Statistisch gesehen ereignen sich zwei muslimfeindliche Taten pro Tag in Berlin, einer Stadt mit zwischen 250.000 und 300.000 muslimischen Einwohnern. Das geht aus dem Jahresbericht des Verbands „Claim – Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit“ für 2024 hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Demnach wurden im vergangenen Jahr 644 antimuslimische Vorfälle dokumentiert – darunter Diskriminierungen, verbale Angriffe und körperliche Gewalttaten. Das entspricht einem Anstieg von fast 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2023: 382).

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„Die Jahresbilanz zeigt, dass antimuslimische Übergriffe und Diskriminierungen in Berlin an der Tagesordnung sind“, sagt Rima Hanano, Co-Geschäftsführerin von Claim. „Für die Bekämpfung von antimuslimischem Rassismus und den Schutz von betroffenen Menschen in Berlin sind jetzt entschiedenes Handeln und eine klare Positionierung notwendig.“
Mehr Gewalt gegen Muslime registriert
Besonders erschreckend: 2024 wurden mehr antimuslimische Körperverletzungen registriert als im Vorjahr. Insgesamt wurden 48 Körperverletzungen, davon fünf gefährliche Körperverletzungen, 24 Sachbeschädigungen sowie 19 sonstige Delikte dokumentiert, unter anderem Erpressung. 2023 waren es insgesamt 36 Körperverletzungen gewesen. „Insgesamt muss aber von einem hohen Dunkelfeld antimuslimischer Vorfälle ausgegangen werden, da antimuslimischer Rassismus häufig nicht erkannt wird oder Vorfälle nicht gemeldet werden“, heißt es in der Mitteilung von Claim.
Ein großer Teil der dokumentierten Vorfälle betrifft laut Bericht muslimische Frauen (64 Prozent) und findet im Bildungsbereich (34,9 Prozent) sowie im öffentlichen Raum (19 Prozent) statt. Erfasst wurden 285 Diskriminierungen, 248 verbale Angriffe sowie 91 Fälle von verletzendem Verhalten. Beratungsstellen in Berlin würden zudem ein hohes Maß an Misstrauen betroffener Menschen gegenüber staatlichen Institutionen und gegenüber zivilgesellschaftlichen Stellen feststellen, heißt es.
Zunahme muslimischer Diskriminierung durch Migrations-Debatte
Die Verfasser machen dafür auch die zunehmenden Migrations-Debatten in der Politik verantwortlich, die nicht nur von der in Teilen rechtsextremen AfD ausgehen. „Als Beratungsstelle im Antidiskriminierungsbereich verzeichnen wir in den letzten zwei Jahren einen Anstieg der Fälle von antimuslimischen Rassismus um 65 Prozent“, sagt etwa Ioannis Demosthenous vom Antidiskriminierungsnetzwerk Berlin. „Besonders auffällig ist, dass hitzige öffentliche Debatten über das Migrationsrecht zunehmend in konkrete Diskriminierung umschlagen – ein Trend, der das Sicherheitsgefühl vieler als muslimisch gelesener Menschen massiv beeinträchtigt.“
Auch der terroristische Angriff der radikalislamischen Hamas am 7. Oktober 2023 auf Israel habe zu einem Anstieg nicht nur von antijüdischen, sondern auch von antimuslimischen Straftaten geführt. Insgesamt registrierte Claim rund 80 Fälle mit Palästina-Bezug.
Berliner Grüne fordern Kürzungs-Stopp für Prävention
Die meisten der erfassten Fälle seien jedoch Zeichen eines institutionell verankerten Rassismus, das würden repräsentative Studien beweisen, so der Tenor des Berichts. Demnach wiesen 20 Prozent der Berliner Bevölkerung ein geschlossen antimuslimisches, rassistisches Denken auf, 48 Prozent lehnten den Islam ab (Berlin Monitor 2023).
Die Berliner Grünen forderten den Senat in Reaktion auf den Bericht am Mittwoch auf, Präventionsmaßnahmen gegen Antisemitismus und antimuslimischen Rassismus etwa an Schulen trotz der Haushaltskrise nicht weiter zu kürzen.





