Wenn Heike Seebaum „O’zapft is“ ruft, schaut sie dabei nicht auf die Voralpenberge, sondern auf den Schlachtensee. Eine gebürtige Münchnerin würde man zwar eher in der bayerischen Landeshauptstadt vermuten, doch als Restaurantleiterin der „Fischerhütte am Schlachtensee“ läutet sie Jahr für Jahr das Oktoberfest in Berlin-Zehlendorf ein. Noch laufen die letzten Vorbereitungen, ehe vom 24. September bis 17. Oktober bereits das 23. Oktoberfest in der Fischerhütte gefeiert wird.

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Manche Oktoberfest-Spezialitäten stehen immer auf der Karte

Bajuwarische Gaumengenüsse werden zwar in Berlin rund ums Jahr serviert, denkt man alleine an die verschiedenen Brauhäuser. „Weißwürste mit frischer Brezel und süßem Senf (12,50 Euro) stehen bei uns immer auf der Karte, als Frühstück bis 14 Uhr, ansonsten zu jeder Zeit nur mit Senf (9,30 Euro) bei unseren Wurstkessel-Spezialitäten“, gibt Michael Dornemann vom „Brauhaus Spandau“ ein Beispiel. Auch die Nürnberger Rostbratwürstchen (16,90 Euro) und der Leberkäse mit lauwarmem Kartoffel-Gurkensalat (15,50 Euro) sind Dauer-Klassiker.

Oktoberfest Berlin
Servicekraft Romana Reichling serviert beim Oktoberfest im „Brauhaus Spandau“ Weißwürste und Brezeln.© Manuela Blisse | Manuela Blisse

Dennoch sind, so Dornemann, die „Bayerischen Schlemmerwochen“, die vom 18. September bis 18. Oktober stattfinden, eine besondere Zeit. Freitags und samstags gibt es im Festzelt, das Platz für bis zu 200 Gäste bietet, Livemusik. Und gerade die Stammgäste muss man nicht mehr daran erinnern, dass Dirndl und Lederhosen zur Stimmung beitragen. Zum Fest gehört ein Festbier, im „Brauhaus Spandau“ natürlich hausgebraut. „Wie jedes Jahr ist es stärker, hat 13,5 Prozent Stammwürze. Es ist süffig und vollmundig“, beschreibt Braumeister André Preuß den besonderen Spandauer Saison-Trunk.

Im „Loretta am Wannsee“ wird an drei Wochenenden Oktoberfest gefeiert

Verschiedene Oktoberfeste, verschiedene kulinarische Lieblinge der Gäste. „Bei uns ist der Obazda der Renner“, sagt Sascha Siebenbrock, Geschäftsführer vom „Loretta am Wannsee“, bei dem das Pendant zur Münchner Wiesn an drei Wochenenden ab dem 18. September stattfindet. Gefeiert wird mit Live-Musik im überdachten und verglasten Teil des Biergartens. Die Oktoberfestabende steigen am 18. und 19. September, 25. und 26. September sowie am 2. und 3. Oktober. Die Oktoberfest-Speisekarte mit Klassikern wie Leberkäse, Hendl, Haxe und für vegetarische Gäste Käsespätzle gilt in dieser Zeit auch unter der Woche.

Oktoberfest Berlin
Marc Hammer, stellvertretender Küchenchef im „Café am Neuen See“ mit der Oktoberfest-Brotzeitplatte.© Manuela Blisse | Manuela Blisse

Wie in der „Fischerhütte“ macht auch im „Café am Neuen See“ ein Gewässer, in diesem Fall der Neue See, die Kulisse für die bayerische Gaudi aus. Für den stellvertretenden Küchenchef Marc Hammer, der schon früher hier gearbeitet hat, zwischendurch aber auch im Restaurant des Hotels „Telegraphenamt“ in Mitte am Herd stand, wird es das zweite Oktoberfest in der Institution inmitten des Tiergartens sein. Gefeiert wird vom 25. September bis 17. Oktober, jeweils freitags und samstags. „Wir bieten dann eine Extrakarte an. Bislang war die Brotzeit mit Wurstspezialitäten aus Mecklenburg-Vorpommern, bayerischem Leberkäse, den wir als Aufschnitt servieren, Spreewaldgurken, gepickeltem und fermentiertem Gemüse und hausgemachtem Obazda der Oktoberfest-Renner“, sagt er.

Das Gemüse hat der 28-Jährige bereits gepickelt, hat „große Mengen“ an Blumenkohl, Champignons, Radieschen und Karotten in Pickelfond mit Gewürzen wie Lorbeer, Wacholder, Zucker und Pfeffer über fünf Tage eingelegt. „Daikon-Rettich haben wir in Nudelform gehobelt und in fünfprozentiger Salzlake drei Tage fermentiert“, so Marc Hammer. Wildbratwurst mit Rahmsauerkraut, Freiland-Hendl mit Kartoffel-Gurkensalat und Käsespätzle wird es auch geben, dazu eine süffige Maß. Die ist mit 4,8 Prozent Stammwürze vergleichsweise leicht. Das Besondere am Bayerisch Hellen, das hat Hammer vom Barchef erfahren, ist die Temperatur: unter drei Grad und damit „eiskalt“. Die Alternativen ohne Umdrehungen sind alkoholfreies Pils und Apfelschorle.

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Im blau-weiß dekorierten Festzelt, dessen Eventscheune auch für private Oktoberfeste gemietet werden kann, werde zu vorgerückter Stunde auf den Tischen getanzt, so die Erfahrungen der vergangenen Jahre. Die Gäste kommen in Tracht, und wer keine Lederhose im Schrank hat, dem rät der Küchenchef zu einem akzeptablen Quasi-Outfit: Jeans und Karohemd.

Die „Fischerhütte“ ist das dienstälteste Oktoberfest

Mit ihrer inzwischen 23. Auflage ist die Wiesn in der „Fischerhütte am Schlachtensee“ das dienstälteste Fest seiner Art in Berlin. „Wir waren die ersten in Berlin, die ein Oktoberfest veranstaltet haben“, sagt Heike Seebaum. Früher wurde ein Festzelt im Biergarten aufgestellt, das Platz für bis zu 650 Gäste bot. Durch bauliche Vergrößerungen ist dafür kein Platz mehr. „Wir machen unseren Gastraum zum Festzelt“, erzählt sie. Der wird gänzlich leer geräumt, mit einer Tanzfläche sowie Bierbänken und -tischen bestückt, in Rot und Weiß dekoriert und fasst dann rund 400 Gäste.

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Gefeiert wird vom 24. September bis 17. Oktober, jeweils donnerstags bis samstags. Der Eintritt erfolgt über einen Kulturbeitrag von 18 Euro. Auf der Empore befinden sich VIP-Tische für bis zu zehn Personen. Diese kosten 550 Euro und beinhalten ein Zwei-Gänge-Menü.

Oktoberfest Berlin
„Fischerhütten“-Restaurantleiterin Heike Seebaum mit dem „Schnitzel Wiener Art“ zum Oktoberfest.© Manuela Blisse | Manuela Blisse

Kulinarisch setzt die Fischerhütte auf die ganze Bandbreite klassischer Wiesn-Schmankerl. „Unsere Renner sind die Schmankerlplatte, der Obazda und natürlich das Schnitzel. Dieses Jahr wird es wieder ein Schnitzel Wiener Art vom Strohschwein aus dem Havelland mit Kartoffel-Gurkensalat geben“, sagt Seebaum. Schätzungsweise rund 150 Schnitzel-Portionen werden pro Abend serviert Dass die Vorfreude der Gäste auf die Oktoberfestzeit hoch sei, lasse sich leicht erklären: mit der Musik – die Oktoberfest-Band „Edelweiß-Express“ reist an jedem Wochenende aus Stuttgart an –, der Stimmung und natürlich der bayerischen Küche. „Sie ist lecker und bodenständig. Das ist keine Kunst auf dem Teller, sondern einfache und gute Wirtshausküche“, erklärt Seebaum.

Beim Oktoberfest wird das goldgelbe Augustiner Oktoberfestbier als Maß ausgeschenkt. Anders als auf der Münchner Wiesn wird in der „Fischerhütte“ außerdem auch Wein angeboten. Nun muss nur noch der Countdown bis zum nächsten „O’zapft is!“ gezählt werden.

Hier wird in Berlin Oktoberfest gefeiert

Fischerhütte am Schlachtensee, Fischerhüttenstr, 136, Zehlendorf, Tel. 80 49 83 10, Oktoberfest 24. September bis 17. Oktober, Do.–Sa., www.fischerhuette-berlin.de

Café am Neuen See, Lichtensteinallee 2, Tiergarten, Tel. 25 44 93 21, Oktoberfest 25. September bis 17. Oktober, Fr.–Sa., www.cafeamneuensee.de

Brauhaus Spandau, Neuendorfer Str. 1, Spandau, Tel. 35 39 07-0, Bayerische Schlemmerwochen 18. September bis 18. Oktober, brauhaus-spandau.de/

Luise Dahlem, Königin-Luise-Str. 40–42, Dahlem, Tel.84 18 88-0, Bayerische Gaudi 5. September, Bayerische Wochen 6. bis 28. September, www.luise-dahlem.de

Loretta, Kronprinzessinnenweg 260, Wannsee, Tel. 80 10 53 33, tägl. 12–22 Uhr, Oktoberfest 18./19., 25./26. September sowie 2./3. Oktober, loretta-wannsee.berlin