Umhüllt von Klarsichtfolie und durch schwarzes Band zusammengepresst werden die übermannshohen Pakete mit einem Gabelstapler in den Lastwagen befördert. Auf jedem prangt das Symbol des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Peu á peu werden sie auf der großen Ladefläche des Fahrzeugs verladen, das sich kurz darauf auf den Weg macht in Richtung Belgien. Von dort werden die Hilfsgüter per Flugzeug nach Myanmar gebracht, das am 28. März durch ein starkes Erdbeben erschüttert wurde.
Am Mittwochmorgen startete der erste Hilfstransport des DRK aus Deutschland in das südostasiatische Land. Im Logistikzentrum in Schönefeld bei Berlin wurden insgesamt 42 Tonnen Güter auf Lkw verladen, die im Rahmen einer EU-Luftbrücke über den belgischen Flughafen Lüttich am 12. April nach Yangon weitertransportiert werden. Finanziert wird die Lieferung durch das Auswärtige Amt und die Flämische Regionalregierung sowie durch Spenden.
Erdbeben in Myanmar: Welche Hilfsgüter nun besonders relevant sind
In Myanmar übernimmt das Myanmarische Rote Kreuz (MRCS), mit dem das DRK bereits seit sieben Jahren zusammenarbeitet, die Verteilung der Hilfsgüter. Die Landesverbände des MRCS in den vom Erdbeben betroffenen Gebieten sind seit zehn Tagen im Dauereinsatz, so Julius Kloeckner, DRK-Länderreferent für Myanmar. „Nicht nur mit Rettungsmaßnahmen, sondern auch mit Bedarfserhebungen.“

Zunächst habe überprüft werden müssen, was vor Ort wirklich gebraucht wird und welche Güter im Land nicht beschafft werden können. „Daher werden die Hilfsgüter auch erst jetzt versendet“, erklärte Kloeckner der Berliner Morgenpost. Insgesamt umfasst der Hilfstransport 250 Familienzelte, 700 Werkzeugsets für den Wiederaufbau, 1000 Zeltplanen, 2000 Isoliermatten, 2000 Wärmedecken, 1000 Eimer, 1000 Hygienepakete sowie 2000 Kanister.
„Schon vor dem Erdbeben war die Lage in Myanmar extrem prekär“, so Kloeckner. Aufgrund des bewaffneten Konflikts und wegen Unwetter, wie Überflutungen, seien schon zuvor 20 Millionen Menschen im Land – beinahe ein Drittel der Bevölkerung – auf humanitäre Hilfe angewiesen. „Mit dem Erdbeben ist die Situation noch katastrophaler geworden.“ Laut Behördenangaben sind mindestens 3500 Menschen ums Leben gekommen, tausende werden noch vermisst.
Wie Medien berichten, werden die Aufräumarbeiten durch starke Regenfälle erschwert. DRK-Mitarbeiter Kloeckner sieht eine weitere Gefahr: Durch die zerstörte Infrastruktur, vor allem hinsichtlich der Wasserversorgung, droht die Ausbreitung von Krankheiten. Aus diesem Grund sei es besonders wichtig, Hygienemittel und Decken nach Myanmar zu schicken.

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Mittlerweile erhalte Myanmar Hilfsgüter vom Roten Kreuz in Thailand, das ebenfalls vom Erdbeben betroffen ist. „In Thailand mussten am Anfang zwar viele Rettungsmaßnahmen durchgeführt werden, jetzt hat sich die Lage aber stabilisiert, sodass sie im Nachbarland helfen können“, so Kloeckner.
DRK muss mit Militärregierung vor Ort zusammenarbeiten
Erschwerend kommt in Myanmar die politischen Umstände hinzu. 2021 putsche das Militär und übernahm die Staatsgewalt, infolgedessen es zu einem Bürgerkrieg kam – noch heute schwelt ein bewaffneter Konflikt. Das Land wird von einer Militärregierung autoritär regiert, lag vor wenigen Jahren im Demokratieindex der britischen Zeitschrift The Economist sogar hinter Nordkorea. Dennoch stehe die Schwesterorganisation des DRK in Myanmar, MRCS, „natürlich in Kontakt mit Entscheidungsträgern“, so Kloeckner. „Unsere Partner vor Ort handeln nach humanitären Prinzipien, wo das A und O Neutralität ist.“
Durch die langjährige Erfahrung in dem Land, kenne man die Strukturen vor Ort. Der Fokus liegt laut DRK „auf dem Katastrophenrisikomanagement in städtischen und ländlichen Gebieten, der Unterstützung der Versorgung von Binnengeflüchteten, sowie der Vorbereitung und Stärkung der Einsatzfähigkeit des MRCS im Katastrophenfall“.
Deutsches Rotes Kreuz: Beschaffung von Hilfsgütern immer schwieriger
Dass die dutzenden Tonnen Hilfsgüter vom Flughafen Schönefeld aus transportiert wurden, ist kein Zufall. Das Logistikzentrum am ehemaligen Terminal 5 ist der größte Standort des DRK in Deutschland, wie Clemens Pott, Teamleiter Einsatzunterstützung, der Berliner Morgenpost am Mittwoch erklärte – in anderen würden vor allem Fahrzeuge gelagert. Auf rund 4000 Paletten lagerten hier Hilfsgüter, die zu 90 Prozent für Einsätze im Ausland vorgesehen seien.
Da sich die Ware im Bereich der Luftsicherheit befindet, könne sie direkt exportiert werden – Tests auf Sprengstoff etwa, die kostbare Zeit in Anspruch nehmen, seien nicht notwendig. „Wir haben hier für bis zu 1000 Familien Unterkunftsmaterial“, so Pott. Darunter fallen Zelte, Küchensets und Hygieneartikel.
Allerdings seien die Märkte, wo sich das DRK die Güter herholt, relativ leer. Pott führt dies auf die längeren Lieferzeiten von Produkten zurück. Die Weltlage sei im Beschaffungswesen spürbar. Zudem sei man permanent mit der An- und Ablieferung von Waren beschäftigt, da multiple Krisen dies notwendig machten. Gerade erst sei ein Hilfstransport nach Ägypten aufgebrochen mit dem Ziel, die Menschen in Gaza zu versorgen.
Pott zufolge läuft der Mietvertrag für das Logistikzentrum in Schönefeld Ende nächsten Jahres aus. Bis dato soll sodann der Umzug nach Luckenwalde erfolgt sein, wo derzeit das größte Bevölkerungsschutzzentrum des DRK entsteht und wo alle vier Bundesstandorte gebündelt werden sollen. Pott geht davon aus, dass die Bauarbeiten dort bis Dezember 2025 abgeschlossen sind.





