Es war das Who‘s Who der deutschen Politik: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sowie seine Vorgänger Olaf Scholz (SPD) und Angela Merkel (CDU). Sie und noch weitere Prominenz wollten Margot Friedländer die letzte Ehre erweisen. Die in der vergangenen Woche verstorbene Holocaust-Überlebende aus Berlin wurde am Donnerstagmorgen auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee beerdigt. In den Trauerreden wurde ihr unermüdlicher Einsatz für Menschlichkeit gewürdigt – der ihr allerdings nicht immer leicht gefallen sei.

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Friedländer war am vergangenen Freitag im Alter von 103 Jahren gestorben. Als Jüdin war sie in der NS-Zeit ins Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg emigrierte sie in die USA, kam aber im hohen Alter zurück in ihre Heimat Berlin. Seither setzte sie sich bei zahlreichen Veranstaltungen etwa an Schulen für Menschlichkeit und Demokratie, gegen das Vergessen der NS-Verbrechen und gegen Hass ein.

Trauerrede für Margot Friedländer: Wegbegleiter erinnert an anfängliche Hürden in Deutschland
Bei der Trauerfeier sprach Gideon Joffe, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, die Eröffnungsworte. In seiner Rede wandte er sich direkt an die Verstorbene: „Liebe Frau Friedländer, Sie haben uns einen Auftrag hinterlassen“, sagte Joffe. „Er heißt schlicht und eindringlich: seid Menschen. Wir versprechen Ihnen, wir werden erinnern, wir werden sprechen und wir werden versuchen, Ihrem Wunsch gerecht zu werden, Menschen zu sein.“
Der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin, Yehuda Teichtal, äußerte sich ähnlich: „Margot, Deine Geschichte ist eine Geschichte der Stärke und der unzerbrechlichen Menschlichkeit.“ Das Vermächtnis Friedländers sei, immer zu versuchen, die Welt zu einem menschlicheren und besseren Ort zu machen.
Heute kenne fast jeder Margot Friedländer, erklärte Leeor Engländer, ein Wegbegleiter der Holocaust-Überlebenden. Allerdings erinnerte er in seiner Trauerrede daran, dass ihre Geschichte in den USA, wo sie viele Jahre lebte, auf wenig Interesse stieß – auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland habe sie es anfangs schwer gehabt.

„Was heute in Anbetracht deines immensen Erfolgs kaum noch jemand erahnt, sind die vielen Hürden, die du überwinden musstest. Wie viel Anstrengung es dich gekostet hat, dich mit 90 Jahren auch in Deutschland gegen Desinteresse, Skepsis und Überdruss an der kollektiven Nazivergangenheit zu behaupten.“ Anfangs hätten nur wenige von ihr und ihrer Biografie Notiz genommen. „Beharrlich, sanft, mit Nachdruck“ habe Friedländer die Widerstände aber überwunden und „in nur zwei Jahrzehnten ein ganzes Lebenswerk erschaffen“.
Flaggen auf Halbmast für Margot Friedländer – Beerdigung unter hohen Sicherheitsvorkehrungen
Anlässlich der Beisetzung der gestorbenen Holocaust-Überlebenden wehten am Donnerstag die Flaggen in Berlin auf halbmast. Für alle Behörden und Gebäude des Landes Berlin wurde Trauerbeflaggung angeordnet, wie die Innenverwaltung mitteilte.
Abschied von Margot Friedländer – Prominente Politiker vor Ort
Zudem galt anlässlich der Beisetzung der Berliner Ehrenbürgerin Friedländer, die in Weißensee ein Ehrengrab erhielt, eine hohe Sicherheitsstufe. Die Polizei zeigte mit 430 Einsatzkräften zum Schutz der Trauerfeier und einzelner hochrangiger Personen Präsenz. Die Gegend um den Jüdischen Friedhof Weißensee wurde großräumig abgesperrt.
„Danke Margot“: Auch Nachbarschaft erweist Friedländer die letzte Ehre
Rund ein Dutzend Anwohnerinnen und Anwohner im Kiez ließen es nicht nehmen, möglichst nah an die hochkarätige Trauerfeier zu kommen, um den Worten zu lauschen, die aus der Trauerhalle auf die Straße schallten. „In allen Ehren“, erklärte ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden wollte, mit Blick auf das Vermächtnis Friedländers. Klar sei: Mit 103 Jahren habe sie ein gutes Alter erreicht, dennoch mache es ihn traurig, dass Zeitzeuginnen und Zeitzeugen des Holocausts immer rarer würden.
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Ähnlich äußerte sich Christian Hoch, der im Kiez wohnhaft ist. „Über die Geschichte Bescheid zu wissen, ist gerade in diesen Zeiten extrem wichtig“, erklärte er mit Blick auf den Rechtsruck in der Gesellschaft. Die Geschichte Friedländers erinnere daran, dass Demokratie etwas Schützenwertes ist und nicht als gegeben angesehen werden dürfe. Auch Hoch zeigte sich beeindruckt vom Leben der mit 103 Jahren Verstorbenen: „Mich hat ihre offene Art, über ihre Erlebnisse zu sprechen, beeindruckt. Trotz der negativen Erfahrungen hat sie so viel positive Energie gehabt.“ Letztlich brachte ein kleines Plakat, das auf der Straße zum Friedhof an einem Baum angebracht wurde, zum Ausdruck, was viele in der Nachbarschaft dachten: „Danke Margot“.


















