Berlin wird zur „Startup Factory“. Wie Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) am Donnerstag mitteilte, setzte sich die Hauptstadt mit dem Projekt „Unite“ in einem von ihrem Ministerium ausgelobten Wettbewerb durch. Berlin erhält damit zehn Millionen Euro vom Bund. Mit diesem Geld soll der Aufbau hochschulnaher Gründungszentren finanziert werden, die neue Startups durch den vor allem in der ersten Phase komplizierten Finanzierungsdschungel führen sollen. Neben Berliner Hochschulen sind auch Brandenburger Einrichtungen an „Unite“ beteiligt. Die Förderung durch den Bund läuft bis 2030. Für die Zeit danach hat Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) schon jetzt ambitionierte Vorstellungen: „Eine Gründung pro Tag, das muss der Anspruch sein“, sagte er.

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Um die Bundesförderung zu erhalten, musste Berlin zuvor selbst mindestens zehn Millionen Euro an privatem Kapital einsammeln. Die Friede-Springer-Stiftung gab 6,5 Millionen Euro, die Berliner Sparkasse 1,5 Millionen Euro, die Bayer AG über 900.000 Euro. Eine Million Euro kam außerdem von Thomas Heilmanns Unternehmen. Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete und Ex-Justizsenator in Berlin soll als erfahrener Praktiker und Sprecher der für das „Unite“-Projekt eingerichteten Förder-GbR die Strukturen der Startup-Schmiede aufbauen und lenken. An Heilmanns Wahl hatte die Friede-Springer-Stiftung ihre finanzielle Unterstützung geknüpft.

Wegner: „Wir müssen gucken, wo man mehr privates Kapital akquirieren kann.“

Mit „Unite“ soll Unternehmertum an Hochschulen in Berlin und Brandenburg zur Selbstverständlichkeit werden. „Ich möchte erreichen, dass wir noch mehr Gründungen aus der Wissenschaft heraus bekommen“, sagte Wegner. Damit das gelingt, hat der Senat bereits Ende April in einem bislang nicht kommunizierten Beschluss die Frist bis zur erfolgreichen vertraglichen Anmeldung eines Patents auf maximal zwei Monate verkürzt. Bislang dauert es im gesamten Bundesgebiet normalerweise zwei Jahre, bis ein Patent durch die Universitäten gemeldet ist. Mit dem neuen Beschluss will sich Berlin bundesweit an die Spitze setzen und die nötigen Bedingungen für das Startup-Wachstum schaffen.

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Die Beschleunigung bei Patenten soll durch vorgefertigte Standardverträge erreicht werden. Und dadurch, dass die Universitäten und deren zuweilen behäbige Gremien nicht mehr direkt, sondern nur noch indirekt, vertreten durch die Unite-Strukturen, beteiligt sind. Sorgen der Universitäten, wonach das mit eigenen Einnahmeverlusten einhergeht, sollen ausgeräumt sein. 26 Universitäten und Forschungseinrichtungen haben mittlerweile unterschrieben und wollen Teil der neuen Startup-Factory sein.

Geht es nach Wegner dann soll das Finanzierungsmodell der „Unite“ Schule machen: „Wir brauchen einen Mentalitätswechsel in Berlin“, sagte er. „Wir müssen gucken, wo man mehr privates Kapital akquirieren kann.“