Im Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft Verdi und den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) hat die Arbeitgeberseite am Freitag ein Angebot vorgelegt. Im Durchschnitt sollen alle Beschäftigten 15,3 Prozent mehr Gehalt kriegen, wie das Unternehmen mitteilte. Für Fahrer und Fahrerinnen in Schichtarbeit sollen die Zulagen um bis zu 84 Prozent steigen. BVG-Personalvorständin Jenny Zeller-Grothe sprach von einem „ernsthaften Angebot, das deutlich unsere Bereitschaft für eine gute und zügige Lösung signalisiert“.

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Mit dem Angebot bleibt die BVG allerdings deutlich hinter den Forderungen von Verdi zurück. Die Gewerkschaft verlangte für die rund 16.000 Beschäftigten monatlich 750 Euro mehr bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Zudem fordert sie ein 13. Monatsgehalt, eine Fahrdienst- beziehungsweise Wechselschichtzulage in Höhe von 300 Euro sowie eine Schichtzulage von 200 Euro. „Zum Thema Weihnachtsgeld hat die BVG kein Angebot vorgelegt“, teilte Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt mit.

Weitere Streiks sind damit nicht ausgeschlossen. „Für die weitere Bewertung dieses Angebots finden im Laufe der nächsten Woche Rückkopplungsgespräche mit den BVG-Beschäftigten statt“, so die Gewerkschaft. Auf Grundlage der Rückmeldungen werde die Tarifkommission am Donnerstag (6. Februar) eine „Entscheidung über die nächsten Schritte in der Tarifauseinandersetzung fällen“. Mindestens bis dahin werden Züge und Busse wie gewohnt fahren.

Verdi lässt Beschäftigte über Streik abstimmen

Die Verhandlungen zwischen Verdi und BVG sollen dann am 11. Februar weitergehen. Anfang dieser Woche war es zu einem 24-stündigen Warnstreik gekommen, nachdem zuvor die erste Verhandlungsrunde gescheitert war. Den gesamten Montag fuhren weder U- noch Straßenbahnen und nur vereinzelt einige Busse. Zuvor hatte die Gewerkschaft über eine Befragung den Rückhalt unter den BVG-Beschäftigten eingeholt und nach der Entscheidung den Streik mit mehreren Tagen Vorlauf angekündigt.

Verdi hatte den Streik damit begründet, dass die BVG beim ersten Termin kein Angebot vorlegte. Die Gewerkschaft warf dem Unternehmen „Verzögerungsstrategien“ vor. Das kündigte jedoch bereits zuvor an, erst am 31. Januar etwa Konkretes anbieten zu wollen.

Haltestelle an der Bernauer Straße
Information zum Warnstreik bei der BVG an einer Haltestelle an der Bernauer Straße.© IMAGO/Future Image | IMAGO/Frederic Kern

Geregelt sind die Löhne im Tarifvertrag Nahverkehrsbetriebe (TV-N) Berlin. Für Straßenbahnfahrer und -fahrerinnen liegt das Einstiegsgehalt in Entgeltstufe 4 zwischen 2572,93 und 2848,72 Euro brutto. Hinzu kommen laut BVG jährlich 500 Euro Urlaubs- und 1900 Euro Weihnachtsgeld. Laut Verdi kann das Gehalt nach 15-jähriger Betriebszugehörigkeit auf knapp über 3000 Euro steigen. Das nun vorgelegte Angebot der Arbeitgeberseite würde laut eines Sprechers ein Plus von im Schnitt 250 Euro monatlich bedeuten. Verdi kritisierte wiederholt, dass trotz steigender Preise die Löhne seit Jahren gleichgeblieben sind.

BVG will Loherhöhung über einen Zeitraum von vier Jahren

Die BVG sowie Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) bezeichneten die Forderung der Arbeitnehmerseite als „zu hoch“ und „nicht finanzierbar“. Das von Verdi auf den Tisch gelegte Paket sei 250 Millionen Euro schwer, so die CDU-Politikerin. Nachbesserungen solle es geben, aber nicht in der geforderten Größenordnung.

Ein Punkt, in dem vor allem Uneinigkeit herrscht, ist der Zeitraum von einem Jahr, während dem die Gehälter nach dem Willen der Gewerkschaft erhöht werden sollen. Dem setzt das Unternehmen nun vier Jahre entgegen – rückwirkend ab dem 1. Januar 2025 bis Ende 2028 –, um „den Umfang des Angebots zu stemmen“, wie es heißt.

BVG-Streik
An der Warschauer Straße fuhr am Streikmorgen keine einzige U-Bahn.© Dirk Krampitz | Dirk Krampitz

Das würde einen schrittweisen Anstieg der Gehälter bedeuten. Für das laufende Jahr bietet die BVG durchschnittlich 6,9 Prozent mehr Gehalt, für die rund 7400 Fahrerinnen und Fahrer bis zu 8,5 Prozent. Für die Jahre 2026 bis 2028 ist dann jeweils ein Plus von 2,5 Prozent vorgesehen. Die lange Laufzeit gebe „Planungssicherheit auf dem Weg zur Stabilisierung des Unternehmens.“

Abwanderungen, Übergriffe und hohe Arbeitsbelastungen

Fahrerinnen und Fahrer beklagen bereits länger die zum Teil hohe Arbeitsbelastung, einen Teufelskreis aus Verspätungen und kurzen Pausenzeiten. Auch verbale Angriffe gehören zur Tagesordnung, von physischen Attacken wird auch immer wieder berichtet. Dem gegenüber stehen Berichte über private Fuhrunternehmen, die vor allem Busfahrerinnen und Busfahrer abwerben und deutlich mehr Geld bezahlen.

Nach einer Kündigungswelle im Jahr 2023 musste der Fahrplan im Busverkehr auf mehr als 40 Linien ausgedünnt werden. Das Unternehmen sucht händeringend Personal. Nach Gewerkschaftssicht muss der Job allerdings durch eine bessere Bezahlung attraktiver werden.