Berlins künstlerische Hochschulen sind nach übereinstimmender Einschätzung ihrer jeweiligen Führungskräfte nicht in der Lage, die vom Senat erwarteten Sparvorgaben zu erfüllen. In zwei Jahren werde man zahlungsunfähig sein, warnte die Rektorin der Kunsthochschule Weißensee, Angelika Richter, am Montag bei einer Anhörung im Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses.

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Der Präsident der Universität der Künste (UdK), Markus Hilgert, kündigte ab 2027 betriebsbedingte Kündigungen an, sollte es bei den verlangten Kürzungen bleiben. Der UdK bleibe keine andere Möglichkeit. „Auch ohne neue Stellen zu besetzen und bei größter Ausgabendisziplin werden wir in spätestens zwei Jahren zahlungsunfähig sein“, so der UdK-Präsident. 90 Prozent der Ausgaben entfallen aufs Personal.

Die UdK und die drei kleineren Hochschulen sollen 2025 noch acht Prozent einsparen

Die UdK, die Hochschule Weißensee, die Hochschule für Musik Hanns Eisler sowie die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch müssen ebenso wie alle anderen Hochschulen mit Kürzungsvorgaben von acht Prozent umgehen. Der Senat verhandelt deshalb mit den Hochschulen neu über die eigentlich bis 2028 vereinbarten Hochschulverträge. Für 2026 ist der vom Senat beschlossene Eckwert für das Budget der Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra (SPD) nochmals um 200 Millionen Euro abgesenkt worden.

„Schon jetzt leiden Qualität und Konkurrenzfähigkeit“, sagte der UdK-Präsident. Viele bedeutende Dozierende würde schon jetzt nicht mehr kommen. Das werde schließlich auch bei den Studierenden durchschlagen. „Denn wir können nur mit unseren Dozenten als Pfund wuchern“, sagte Hilgert. Man habe in den Fakultäten 30 Prozent der Sachmittel kürzen müssen. „Wir können so nicht mehr weiterarbeiten.“

Wegen der Kürzungen in der Kultur fallen Kooperationen und Auftrittsmöglichkeiten weg

„Die aktuelle Forderung nach weiterem Abbau greift unsere Hochschulen in ihrem Kernbestand an“, sagte Richter: „Die Einhaltung des Hochschulvertrages ist für uns existenziell“, so die Weißensee-Rektorin. Acht Prozent Kürzungen seien wegen der weiterhin steigenden Kosten real 15 bis 20 Prozent, sagte sie. Man sei aber überhaupt allenfalls in der Lage, nur sieben Prozent des Hausaltes zu beeinflussen.

Vor dem Abgeordnetenhaus ließen Studierende der Musikhochschule Hanns Eisler zur Mahnung Posaunen erklingen. Die Studierenden und auch viele Dozentinnen fühlen sich doppelt getroffen. Denn neben den Kürzungen in der Wissenschaft selbst fallen auch viele Auftrittsmöglichkeiten und Stellen den Sparzwängen in der Kultur zum Opfer. Vor allem die Oppositionspolitiker aus den Ausschüssen für Kultur und Wissenschaft kritisierten die Politik der Koalition: „Es gibt einen einzigen Bereich, in dem Berlin Weltspitze ist, und das ist die künstlerische Ausbildung“, sagte der Grünen-Kulturpolitiker und frühere Finanzsenator Daniel Wesener.

Die Schauspielschule Ernst Busch sei die „Starschmiede“ Berlins, so die Rektorin

Für die CDU sagte der Kulturexperte Peer Mock-Stürmer, man wolle die „Schleifspuren“ der Einsparungen möglichst gering halten. Die wird es aber auch für die Stadt geben. Der UdK-Chef kündigte an, die bisher pro Jahr 700 kostenlosen Kulturveranstaltungen nicht länger anbieten zu können.

Anna Luise Kiss, Rektorin der Schauspielschule Ernst Busch, verwies auf die bedeutenden Erfolge ihrer kleinen aber feinen Einrichtung mit nur 224 Studierenden. „Sie begegnen unseren ehemaligen Studierenden tagtäglich in Theatern, bei Lesungen, im Tatort, in Kinos, in Hörbüchern. und Puppentheatern“, sagte Kiss. Die Ernst Busch sei „eine Berliner Marke, ein echter Sehnsuchtsort, eine Starschmiede für Berlin“, sagte die Rektorin. Man biete aber auch kostenloses Theater, Festivals und Ausstellungen. Zudem mache man auch künstlerische Forschung, etwa zu digitalen Möglichkeiten auf der Bühne. Wegen der unsicheren Finanzlage habe man 25 Prozent der Ausgaben zunächst zurückgestellt.

Die Verwaltungen seien schon sehr agil und schlank, sagen die Rektorinnen

Anna Tober, Rektorin der Hanns Eisler, verwies auf die besondere Strahlkraft der Musikhochschule mit insgesamt 475 Studienplätzen. Jedes Jahr bewürben sich 2200 Menschen aus aller Welt auf die 80 neuen Plätze, wo junge Leute auf höchstem künstlerischen Niveau ausgebildet würden. „Wir brauchen diese hervorragenden Absolventen in Theatern und Konzerthäusern“, so die Rektorin. Viele Studierende seien gesellschaftlich sehr engagiert, etwa in Kooperationen mit Kindergärten, Schulen oder Haftanstalten. Viele Aufführungen würden nun ausfallen, weil die großen Opernhäuser sich auf ihre großen Bühnen konzentrierten und ihre kleinen Spielstätten herunterfahren. Das werde die Qualität der Ausbildung reduzieren.

Im Ausschuss wurde auch über die Möglichkeiten diskutiert, durch engere Zusammenarbeit Kosten zu sparen. Die drei kleinen Hochschulen sind bereits über gemeinsame Service-Einrichtungen verbunden, wie sie auch für die Theater diskutiert werden. Viel Geld sei da nicht mehr zu holen, hieß es. Man habe bereits einen „superschlanken, agilen Verwaltungsapparat“.

Staatssekretär will Kunsthochschulen mit Rücklagen der großen Universitäten stützen

Wissenschaftsstaatssekretär Henry Marx, der die erkrankte Senatorin Ina Czyborra (SPD) vertrat, machte den künstlerischen Hochschulen Hoffnung. Die acht Prozent Kürzungsvorgabe für 2025 seien eine Konsequenz aus dem Nachtragshaushalt. „Aber wir sind klar der Ansicht, dass Kunsthochschulen weniger leisten können als andere“, sagte der Staatssekretär. Man sei mit den anderen Hochschulen im Gespräch, ob sich mit ihren Rücklagen auch die Kunsthochschulen über das Jahr 2025 bringen könnten. „Die Rücklagen aus Landeszuschüssen gehören nicht einer einzelnen Hochschule, sondern dem Hochschulsystem insgesamt“, sagte Marx.