In die festgefahrenen Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft Verdi und den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) kommt neue Bewegung, doch am Warnstreik am Mittwoch und Donnerstag hält Verdi fest. Zwei Tage lang werden U- und Straßenbahnen sowie die meisten Busse in Berlin erneut stillstehen, es ist der mittlerweile fünfte Streik seit Januar. Nachdem die Verhandlungsrunde am vergangenen Freitag ergebnislos abgebrochen wurde, wird nun ausgelotet, ob eine Einigung mithilfe einer Schlichtung erzielt werden kann.

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Ein erstes Vorgespräch beider Seiten fand am Dienstagvormittag statt. „Die Sondierung für eine Schlichtung verlief heute positiv. Es sind einzelne Detailfragen offen. Beide Seiten gehen davon aus, diese Fragen in den nächsten Tagen gemeinsam zu klären“, teilte die BVG im Nachgang mit. Auch ein Verdi-Sprecher erklärte, das Gespräch sei konstruktiv verlaufen, verwies aber ebenfalls darauf, dass noch Punkte zu klären seien. Können sich Gewerkschaft und BVG auf eine Schlichtungsvereinbarung einigen, könnte diese, wenn alles glattläuft, noch in dieser Woche stehen.

Schlichtung bei der BVG: Urabstimmung von Verdi findet trotzdem statt

Für diese Vereinbarung müssen etwa der Start und Zeitrahmen der Schlichtung sowie der Beginn einer Friedenspflicht festgelegt werden, während der dann keine weiteren Streiks stattfinden dürfen. In Tarifverhandlungen zwischen Verdi und BVG wäre es das erste Mal, dass auf Schlichter gesetzt wird, entsprechend gibt es keine Vorlage, auf die zurückgegriffen werden kann. Auch die Mitglieder einer Schlichtungskommission müssen noch festgelegt werden.

Schon sicher ist, dass die Gewerkschaft auch die Urabstimmung zu einem unbefristeten Streik wie geplant durchführen wird. Diese Befragung der Gewerkschaftsmitglieder bliebe auch von einer Schlichtung unberührt, könnte also parallel dazu stattfinden. An diesem Mittwoch will Verdi mit der Urabstimmung starten, bis zum 4. April soll sie abgeschlossen sein. Im Ergebnis müssten 75 Prozent der Verdi-Mitglieder für einen unbefristeten Streik stimmen, damit dieser kommen kann. Zweifel daran, dass dieser Wert erreicht wird, hatte die Gewerkschaft zuletzt nicht. Es wäre der erste unbefristete Streik bei der BVG seit dem Jahr 2008.

Streik am Mittwoch und Donnerstag: VIZ empfiehlt Homeoffice

Schon in den aktuellen Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst sollen Schlichter dabei helfen, zu einem Ergebnis zu kommen. Am Montag haben sie ihre Arbeit aufgenommen. Dort soll die Kommission binnen einer Woche einen Kompromiss finden. Sie tagt vertraulich an einem unbekannten Ort. Liegt eine Einigungsempfehlung vor, verhandeln wieder die Tarifparteien, wobei die Empfehlung für sie nicht bindend ist. Voraussichtlich passiert dies am 5. April. Ähnlich könnte das Ganze bei der BVG ablaufen.

Der nun zunächst anstehende Warnstreik trifft Berlin in einer ohnehin verkehrstechnisch angespannten Situation, nachdem die Ringbahnbrücke der Autobahn A100 für den Verkehr gesperrt wurde. Da während der Streiktage voraussichtlich mehr Menschen aufs Auto umsteigen werden und sich Stausituationen so verschärfen könnten, empfiehlt die Verkehrsinformationszentrale Berlin (VIZ), Fahrten so weit wie möglich zu reduzieren. „Falls möglich, arbeiten Sie im Homeoffice oder legen Sie notwendige Autofahrten außerhalb der Hauptverkehrszeiten“, schreibt diese, sowie: „Nutzen Sie andere Verkehrsmittel: Ziehen Sie das Fahrrad, Sharing-Angebote oder Fahrgemeinschaften in Betracht.“

Während der BVG-Streiks: S-Bahn Berlin stockt Fahrten auf

Wie bei den vorherigen Streiks wird außerdem die Berliner S-Bahn auf Bestellung des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg und des Landes Berlin zeitweise ihr Angebot verstärken. Zusätzliche Fahrten sind in der Zeit von circa 9 bis 14 Uhr auf der Linie S1 zwischen Zehlendorf und Potsdamer Platz und der S5 zwischen Mahlsdorf und Lichtenberg geplant. Damit fahre die S-Bahn auf diesen Abschnitten außerhalb der Hauptverkehrszeiten neun- statt sechsmal pro Stunde und Richtung, so das Unternehmen.

Allerdings kam es auch am Dienstag bei der S-Bahn erneut zu Störungen auf mehreren Linien. So gab es wegen der Reparatur an einem Signal im Bereich des Bahnhofs Ostkreuz Verspätungen und vereinzelten Zugausfälle, unter anderem konnte die Ringbahn-Linie S41 nur im 10-Minuten-Takt fahren. Ein Bahn-Sprecher hatte kürzlich auf Nachfrage bestätigt, dass es in den vergangenen Wochen eine Zunahme der Störungen an der Infrastruktur, also an Weichen, Signalen und Stellwerken, bei der Berliner S-Bahn gegeben habe. Um diese zu reduzieren, arbeitet die Bahn unter anderem daran, Signalkabel durch störungsresistentere Kabel auszutauschen.