Es klingt wie aus einem schlechten Hollywood-Film. Nasser Rammou, trotz der unterschiedlichen Schreibweise Mitglied des berüchtigten Berliner Remmo-Clans aus Neukölln, sitzt zwar wegen diverser schwerer Vergehen in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee. Dennoch soll es der 46-jährigen Clangröße in seiner Gefängniszelle weder an Lebensmitteln noch an Kleidung noch an der Möglichkeit der Handykommunikation gemangelt haben.

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Der Grund: Zwei Justizmitarbeiterinnen sollen von ihm bestochen worden sein, mit einer von ihnen soll er gar eine Affäre gehabt haben. Die Vermutung liegt daher nahe, dass die beiden Frauen ihm Alltagsgegenstände ins Gefängnis schmuggelten. Zuerst hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet.

Die Staatsanwaltschaft bestätigt die Vorwürfe. „Am 30. Dezember 2024 durchsuchten Einsatzkräfte der Berliner Polizei einen Haftraum eines Strafgefangenen der Justizvollzugsanstalt Plötzensee sowie Wohnräume zweier Vollzugsbediensteter dieser Anstalt wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Bestechung“, sagt Sprecher Thomas Petzold auf Nachfrage der Morgenpost.

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Die Ermittlungen gegen zwei weibliche Justizbedienstete dauern an

Es bestehe des Weiteren der Verdacht, dass zwischen einer der Bediensteten und dem Strafgefangenen eine private Beziehung entstanden ist und die Vollzugsmitarbeiterin daraufhin Alltagsgegenstände in die Justizvollzugsanstalt eingebracht hat. Darunter hätten sich aber keine Betäubungsmittel oder andere verbotene Substanzen befunden. Die weitere Bedienstete soll sich als Komplizin an dem Geschehen beteiligt haben.

Allerdings wurden die beiden beschuldigten Frauen laut Staatsanwaltschaft nicht festgenommen und nach Beendigung der Maßnahmen auch direkt wieder entlassen. „Die Ermittlungen dauern an“, heißt es. Berlins Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) wollte sich am Dienstag nach der Sitzung des Senats nicht zu der Angelegenheit äußern. Auch ihre Senatsverwaltung teilte mit, grundsätzlich keine Auskunft zu laufenden Ermittlungen zu geben. Immer wieder kommen dabei auch in Berlin Liebesbeziehungen zwischen Inhaftierten und Wärtern ans Licht. Sie werden durch die Nähe der Menschen in den Haftanstalten begünstigt, geschahen in der Vergangenheit oftmals aber auch nicht freiwillig.

Nasser Rammou ist Führungsfigur des Remmo-Clans

Es scheint derweil fast so, als sei die Affäre der Clangröße Rammou in Plötzensee so etwas wie ein offenes Geheimnis gewesen. Informationen dieser Redaktion zufolge soll Rammou ein „unangepasstes Verhalten“ an den Tag gelegt sowie Beamte und Angestellte beleidigt haben, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Seine Zelle sei nicht mehr durchsucht worden, berichtet ein Insider der Berliner Morgenpost. Er habe „Privilegien“ genossen und hätte die Möglichkeit gehabt, seine „Geschäfte“ per Handy auch weiterhin aus seiner Zelle heraus zu führen. Die Staatsanwaltschaft ließ entsprechende Fragen dieser Redaktion dazu unbeantwortet.

Die arabischstämmige Remmo-Familie wird in Teilen der Clankriminalität zugerechnet. Sie ist für ihre spektakulären Coups bekannt. Auf das Konto der Remmos gehen etwa der Diebstahl der 100-Kilogramm-Maple-Leaf-Goldmünze aus dem Berliner Bodemuseum 2017 und die Plünderung des Juwelenschatzes des Grünen Gewölbes in Dresden 2019. Nasser Rammou wiederum gilt als Führungsfigur innerhalb der Großfamilie, die auf rund 500 bis 1000 Angehörige geschätzt wird. Als Oberhaupt des Clans wird hingegen der schillernde Issa Remmo gehandelt, der immer wieder für Schlagzeilen sorgt, allerdings selbst nicht vorbestraft ist.

Wegen Waffen- und Kokainhandel verurteilt

Im Gegensatz zu Issa ist Rammou der Justiz bestens bekannt, das erste Mal saß er mit 18 Jahren. Der 1981 mit seiner Familie aus dem Libanon eingereiste Intensivstraftäter, Vater von fünf Kindern, verbrachte über 15 Jahre hinter Gittern, etwa wegen illegaler Drogengeschäfte und Nötigung. Auch eine Serie von Autobrandanschlägen sowie gefährliche Körperverletzung und Landfriedensbruch wurden ihm schon zur Last gelegt, teils während er eine elektronische Fußfessel trug. Zweieinhalb Jahre bekam er Ende 2022 vom Landgericht, weil er in eine Massenschlägerei mit mehreren Schwerverletzten am Bahnhof Gesundbrunnen verwickelt war. Es sei um Rache an tschetschenischen Konkurrenten gegangen, hieß es damals in der Anklage.

Zuletzt wurde Rammou wegen Verstößen gegen das Waffen- und das Kriegswaffenkontrollgesetz sowie wegen Kokainhandels zu neun Jahren Haft verurteilt. Er war aufgeflogen, weil er den vermeintlich sicher verschlüsselten Geheim-Messenger-Dienst Encrochat für seine Kommunikation verwendet hatte. Encrochat konnte 2020 von niederländischen und französischen Behörden geknackt werden. Dadurch wurden Millionen Daten von rund 32.000 Nutzern abgeschöpft. Die Spuren führten und führen auch in Berlins Organisierte Kriminalität. 

Zum Weiterlesen: Clans in Berlin - So ticken Remmo, Abou-Chaker und Co.