Bayer verstärkt seine Unterstützung für junge Biotech-Unternehmen in Berlin. Auf seinem Firmencampus im Wedding hat der Konzern am Donnerstag neue Büro- und Laborflächen für Startups eröffnet. Auf 900 Quadratmetern bietet das Pharmaunternehmen dort voll ausgestattete Räume und Mentoring durch Bayer-Experten, um wissenschaftliche Durchbrüche in der Zell- und Gentherapie sowie der Onkologie voranzutreiben.

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„Wir wollen Exzellenz in der Biotechnologie in Berlin fördern“, betonte Stefan Oelrich, Pharma-Chef bei Bayer, zur Eröffnung. Ziel sei es, Berlin als Hotspot zu etablieren. Der neue Standort mit dem Namen Co.Lab ist einer von vier weltweiten Bayer-Inkubatoren für die Startup-Szene. Die drei anderen hat der Konzern kürzlich im japanischen Kobe, in Shanghai und in Cambridge bei Boston eröffnet.

Zur Eröffnung gekommen war auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Und da dauerte es nicht lange, bis zum ersten Mal die Worte „Boston an der Spree“ fielen. Die US-Ostküstenmetropole gilt als Musterbeispiel für Innovationskraft im Gesundheitswesen. Wegner war erst kürzlich dort, auch den dortigen Bayer-Standort besuchte der Regierende Bürgermeister. Das sei „sehr beeindruckend“ gewesen, betonte er am Donnerstag. Mit der Eröffnung des Co.Lab Berlin komme man dem „Vorhaben eines Bostons an der Spree“ sowie einer besseren Gesundheitsversorgung einen großen Schritt näher, sagte Wegner.

Bayer in Berlin: Startups sollen ab 2028 ins Translationszentrum ziehen

Der Bayer-Campus befindet sich tatsächlich direkt an der Spree. Die Mieterinnen und Mieter der neuen Labor- und Büroflächen können sie sehen, wenn sie aus dem Fenster gucken. Was sie dort vor ihren Fenstern in den kommenden Jahren auch sehen sollen, ist der Bau des neuen Translationszentrums für Gen- und Zelltherapien am Nordhafen. Nachdem der Bund zu Beginn dieses Jahres 75 Millionen Euro dafür bewilligt hatte, steht die Finanzierung. „Wir wollen Anfang nächsten Jahres die Baugenehmigung einreichen“, sagte Oelrich. Im Jahr 2028 soll der zehnstöckige Bau stehen. Einziehen sollen dann dort auf 18.000 Quadratmetern zwischen 15 bis 20 Startups in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Auch das nun eröffnete Co.Lab zieht dann in den Neubau.

Aktuell ist das Co.Lab auf sechs Startups ausgelegt. Der Konferenzraum ist von einem Graffiti-Künstler gestaltet worden. Die Telefonkabinen tragen die Namen der anderen weltweiten Bayer Co.Labs. „Es ist mehr als nur ein Dach über dem Kopf“, betonte Friedemann Janus, zuständig für die Bayer Co.Labs in der ganzen Welt. „Wir suchen nach jungen Forschern, die die gleiche Passion teilen“, so Janus. Sie sollen nicht nur einen Zugang zu Laboren, sondern auch zu Experten des Unternehmens bekommen.

„Der Rohstoff, der hier wächst, sind die klugen Köpfe“, betonte Oelrich. „Wir sehen, dass Startups ihre Ideen hier entwickeln und dann oft abwandern“, sagte er. „Das wollen wir ändern.“ Mit dem Co.Lab in Berlin wolle man nun Fakten schaffen. Dennoch sei auch Geduld gefragt, erläuterte der Pharmachef. Schließlich müsse man mit „extrem langen Zyklen“ planen, um schlussendlich ein Produkt auf den Markt bringen zu können. Klinische Studien zu Medikamenten laufen oft über viele Jahre. „Was am Ende dabei herauskommt, hat typischerweise 20 Jahre Vorlauf“, betonte Oelrich.

Startup MyoPax zieht auf den Bayer-Campus

Ein Startup ist bereits eingezogen ins neue Co.Lab von Bayer. Es ist das 2022 gegründete Unternehmen MyoPax. Das Berliner Startup hat sich auf Therapien zur Muskelregeneration spezialisiert. Hervorgegangen ist es aus der Charité Universitätsmedizin und dem Max-Delbrück-Zentrum der Helmholtz-Gemeinschaft. Vier Beschäftigte hat das junge Unternehmen derzeit.

Bayer beschäftigt in Berlin rund 5000 Menschen. Etwa 1500 arbeiten nach Angaben des Unternehmens in der Produktion. Zuletzt gab die Aktie des Konzerns deutlich nach. Das Unternehmen musste für das vergangene Jahr einen Milliardenverlust ausweisen. Geplant sind nun Kostensenkungen, dabei sollen auch Stellen wegfallen. Die Gerichtsprozesse um den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat sind seit Jahren eine Belastung für den Konzern.

Um den Standort Berlin müsse man sich jedoch keine Sorgen machen, versicherte Oelrich. „Das für Berlin relevante Pharmageschäft ist stark“, sagte er.

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