In der türkischen Süper Lig schoss sich die Fußballmannschaft von Galatasaray Istanbul am Sonntagabend mit einem 3:0 vorzeitig zum Meistertitel – zum dritten Mal in Folge. In Berlin wurden bei den Fan-Feiern Dutzende Polizisten mit Stein- und Flaschenwürfen sowie Pyrotechnik attackiert. Wie die Polizei dieser Redaktion bestätigte, wurden 33 Einsatzkräfte am Kurfürstendamm durch türkische Hooligans verletzt, zwei von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Insgesamt waren rund 180 Kräfte im Einsatz.

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Schätzungsweise 2500 Galatasaray-Anhänger hatten zuvor ein spontanes Fan-Fest auf dem Berliner Boulevard veranstaltet, gemeinsam gefeiert und in Autokorsos gehupt. Die Mehrzahl von ihnen hatte sich von Loactions in Kreuzberg aus in Wagenkolonnen oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Breitscheidplatz aufgemacht. Es kam jedoch vermehrt zum illegalen Einsatz von Pyrotechnik, ehe die Polizei den stetigen Zustrom der Menschen begrenzte und die Veranstaltung auflöste. Im Anschluss eskalierte die Situation vollends, als sich Personengruppen nicht vom Areal der Gedächtniskirche entfernen wollten. Zuerst hatte die „B.Z.“ über die Ausschreitungen berichtet.

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Informationen dieser Redaktion zufolge ermittelt die Polizei wegen zehn Fällen von Landfriedensbruch, sieben Fällen von gefährlicher Körperverletzung, elf tätlicher Angriffe und sechs Fälle von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, zwei Fälle von Beleidigung und wegen einer versuchten Gefangenenbefreiung. Außerdem sei es zu etlichen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz und gegen die Luftverkehrsordnung gekommen.

Polizei-Gewerkschaft: Flaschenwürfe und Pyrotechnik haben nichts mit Sport zu tun

Der Vorfall sorgt für Entsetzen bei der Berliner Gewerkschaft der Polizei GdP. „Es ist unfassbar, dass wir mit 33 verletzten Kollegen aus einem ganz normalen Abend in Berlin gehen, weil jemand in der Türkei die Meisterschaft im Fußball gewonnen hat“, sagt GdP-Landeschef Stephan Weh. „Wir reden nicht über den 1. Mai oder Silvester.“ Sport sei zwar immer mit Emotionen und teils auch frenetischem Feiern verbunden. Flaschen-, Stein- und Pyrotechnik gehörten jedoch nicht zum Feiern dazu, wer sie auf Menschen werfe, riskiere schwerste Verletzungen und sogar den Tod, warnt der Gewerkschafter.

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„Wir wünschen den Kollegen alles Gute und erwarten gerade aufgrund der letzten vier Tage, dass CDU und SPD nicht nur reden, sondern beim Versammlungsfreiheitsgesetz sowie dem angekündigten Veranstaltungssicherheitsgesetz noch vor der politischen Sommerpause ins Arbeiten kommen, damit dieser Wahnsinn auf unseren Straßen ein Ende hat“, so Weh weiter.

Palästina-Demos: Forderung nach Verschärfung des Versammlungsgesetzes

Auch Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel äußerte sich am Montag im Innenausschuss zu den Ausschreitungen in der City West. „Das gesamte Wochenende war ein schwarzes Wochenende mit Blick auf verletzte Kollegen“, sagte sie. Das habe am Donnerstag bei der Nakba-Demonstration begonnen und sich bis gestern Abend zur Kundgebung von Galatasaray gezogen. „Nur unsere Ausrüstung hat uns in Teilen vor Schlimmerem bewahrt“, so Slowik Meisel. Dass der „Respekt und der Blick auf den Menschen, der als Polizist oder Polizistin handelt, mir immer mehr verloren zu gehen scheint, das besorgt mich und bestürzt mich“, sagte die Polizeipräsidentin.

Erst am vergangenen Donnerstag war eine propalästinensische Kundgebung zum sogenannten Nakba-Tag in Kreuzberg eskaliert. Elf Polizisten wurden verletzt, ein 36-Jähriger schwer, als er in die Blöcke der Kundgebung gezogen und auf ihm herumgetrampelt wurde, bis er mehrmals das Bewusstsein verlor. Mehrere Politiker hatten darauf gefordert, dass Berliner Versammlungsgesetz der momentan hohen und teils aggressiven Versammlungslage anzupassen. Es gilt als das liberalste unter den deutschen Bundesländern.

Zu Ausschreitungen kam es am Sonntag derweil auch bei einer Partei der Fußball-Regionalliga Nordost im Sportforum Hohenschönhausen zwischen dem BFC Dynamo und dem FSV Zwickau. Gewalttätige Fans hatten versucht, auch ohne Eintrittskarten auf das Gelände zu gelangen und dabei fünf Polizisten verletzt, einen davon schwer. Auch er verlor das Bewusstsein durch zahlreiche Tritte und Schläge der attackierenden Hooligans. Die Polizei nahm vier Personen fest.