In dem Bestreben, sich von der erratischen Politik von Berlins größtem Außenhandelspartner USA und den Schwierigkeiten in China unabhängiger zu machen, haben Berlins Politiker und Wirtschaftsförderer ihren Blick auf Indien geworfen. Aus dem Riesen-Land mit 1,4 Milliarden Menschen wandert seit einigen Jahren eine steigende Zahl von Menschen in die deutsche Hauptstadt. Inzwischen leben laut offizieller Statistik mehr als 33.000 Inder in der Stadt, sie stellen seit Jahren die am schnellsten wachsende Zuwanderergruppe.

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Vor allem die Berliner IT-und Games-Branche haben erste geschäftliche Kontakte geknüpft. Nun will der Senat im Rahmen seiner Internationalisierungsstrategie diese Beziehungen festigen und verstetigen. Dazu soll im kommenden Jahr im indischen „Silicon Valley“ Bengaluru (früher Bangalore) ein Verbindungsbüro der Berliner Wirtschaft eröffnet werden. Das gab Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey am Dienstag nach der Senatssitzung bekannt.

In Bengaluru und Delhi geht es für Giffey um Kooperation in IT, Fintech und Biotechnologie

Die Sozialdemokratin wird in der kommenden Woche mit einer Wirtschaftsdelegation zunächst ins südindische Bengaluru und dann in die Hauptstadt Neu-Delhi reisen. In Indien interessieren sich die Berliner vor allem für Künstliche Intelligenz, Biotechnologie und digitale Finanzdienstleistungen. Das sind Berliner Kern-Branchen, die sich in Indien zuletzt rasant entwickelt haben.

Bisher betreibt die Wirtschaftsförderung Berlin Partner zwei Auslandsbüros, in New York und in Shanghai. Sie werben dort um Investitionen und um Fachkräfte für Berlin. Gleichzeitig unterstützen sie Berliner Unternehmen dabei, einen Zugang zu den jeweiligen Märkten zu finden. Das soll nun auch in Indien passieren. Bengaluru mit fast 14 Millionen Einwohnern gilt als bedeutendes Wissenschaftszentrum und eine Hochburg für Startups und Talente.

Weitere Berlin-Büros könnten unter anderem in Singapore und Dubai entstehen

„Wir erleben derzeit, wie schnell sich etablierte Handelswege ändern und Wirtschaftsbeziehungen ins Wanken geraten können“, sagte Giffey: „Unsere Antwort darauf ist klar: Wir setzen auf Innovation und Internationalisierung, auf die Diversifizierung unserer Märkte und auf globale Vernetzung.“ Neben dem neuen Büro in Indien prüft Giffey auch neue Vertretungen in Singapore, Istanbul, Dubai oder an der US-Westküste.

Für die Internationalisierungsstrategie der Wirtschaftsverwaltung bis 2027 sollen pro Jahr sechs Millionen Euro fließen. Damit möchte Berlin unter anderem ein Business Representatives Netzwerk aufbauen, um weltweit mit ehrenamtlichen Repräsentanten aktiv für den Standort zu werben und die internationale Vernetzung zu unterstützen.