Die Treppe vor dem Sitz der Berliner Sparkasse hinauf hat es in sich. Um von hier zum Bahnsteig des S-Bahnhofs Johannisthal zu kommen, müssen jede Menge Stufen nach oben genommen werden. Besonders für diejenigen, die noch ein Fahrrad dabeihaben und damit zur S-Bahn oder zur anderen Seite der Bahntrasse nach Niederschöneweide wollen, ist das alles andere als ein Vergnügen.
Das Problem der fehlenden Barrierefreiheit ist lange bekannt und sollte eigentlich schon längst mit dem Bau eines Fahrstuhls behoben werden. Allerdings gab es immer wieder Verzögerungen. Der SPD-Abgeordnete Lars Düsterhöft, zu dessen Wahlkreis Schöneweide und Johannisthal gehören, hat sich deshalb noch einmal nach dem aktuellen Stand erkundigt. Er bezeichnet den Fahrstuhlbau bereits sarkastisch als „Jahrhundertprojekt“.
S-Bahnhof Johannisthal: Fehlende Barrierefreiheit wird zum Dauerzustand
In der Antwort der Senatsverkehrsverwaltung auf seine parlamentarische Anfrage heißt es, dass die Deutsche Bahn nun aktuell davon ausgeht, den Aufzug ab dem vierten Quartal dieses Jahres zu errichten. Der letzte Plan, den Fahrstuhl im September 2024 in Betrieb zu nehmen, wird damit um mindestens ein Jahr verfehlt.
Wie Staatssekretär Johannes Wieczorek (CDU) mitteilt, erfolgte die Bestellung des Aufzugs südlich der Fußgängerbrücke am S-Bahnhof Johannisthal bei der Deutschen Bahn bereits im März 2019. „Seit 2021 ist die Maßnahme Bestandteil der Rahmenvereinbarung, sodass auf dieser Grundlage ein Finanzierungsvertrag für die Planung geschlossen werden konnte“, so Wieczorek.

„Im Sommer 2024 wurde nach dem Vorliegen der nötigen Voraussetzungen – abgeschlossene Entwurfs- und Genehmigungsplanung sowie geprüfte Bauplanungsunterlagen – der Realisierungs- und Finanzierungsvertrag, der die bauliche Umsetzung regelt, zwischen der DB InfraGO AG und dem Land Berlin geschlossen“, erklärt der Verkehrsstaatssekretär weiter.
Deutsche Bahn findet keine Handwerker und Material
Nach Auskunft der Deutschen Bahn AG wurde die Vorentwurfsplanung für den Fahrstuhl planmäßig im Dezember 2022 abgeschlossen. Danach sei die Entwurfsplanung erfolgt. Als die finanziellen Voraussetzungen geschaffen waren, sei umgehend mit der Vergabe der Leistungen begonnen worden. Danach habe sich der Prozess für die benötigte Elektrotechnik und Telekommunikation aufgrund mangelnder Kapazitäten am Markt jedoch sehr lange hingezogen.
Weitere Themen aus Treptow-Köpenick:
- Politik: Treptow-Köpenicks Bürgermeister Oliver Igel zieht sich zurück
- Stadtentwicklung: Megaprojekt „Funkytown“ in Berlin belebt Lost Place auf spektakuläre Weise
- Nahversorgung: Neuer Supermarkt von Edeka im Park Center Treptow überrascht mit seinen Details
- Havarie: Heftiger Wasserschaden im Rathaus Köpenick hat drastische Folgen
- Einkaufszentren: Geplanter Ausbau der Taut-Passage am S-Bahnhof Grünau kurz vor dem Durchbruch
- Radwege: Neue Technik macht angenehmes Radfahren von Brandenburg nach Berlin möglich
Durch die aktuell angespannte Marktlage im Baugewerbe habe die Fertigstellung des dritten Aufzugs am S-Bahnhof Johannisthal daher nicht mehr im Jahr 2024 erfolgen können. „Sowohl in der Planung als auch im Bau ist es schon länger sehr herausfordernd, Kapazitäten wie Personal und Materialien zu binden. Es gestaltete sich daher in den letzten Monaten äußerst schwierig, die nötigen Leistungen zu vergeben – Ausschreibungen blieben ergebnislos“, erklärt die Bahn.
„Die Baumaßnahme befindet sich aktuell in der Finalisierung der angepassten Vergabeunterlagen für die Leistungen, die bislang noch nicht vergeben werden konnten“, heißt es vom Unternehmen in bestem Behördendeutsch.



