Die Bagger haben bereits erste Schuttberge aufgeschüttet. Noch ist es schwierig, sich mit Blick auf die Baustelle vorzustellen, was an dieser Stelle in zwei Jahren entstehen soll: Das größte Bevölkerungsschutzzentrum des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Deutschland. Zu dessen Grundsteinlegung am Dienstagmittag in Luckenwalde wurde erklärt, warum es einen solchen Ort jetzt braucht und warum der Bau ein „Schritt zurück in die Zukunft“ ist.

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Auf dem 34.000 Quadratmeter großen Gelände sollen zukünftig Hilfsgüter für verschiedene Krisen sowohl im Inland als auch im Ausland vorgehalten werden, wie Hygienesets, Zelte, Gebäudetrockner und Einsatzfahrzeuge. Gleichzeitig diene der Standort zur Lagerung von Gesundheitsstationen, einem Feldkrankenhaus und sogenannten Mobilen Betreuungsmodulen. Bei Letzterem handelt es sich um temporäre Unterkunfts- und Betreuungseinrichtungen, die in Notlagen kurzfristig aufgebaut werden und 5000 Personen beherbergen können.

Grundsteinlegung Bevölkerungsschutzzentrum
Innerhalb von zwei Jahren soll auf der 34.000 Quadratmeter großen Fläche in Luckenwalde ein Logistik- und Ausbildungszentrum des DRK entstehen.© DPA Images | Fabian Sommer

DRK-Bevölkerungsschutzzentrum: Warum es einen solchen Ort braucht

Warum braucht es ein solches Zentrum? Die Bevollmächtigte des Landes Brandenburg beim Bund, Friederike Haase, sprach am Dienstag von den sich häufenden und näherkommenden Krisen: Waldbrände in Brandenburg, Hochwasser an der Oder oder der Ukrainekrieg – weniger als 1000 Kilometer entfernt. Mit dem Bevölkerungsschutzzentrum soll die Reaktionsfähigkeit des DRK gesteigert werden. Haase nannte den geplanten Standort ein „ruhiges Zentrum im Sturm“. „Die Einsatzkräfte des DRK sind da, wenn sie gebraucht werden und leisten Hilfe in Notsituationen“, so Haase. „Das Land Brandenburg steht der Organisation gerne als verlässlicher Partner zur Seite.“

In Luckenwalde soll aber auch eine Ausbildungsstätte entstehen, so DRK-Generalsekretär Christian Reuter. „Wir haben hier Trainingsmöglichkeiten sowohl in der Theorie als auch im praktischen Tun.“ Neben 20 bis 25 festen Mitarbeitenden werden seiner Einschätzung nach pro Jahr mehrere Hundert Hauptamtliche und Ehrenamtliche der DRK an dem Standort sein, um trainiert zu werden – der überwiegende Teil der Mitglieder engagiert sich ehrenamtlich bei der Hilfsorganisation. „Ausbildung spielt eine wesentliche Rolle. Im modernen Bevölkerungsschutz braucht man eben auch moderne Ausstattung und diese will genutzt werden“, erklärte Reuter der Berliner Morgenpost.

Warum das Bevölkerungsschutzzentrum in Luckenwalde gebaut wird

Die Standortwahl Luckenwalde begründet er etwa mit der Nähe zu Berlin, wo sich der Sitz des DRK-Hauptquartiers befindet. „Eine solch große Fläche können Sie aber schlecht in Berlin-Mitte finden“, so Reuter. In Luckenwalde kämen die verschiedenen Ebenen des DRK zusammen: Kreis-, Landes- und Bundesverband. Er lobte auch die gute Zusammenarbeit mit der Kommune und dem Land Brandenburg. Zudem sei eine gute Anbindung gegeben. „Nicht an den BER, sondern Richtung Leipzig/ Halle. Das ist für uns der wichtigere Flughafen, weil er rund um die Uhr an- und abgeflogen werden kann.“

Grundsteinlegung Bevölkerungsschutzzentrum
Grundsteinlegung des DRK-Bevölkerungsschutzzentrums: (l-r) Jörg de Boer, Fiege Logistik, Friederike Haase, Staatssekretärin Bevollmächtigte des Landes Brandenburg beim Bund, Christian Reuter, DRK-Generalsekretär, und Dietlind Biesterfeld, stellvertretende Landrätin Teltow-Fläming. © DPA Images | Fabian Sommer

Die DRK, die sich unter anderem aus Spenden der Bevölkerung und zweckgebundenen staatlichen Zuwendungen finanziert, habe lange für die Errichtung des Bevölkerungsschutzzentrums gespart, verrät Generalsekretär Reuter. „Wir haben hier knapp einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag investiert.“ Diese Investition wie auch der laufende Betrieb würden im Augenblick aus Mitteln des DRK bezahlt werden. „Wir werden nationale wie internationale Operationen von diesem Standort aus leiten, die dann natürlich teilweise über Spenden oder auch über öffentliche Mittel und Zuwendungen finanziert werden.“

DRK-Generalsekretär: Kritik an fehlenden Investitionen in Bevölkerungsschutz

Laut Reuter sei die Errichtung des Bevölkerungsschutzzentrums ein „Schritt zurück in die Zukunft“. Im Laufe der vergangenen Jahre sei der Bevölkerungsschutz rückabgewickelt worden. „Früher hatten wir solche Zentren. Es gab Hilfskrankenhäuser. Das sind Dinge, die wir im Rahmen der Friedensdividende abgebaut haben, wie auch im Bereich der Bundeswehr und des Militärs.“

Der Generalsekretär moniert, dass im Bundeshaushalt rund 550 Millionen Euro vorgesehen sind – eine Summe, die bereits vor drei oder vier Jahren in den Haushaltsplänen zu finden gewesen sei. „Das ist natürlich zu wenig angesichts dessen, was heute global bewaffnete Konflikte, Klimawandel und Großschadensereignisse eigentlich notwendig machen“, meint Reuter. Seit zwei Jahren liefen er und seine Kolleginnen und Kollegen durch das politische Berlin, um dafür zu werben, dass der Bevölkerungsschutz mit 0,5 Prozent im Bundeshalt Beachtung findet, was rund zwei bis zweieinhalb Milliarden Euro entsprechen würde.

DRK-Bevölkerungsschutzzentrum ist ein Signal an die Politik

Eine wichtige Maßnahme wäre laut DRK die Beschaffung von zehn Mobilen Betreuungsmodulen, von denen allerdings erst eine ausfinanziert ist. Darüber hinaus pocht die Hilfsorganisation darauf, das Konzept Pflegeunterstützungskräfte in den Bundeshaushaltsplanungen zu berücksichtigen. Die Idee: Einen einheitlich ausgebildeten und flächendeckend verfügbaren Pool von einem Prozent der Bevölkerung im Kontext der Pflegeunterstützung zu schaffen, um auf Krisenlagen besser vorbereitet zu sein, wie es in einer Pressemitteilung der DRK heißt.

„Wir setzen mit dem Bau ein klares Signal, dass uns der Schutz der Bevölkerung viel wert ist“, so Reuter. „Es ist an der Zeit, dass insbesondere auch in der Bundespolitik die zunehmende Bedeutung des Bevölkerungsschutzes und der humanitären Hilfe verstanden wird.“