Die plötzliche Unterbrechung des Zugverkehrs auf der Ringbahn zwischen den S-Bahnhöfen Halensee und Westend hat viele Pendlerinnen und Pendler am Freitagmorgen völlig unvorbereitet getroffen. „Ich krieg‘ die Krise!“, entfuhr es einer Frau, als sie beim Aufstieg von den Gleisen die Menschenmenge am Spandauer Damm erblickte, die auf die Busse des eingerichteten Ersatzverkehrs zwischen den Stationen wartete – und die sich den begrenzten Platz auch noch mit den Reisenden des regulären BVG-Busverkehrs teilen musste. Beide Gruppen hatten eins gemeinsam: Zu den Stoßzeiten kam nichts, was sie hätte an ihr Ziel befördern können.

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Und wenn, dann war es voll. Laut Fahrplan soll der Ersatzverkehr alle fünf bis acht Minuten an den Bahnhöfen auf der gesperrten Strecke halten. Das konnte aufgrund des Verkehrschaos rund um das Autobahndreieck Funkturm allerdings nicht eingehalten werden. Die Fahrzeuge standen schlicht im Stau. Zeitliche Planung wurde so unmöglich. Die Folge: Allerorts bange Blicke auf Armbanduhren und Handys, begleitet von ungläubigem Kopfschütteln.

„Hier ist Katastrophe“, sagte ein Mitarbeiter der Bahn, der geduldig die Fragen der Pendler beantwortete. Und auch schon einmal eingreifen musste, wenn es zu Gedränge kam oder sich zu viele Menschen in die vollen Busse drückten. Einige Pendler drehten daher gleich entsetzt wieder ab und fuhren mit der nächsten Ringbahn zurück. „Ich komme nicht rechtzeitig zur Schule“, beklagte sich die 14-jährige Lisa aus Gesundbrunnen.

S-Bahnhof Halensee Chaos
Am S-Bahnhof Halensee herrscht großes Gedränge.© Dennis Meischen | Dennis Meischen

Berichte: Wie lange die Ringbahn unterbrochen ist

S-Bahn Ersatzverkehr A100
Ein Polizist muss am Spandauer Damm/Ecke Königin-Elisabeth-Straße den Verkehr regeln.© Dennis Meischen | Dennis Meischen

Ihr Schulweg wird in nächster Zeit wohl kompliziert bleiben. Denn: Aus Sicherheitsgründen darf unter der maroden Brücke, die bis zu ihrem Abbruch zusätzlich gestützt werden muss, bis auf Weiteres kein S-Bahn-Verkehr mehr hindurchfahren. Wie lange die Maßnahme andauern soll, blieb auch am Freitag zunächst offen. Berichten von „BZ“ und „RBB“ zufolge könnte die Sperrung bis zu zwei Wochen dauern.

S Bahn Ersatzverkehr A100
Menschen warten am S-Bahnhof Halensee auf den Schienenersatzverkehr (SEV).© Dennis Meischen | Dennis Meischen

Verkehrschaos in Charlottenburg: Polizei passt Ampelschaltung an

Immerhin pendelte sich der Ersatzverkehr nach der Rush Hour zumindest etwas ein. Die Busse wurden nach und nach leerer und fuhren zum Teil nur mit wenigen Passagieren. Die fünfminütige Bahnstrecke von Westend nach Halensee konnte so – wenn man erst einmal die Kreuzung Spandauer Damm/Königin-Elisabeth-Straße erfolgreich passiert hatte – in 20 Minuten zurückgelegt werden. Auf dem Rückweg nach Halensee allerdings standen die Busse vermehrt im Stau, bis zu 35 Minuten konnte eine Fahrt dann dauern.

Zunächst wurde der Verkehr an einigen Kreuzungen sogar von Polizeibeamten per Hand geregelt. Das habe aber einen entlastenden Hintergrund, wie die Polizei auf Nachfrage mitteilte. „Gerade sind Techniker an den Ampeln im betroffenen Gebiet zugange, um die Schaltungen an den zunehmenden Verkehr anzupassen“, sagte ein Sprecher. „Dadurch erhalten Hauptstraßen längere Grünphasen.“

Pendler drehen entsetzt ab
Auch an den Eingängen zu den Bussen ist viel los.© Dennis Meischen | Dennis Meischen

Ampeln, Baustellen und die seit der Sperrung der Ringbahnbrücke vollgestopften Straßen in Westend verwandelten die Tour zuvor in eine Stop-and-Go-Fahrt mit abrupten Stopps und verwegenen Schlenkern vorbei an Bauschildern. Je länger die Standzeit, desto mürrischer wurden die Mienen der Fahrgäste und desto lauter die Seufzer und Gefühlsausbrüche.

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