Website des Landes Berlin. Dazu gehört zum Beispiel:
- Lebensmittel- und Getränkevorrat für zehn Tage für eine Person, darunter:
- Getreideprodukte (z. B. Nudeln, Reis): 3,5 kg
- Haltbares Gemüse & Hülsenfrüchte (z. B. Konserven): 4,0 kg
- Obst in Dosen oder lagerfähiges Obst: 2,5 kg
- Notfall-Fertiggerichte (z. B. Ravioli, Kartoffeltrockenprodukte).
- Energieversorgung und Licht:
- Taschenlampe und Reservebatterien
- Kerzen, Teelichter
- Streichhölzer oder Feuerzeug
- Camping- oder Spirituskocher mit Brennmaterial (zum Kochen ohne Strom).
- Hygieneprodukte:
- Seife, Desinfektionsmittel und Zahnhygieneartikel
- Toilettenpapier
- Müllbeutel (zur sicheren Müllentsorgung).
- Hausapotheke:
- DIN-Verbandskasten
- Verordnete Medikamente (besonders chronisch wichtige!)
- Schmerzmittel und Mittel gegen Erkältung bzw. Fieber
- Wunddesinfektionsmittel
- Dokumentensicherung:
- Notwendige Dokumente und Kopien griffbereit (z. B. Ausweise, Versicherungspolicen).
- Kommunikationsmittel:
- Rundfunkgerät (batteriebetrieben oder Kurbelradio)
- Reservebatterien (damit Nachrichten und Warnungen empfangen werden können).

Ich nehme mir immer mal wieder vor, diese Liste abzuarbeiten. Aber vieles habe ich nie besorgt, weil mir das Notfallszenario dann doch unwahrscheinlich erschien. Wie wir sehen: Es ist nicht unwahrscheinlich. Erst am Montag hatte der Chef des Berliner Technischen Hilfswerks, Sebastian Gold, im Interview mit unserem Kollegen Andreas Gandzior auf die Schwachstellen in der Berliner Infrastruktur hingewiesen. Falls Sie es verpasst haben – hier können Sie es noch einmal nachlesen. Angesichts des aktuellen Vorfalls erhält das Gespräch eine neue Relevanz.
Wir müssen also dringend umdenken. Politisch geschieht dies bereits. Aber auch jeder einzelne muss für sich persönlich Konsequenzen ziehen, mahnt Gilbert Schomaker, stellvertretender Chefredakteur, in seinem Kommentar. „Nach Putins Angriffskrieg auf die Ukraine ist die Weltlage eine andere geworden. Lange Zeit konnten die Deutschen sorglos leben. Doch die Zeiten ändern sich gerade.“
Was sonst noch wichtig ist
Der Senat nimmt den Berlinern ein Lieblingsthema: keine Termine im Bürgeramt! Neben der Wohnungsknappheit bislang ein sicheres Smalltalk-Thema auf jedem Wochenmarkt, auf jeder Party. Damit ist es womöglich vorbei. Denn Staatssekretärin Martina Klement (CDU) präsentierte am Dienstag Zahlen, die darauf hindeuten, dass der Termin beim Amt jetzt leichter zu bekommen ist. Chefreporter Joachim Fahrun kennt die Details.
Proteste erwartet: Der jahrzehntelange Streit um die „Rigaer 94“ erreicht am Mittwoch vor dem Berliner Landgericht einen entscheidenden Moment – es geht um eine wegweisende Räumungsklage gegen das besetzte Haus in Friedrichshain. Der Anwalt des Eigentümers offenbart pikante Details: Die meisten der 26 identifizierten Bewohner seien „ultrajung“, aber „mit allen Wassern gewaschen“, erfuhr Dennis Meischen exklusiv. Sie hätten sich bei der jüngsten Razzia geschickt in einer Wohnung versammelt, um eine eindeutige Zuordnung zu verhindern.

Noch ein Hinweis in eigener Sache: Wir haben exklusiv für Sie zwei außergewöhnliche Shows mit attraktivem Preisvorteil im Angebot – nur für unsere Leserinnen und Leser:
25. Berliner Taschenlampenkonzert – Jubiläum am Weltkindertag
20.09.2025 | 19:00 Uhr | Waldbühne Berlin
Leser-Vorteil: 25 % Rabatt
FLYING LIGHTS – Die neue Show im Wintergarten Varieté
20.09.2025 | 20:00 Uhr | Wintergarten Varieté Berlin
Leser-Vorteil: 2 Tickets zum Preis von 1
Jetzt Tickets sichern

Ich wünsche Ihnen einen energiegeladenen Mittwoch!
Ihre Heike Dietrich
Leitende Redakteurin
Dieser Newsletter gefällt Ihnen? Empfehlen Sie ihn gern weiter.
Wir haben noch mehr Newsletter für Sie:
Morgenpost Späti – Hier steckt alles drin: Montag bis Freitag um 18 Uhr das Wichtigste aus Berlin direkt ins Postfach – kompakt, nah dran & persönlich. Wie im Späti um die Ecke.
Hauptstadt Inside – Jörg Quoos, erfahrener Politikjournalist, gibt Ihnen dreimal die Woche Durchblick durch den politischen Dschungel Berlins.
Unsere Empfehlungen
Auch interessant
Lesen Sie auch










